Hangeln und Kletterschuhe

Hangeln ist eine feine Sache, sieht männlich und schwer beeindruckend aus. Doch Hangeln ist mehr als ein einfaches „Gepose“ der Testosteroninhaber – nein – mit Hangeln kann man bares Geld sparen.

Wie???

Ganz einfach! Durch die wenigen Kontakte der Füße zu dem Klettermedium schont man die Trittwerkzeuge ungemein und schützt sie vor dem zu schnellem Verschleiß. Das eigene Portemonnaie dankt es aber einem besonders, denn neue Kletterschuhe von hoher Qualität und Performance bekommt man heute nicht unter 100 €.

Das meine Theorie nicht aus der Luft gegriffen ist, sehe ich immer wieder in diversen Hallen Deutschlands und ab und an auch in der Fränkischen.

Hat man im Winter keine Möglichkeit das Klettern in eigentlicher Form zu betreiben, so kommt man um ein Fingerbrett Training nicht herum, wenn man das Projekt im Frühjahr punkten möchte. Doch diese lukrative, Strombildungsmaßnahme hat einen Haken: die Tritttechnik.

Ich erinnere mich sehr gut an ein Treffen mit einem Pionier des Klettertrainings der 80-90er Jahre in Deutschland. Wir standen gerade am „Kapitän Hook“ im Kroti als er mir die damaligen Trainingsmethoden offenbarte. Da fiel mir die Kinnlatte doch bis zum Boden, als er erzählte wie er nach einem Jahr felslosen Hangeltraining zu Klagemauer fuhr und den „Elektrischen Sturm in der Hölle“ hangelte. Das machte er aber nach seiner Aussage nicht, um ein Exempel zu Statuieren sonder, weil er seine Füße gar nicht mehr benutzen könnte.

Psychokognitiv gesprochen handelt es sich bei diesem „Phänomen“, um ein „verlernen“ von komplexen Bewegungshandlungskompetenzen durch die Rückentwicklung der neurologischen Kopplungen.

Im Klartext heißt es, das zu viel Hageln ein fachgerechtes Benutzen der eigenen Füße auf Dauer verhindert. An sich nicht schlimm wenn man hauptsächlich am Plastik klettert. Ein echter Minus ist es aber zBsp in Kochel wo man die Griffe meist in alle möglichen Richtungen belasten kann, nur nicht nach unten…

Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass man es einem ansieht ob man hauptsächlich durch Hangeln die Fingerkraft aufbaut oder „klassisch“ zum Klettern geht. Das beste Beispiel ist der Kletterstil von Dave Graham und Ty Landman.  Während man beim Ty die Last auf den Armen förmlich beim sehen spürt, kann Dave sein Gewicht viel mehr auf die Füße bringen – egal bei welcher Wandneigung.

Man kann und darf an das Hangeln allerdings nicht so dogmatisch rangehen. Es gibt kein Hangeln oder nicht Hangeln, kein gut oder schlecht. Die Mischung macht es! Man sollte bei aller Ehre dem Hangboard und Campusboard gegenüber ab und an auch klettern gehen.

Was noch viel mehr hilft die eigenen Füße besser einzusetzen ist das draußen klettern was man deutlich beim Daniel Woods sieht. Dieser Bursche verkündete in jungen Jahren, dass für ihr die Herausforderung darin besteht, auszuloten wie viele Züge er in Folge hangeln kann. Nun sieht man bei seinen Erstbegehungen am Fels, dass der (sau)starke Amerikaner immer mehr von seinem Gewicht auf die Füße absteuern kann.

Am Campus Board stundenlang zu hangeln muss noch nichts über die maximale Kletterleistung aussagen. Das sieht man ganz gut an einem Vergleich von Woods mit dem notorischen Nicht-Trainierer Chris Sharma. Ich wage zu behaupten, dass Daniel Woods den King-Sharma am Campus verspeissen würde, aber das blitzschnelle Umschalten von „normalen“ Klettern auf das An- und Weiterhangeln (und Schwung ausnutzen) hat beim unten aufgeführtem Videos den Ausgang des Wettkampfs bestimmt.

Zusammenfassung: Hangeln ist eine tolle Sache. Man baut Kraft auf und schon die Kletterschuhe. Am Felsen stößt man beim Hangeln aber schnell an seine Grenze, wenn man flache Untergriffe Anhangeln möchte. Das Einzige was hilft ist neben dem Hangeln anspruchsvolle Stellen zu klettern und die Verbindung des großen Zehs zum Gehirn zu pflegen. Trainiert man auf ein bestimmtes Projekt hin, sei es durch das ständige Ausbouldern und Versuchen, oder durch das Einüben der am Plastik nachgebildeten Schlüßelstelle, empfehle ich das mit einem Paar Kletterschuhe der Wahl zu machen. Dadurch kann man den gesamten Ablauf besser einstellen und optimieren und muss sich im „Ernstfall“ nicht mehr umstellen. Grundsätzlich gilt trainiere so wie du später klettern willst und sorge für eine Mischung aus Power und Technik in deinem Stil.

Weitere Informationen:

Die neue Trainingsbibel – ein Review

 

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Über kletterschuhtest

Ich klettere und suche der perfekten kletterschuh...
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