Neue Trainingsbibel

DAV Trainingsskript – eine kurze Vorstellung und Meinung

Die neue Trainerbibel

Jugendarbeit ist meines Erachtens das Wichtigste was eine DAV Sektion machen, um nicht auszusterben. Der Weg in den DAV führt gerade bei Alpenfernen Sektionen über den Klettersport. Die Kinder und Jugendlichen wollen klettern, spaß haben und sich mit gleichgesinnten austauschen. Im Prinzip wie die Erwachsenen auch. Das im Winter nach der Schule nur ein Besuch in der Kletterhalle übrigbleibt ist in der heutigen Zeit keine Seltsamkeit mehr.

Das Sportklettern in der Halle boomt nach wie vor und zieht eine Menge junge Leute an. Die wenigsten kommen in die Sektion um Wettkämpfe zu klettern, dazu kommt man meist dennoch im Rahmen der Talent-Förderung. Wettkampf ist für die Jugendlichen eine feine Sache, um sich selbst in dieser Situation kennen zu lernen und hilft im Prozess der Ausbildung eines stabilen Selbstbildes.

Wettkampfklettern ist so eine Sache: dem einen schmeckt es ein Leben lang, der andere probiert es und lässt es für immer sein.

Aus meiner Sicht kann und darf das Wettkampfklettern nicht zum Dogma in der Jugendarbeit werden, denn es bildet lediglich einen Ausschnitt in der Gesamtgestalt des Kletterns. Klettern ist mehr, aber ob Wettkampf oder nicht wer besser werden will, kommt an einer gewissen Traningssystematik nicht vorbei.

Seit dem ich mich in der Jugendarbeit engagiere, beschäftigte ich mich mit Training im Kinder und Jugendbereich. Allzu viele Informationen findet man in Lehrbüchern dazu nicht, da im Gegensatz zum Turnen, Schwimmen und Leichtathletik ist das Grundlagentraining, Aufbautraining und Hochleistungstraining im Klettersport noch nicht überall ausreichend mit Inhalten gefüllt worden. Das liegt natürlich an dem geringen Alter unseren Sports, bei dem in der Vergangenheit lediglich erwachsene Männer und Frauen in den letzten Stufen des langfristigen Trainingsaufbaus herumexperimentierten.

Die Entwicklung geht weiter Kinder klettern im 11ten Grad und die Traineranfänger der heutigen Zeit, sahen sich bis vor kurzem damit konfrontiert Transferleistungen aus anderen Sportarten zu erbringen, oder eigenen (soweit vorhandenen) Erfahrungen in das Training der Schützlinge einfließen zu lassen.

Ein stringentes Konzept seitens des DAV als Dachverband des Klettersports in Deutschland fehlte bis jetzt gänzlich. So musste man auf Konzepte anderen Länder (Schweiz, Österreich, Frankreich) zurückgreifen, um die eigenen Aufgabe als Trainer ordentlich wahrnehmen zu können. Mehr als Grundsätze wurden einem nach dem Trainer C Abschluss nicht an die Hand gegeben worden, es fehlten Anwendungsbeispiele, Übungen – schlichtweg das Leben in den theoretischen Konstrukten.

Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass Endlich ein Trainingsskript für Wettkampfklettern herausgegeben wurde. Ein Heftchen im A4 Quer Format für 10 EUR. Gespannt auf die (von mir) lang erwarteten Inhalte bestellte ich die Neuerscheinung im DAV-Shop.

Nach wenigen Tagen hielt ich es in der Hand und „saugte“ die Weisheit gierig in mich auf.

Klare und verständliche aufmachung

Ein Fazit:

Dieses Werk stellt eine Zusammenarbeit zwischen Dr. Guido Köstermeier („klettertraining.de„), Patrick Matros und Ludwig Korb (Landes und
Bundesstützpunkttrainer des DAV), sowie Andi Hofmann („besser Bouldern„).  Die Jungs aus Franken setzen dieses Konzept des ganzheitlichen Klettertrainings bereits eine Zeit lang in Nürnberg mit ihren Schützlingen erfolgreich in Tat um und sind somit die Vorreiter in Deutschland.

Die Übungen sind gut beschrieben und leicht verständlich

Das Skript basiert auf den neusten Erkenntnissen der Trainingswissenschaften und arbeitet mit einen nicht-linearen Periodisierung (was auch meiner Sicht wirklich sinnvoll ist!). Es ist wirklich gut aufgemacht und gegliedert. An einem Beispiel Trainingsplan wird der Aufbau erklärt. Um den eigenen Trainingsplan mit Leben zu füllen werden einem die Inhalte in Form von Übungs-, Spiel- und Trainingsformen bereitgestellt.

Und hier liegt der besondere Wert dieses Skripts. Die Autoren geben wirklich Butter bei den Fischen und speisen den Leser nicht mit Standart Floskeln und bekannten Übungen ab.

Ausgleichstraining ein gerne vernachlässigter Teil

Ich meine: ich habe ALLES zum Thema Klettern-Vermitteln-Lernen-Verbessern gelesen, was im deutschsprachigen Raum geschrieben worden ist. Und das ist die einzige Lektüre, bei der ich jede einzelne Übung mit dem Prädikat besonders Wertvoll auszeichnen würde.

Von „Boulerrausch“ bis zum „Sandmännchen“ findet man wirklich praktische, sinnvolle und einfach umsetzbare Trainingsinhalte, die man im Alltag als Trainer ohne weiteres anwenden kann.

Zum Schluss werden die klassischen Inhalte des Ausgleichstrainings (Antagonisten und Dehnung) zeitgemäß und interdisziplinär behandelt.

Alles in einem eine „runde Sache“!

Leider gibt es genau zwei schöne Bilder in diesem Werk – die Inhalte machen diesen Mangel aber wett!

Der einzige Wermutstropfen: die Illustration… Die Qualität der Bilder ist zwar vollkommen ausreichend um die Übungen nachvollziehen und nachmachen zu können, ein optisches Leckerbissen ist es aber nicht. Bei einem Preis von 10 EUR (für DAV-Mitglieder und NICHT-Mitglieder) kann man aber weder über das Layout, die Druckqualität und auch nicht über die Bebilderung meckern.

Kurz um: ich habe dieses Skript auf Rechnung bestellt und wollte beim durchblättern darüber entscheide ob DAV die Sendung zurück bekommt oder nicht. Ich habe es behalten und pflege seit dem diese moderne „Trainingsbibel„, als sei es heute schon ein seltenes Sammlerstück.

ABSOLUTE EMPFEHLUNG fur alle Tranierenden & Trainer/Betreuer.

Die neue Trainerbibel

Im unten aufgeführten Video sieht man die oben erwähnten Übungen in bewegten Bildern – Prädikat besonders wertvoll

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Über kletterschuhtest

Ich klettere und suche der perfekten kletterschuh...
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