Kletterschuhe Boreal Mutant – Test

Boreal Mutant Kletterschuhe — wie Hulk

Auf die Kletterschuhe Boreal Mutant wurde ich bereits vor Jahren durch ein Video mit Yuji Hirajama aufmerksam. Dort war er mit einem Prototypen des damals neuen Boreal Mutant wahrnehmbar.

Auch Dany Andrade war mit diesem Slipper Hybrid in seinen 9a Projekten des Öfteren zu sehen. Leider ergab sich erst jetzt die Gelegenheit das aktuelle Modell dieser Kletterschuhe ausgiebig zu testen. Das aktuelle Modell hat mit dem damaligen Mutant im großen und ganzen nur die Farbe und das Material (Leder) gemeinsam. So wie bei den restlichen neuen Boreal Modellen hat sich nahezu die gesamte DNA verändert.

Optik, Design und Konstruktion

Kletterschuhe für das Bouldern — Boreal Mutant

Während einige Hersteller der Kletterschuhe sich bei ihren optischen Aufmachungen darauf spezialisieren bei der erfolgreichen Konkurrenz zu kopieren, gehörte Boreal immer zu Marken die einen eigenen Weg gehen und eigene Konzepte entwickeln. Mich haben die Designs immer angesprochen und durch schlichte aber aussagekräftige Form– und Farbkombinationen nachhaltig überzeugt. Bei einem Mutant denke ich zuerst an Hulk, der ja bekanntermaßen nach seiner Verwandlung grün wird und dann seine Superkräfte entfaltet. Nun, Boreal Mutant ist von Anfang an grün und entfaltet seine Superkräfte sobald er an deinem Fuß ist. Ob das die Herangehensweise der kreativen Designabteilung von Boreal war, bleibt letztendlich die Frage. Aber wenn es die gewünschte Assoziation, welche jeder Künstler mit seinem Werk zu erzielen versucht, ist – dann war die Arbeit der Boreal Designer ein voller Erfolg. Das Farbschema basiert auf drei Komponenten Modell – grün, schwarz und weiß (mit Masse die Schriftzüge) sorgen für ein ausgewogenes und harmonisch–stylisches Farbverhältnis. Für mich ist die Gestaltung sehr gelungen und hat das Potential zeitlos zu werden.

Dynamisch und stylisch — das Design überzeugt

Design und Konstruktion gehen bei diesem Kletterschuh untrennbar miteinander verbunden in die Richtung wo alle Erfolgsrezepte landen : gegenseitige Ergänzung und Verstärkung durch Formen und die Wahl der Materialien. Das Gummiband welchen Boreal „lateral torsion System“ nennt, ist zum Beispiel so ein Element, welcher sowohl Funktionalität gewährleistet als auch eine designtechnische Aufgabe erfüllt. Das besagte System verhindert das Verdrehen des Kletterschuhs am Fuß um die Längsachse und erzeugt die notwendige „Steifigkei“t im Fussgewölbe ohne dem Schuh die Flexibilität und Agilität zu nehmen, welche eine Halbsohlenkonstruktion bietet. Spätestens seit dem Satori V1.0 und Dharma V1.0 steht Boreal bei der Konstruktion des Downturns der Sohle in der vordersten Reihe, zusammen mit den anderen Spitzenmarken.

Mutant ist kaum asymmetrische

Boreal Mutant ist zwar nicht im Besitz des gleichen stark ausgeprägten Downturns, unterstützt jedoch das Ziehen an Tritten mit seiner mäßig aber deutlich nach unten gebogenen Sohlenspitze sehr gut. Die Vorspannung welche über die erwähnten grünen Bänder generiert wird, ist super auf den mäßigen Downturn abgestimmt und unterstützt den Fuss beim Aufbau der Spannung und der daraus resultierenden Kraftübertragung auf die Spitze. Das Obermaterial aus Leder ist wie immer sehr angenehm und ermöglicht, die für Boreal typische, Anpassung an den Fuß. An der Innen– und Außenseite sind Lüftungslöcher angebracht, um schwitzige Füße zu verhindern. Die innere Konstruktion der Ferse birgt ein besonderes Merkmal – einen Streifen Leder, welcher quasi die beiden Hälften des Oberschuhs mit einander verbindet und gleichzeitig eine enorme Robustheit gewährleistet.

Sinnvoll und robust gummiert

Die Ferse an sich ist zwar voll gummiert, unterscheidet sich jedoch von der Ferse des alten Mutants oder des Boreal Satori V1 durch dünnere sensiblere Gummierung und die schlankere Form ohne extra Gummilippen oder Kanten. Erwähnenswert ist auch die Gummierung der geräumigen, hohen Zehenbox die mich sehr stark an die des Jet 7 erinnert. Entgegen der allmählich standardisierten Methode die Zehenbox mit Gummibändern zu bekleben sieht die Toe Hook Gummierung der Boreal Mutant Kletterschuhe so aus, als sei sie beschichtet worden. Das Ergebnis bietet eine hervorragende Hackel–Performance und lässt den Zehen den nötigen Freiraum den man in gut passenden Performance Kletterschuhen braucht.

Super Einstieg und top halt dank Velcro

Als Slipper mit Single Velcro Verschluß weist Mutant einen interessanten und innovativen Mix aus Materialien — an der Oberseite auf. Das für einen Slipper typische elastische Material am Spann endet im oberen Bereich und geht in ein Meschgewebe über, welches heute sehr oft und gerne für die Schuhzungen gerne genutzt wird. Dieser Abschluss aus Mesch hat mehrere Vorteile. Zum einen ist das Anziehen der Kletterschuhe dadurch leichter, zum anderen wird der Druck des Velcros durch diesen Polster gemildert. Beides kommt dem Komfort massiv zugute. Alles in einem gehörte Boreal Mutant zum Zeitpunkt seiner Überarbeitung zu der cutting edge Technologie und gliedert sich mit seinen technischen Details nach wie vor, zweifelsohne in die Performance Klasse ein.

Passform und Größe der Boreal Mutant Kletterschuhe

Diese Kletterschuhe sind breit

Design und Konstruktion können noch so gut sein, aber ohne die optimale Passform und der dazugehörigen Größe wird man mit den Kletterschuhen nicht glücklich. Wie bereits erwähnt, bietet Mutant dank des Leders eine gewisse Anpassungsfähigkeit welche man jedoch bei der Grössenwahl berücksichtigen sollte. Die Mutant Kletterschuhe sind leicht asymmetrisch – ihre kaum gebogene Linie folgt eher der natürlichen Form des Fußes. Für mein Geschmack / Fuß hätte die Asymmetrie etwas stärker sein können. Die Zehenbox ist aus meiner Sicht von der Weite her mittel bis breit, was meinem eher breiten Fuß sehr entgegen kommt.

Dieses System verhindert das Verdrehen der Kletterschuhe

Die Zehen werden zwar gehörig aufgestellt, aber die geräumige Zehenbox bietet dafür ausreichend Platz an richtigen Stelle, so dass man von Beginn an das Gefühl hat – das passt! Mit dem breiten Velcro verschlossen sitzt Mutant bombenfest am Fuß. Klasse Gefühl von Beginn an. Die Ferse hat bei mir etwas Luft, was meiner Erfahrung nach jedoch kein Indikator für gute Hook Performance darstellt. Für mich sitzt die Ferse dennoch gut und lässt keine Sorgen aufkommen. Was die Passform als solches betrifft, bin ich absolut überzeugt, dass Mutant germanischen und auch griechischen Fußtypen gut passen wird. Kletterer mit schmalen Füßen könnten an Grenzen stoßen.

Leder weitet sich angenehm, Belüftung stimmt

Die Wahl der Größe ist schon lange kein Glücksspiel mehr. Nahezu alle Marken orientieren sich mittlerweile an der Straßenschuhgröße. Boreal geht grossartiger Weise noch weiter und implementiert eine Mondopoint (MP) Skalierung der Größe. Damit ist es so einfach wie noch nie passende Größe zu finden. Fußlänge in mm oder cm erfassen (Anleitung) und — Fertig! Wenn man da noch 5mm drauf rechnet landet man bei seiner Minimalgröße, mit der dann auch das Klettern am Limit möglich ist. In meinem Fall (MP: 265 mm) passt die 42 EU (270 mm) als Minimalgröße perfekt. Bedenkt ma, dass Leder mit der Zeit nachgibt und sich weitet weiß man, dass man bei einer Minimalgröße im Mutant keine Angst vor langfristigen Fußschmerzen haben muß. Für einen alpinen Hausschuh hätte ich mich für 42,5 ( 275 ) entscheiden müssen.

Wie sehr weitet sich Boreal Mutant?

Die Antwort ist meist individuell. In meinem Fall hat er sich wenig geweitet, so dass ich eher von einer angenehmen Anpassung sprechen würde. Im Vergleich zu den Satori und Dharma V1, die sich wiederum gar nicht geweitet haben, gibt Mutant deutlich mehr nach — im positiven Sinne.

Zusammengefasst — bei der Größenwahl würde ich auf gar kein Fall unter MP + 5mm gehen. MP + 5mm erst minimal dann optimal.

Performance und Haltbarkeit der Boreal Mutant Kletterschuhe

Mutant steht alles weg

Hat man beim Mutant die richtige Größe gefunden, steht der Entfaltung der Superkräfte beim Sportklettern und Bouldern nichts mehr im Wege. Ob am Fels oder in der Halle, Mutant bringt es sowohl drinnen als auch draußen zu 100%. Diese Kletterschuh benötigen zwar eine kurze Zeit bis sie eingekleistert sind, diese ist jedoch vergleichsweise kurz. Da die Sohle für einen Velcro Slipper ordentlich Unterstützung bietet und im Vergleich zum Five Ten Highangle etwas fester ist, merkt man bei der ersten Session nicht so viel unter dem Fuß. Das wird mit der Zeit besser und viel angenehmer.

Mega Reibung dank Zenith

Auch das im Neuzustand unglaublich klebrige Zenith Gummi wird mit der Zeit und der dreckig werdenden Sohle nicht schlechter sondern besser und stabiler. Dieses Rollen der Sohlenkante auf kleinen Tritten das ich beim Kintaro beobachten konnte ist beim Mutant weg. Auf Leisten und Käntchen steht man mit dem Mutant super stabil und kraftsparend. Reibung ist mit einer sauberen Sohle kein Thema. Im Überhang klettert man mit einem Boreal Synergy oder Satori V2 zwar deutlich besser, aber auch mit dem Mutant kann man im steilen Gelände ordentlich arbeiten. Für mich bietet Mutant das was ich brauche: Entlastung der Finger in Platten und Wänden, aktives Saugen im Überhang und viel Reibung und zwar sowohl am Plastik als auch am Fels.

Ferse lässt beim Hooken kaum Wünsche offen

Die Hookerei — sowohl mit der Ferse als auch mit den Zehen ist tadellos und macht richtig Freude. Vor allem mit den Zehen zu Hackeln ist ein wahres Vergnügen. Selten war ich von einer Zehenbox Gummierung so überzeugt wie von dieser Beschichtung. Die Ferse lässt ebenfalls kaum Wünsche offen. Ich persönlich hätte mir bei einem oder anderem Hook mehr Gefühl am Fels gewünscht — gehalten haben jedoch alle Hooks ohne Probleme. Die Gummierung der Ferse bewegt sich im Bereich der nah an das Optimum ist Die Härte der Sohle und die Gesamtperformance des Boreal Mutants kann man mit Five Ten Highangle, Scarpa Stix V1 oder Instinct VS oder aber Testarossa am ehesten vergleichen. Wenn ich mir etwas beim Mutant wünschen würde, wäre es: die gleiche Sensibilität wie beim Synergy und die selbe präzise Spitze wie beim Stix V1.

Die Haltbarkeit ist überragend

Die 4mm dicke Zenith Sohle hat bis jetzt nicht nur in unterschiedlichen Szenarien und Umgebungen durch Reibung überzeugt, sondern auch mit dem geringen Verschleiß der Spitze. Wenn man die Reibungseigenschaften und Haltbarkeit im Verhältnis betrachtet dann klebt Zenith mindestens wie Vibram XS Grip 2 am Tritt und hält so lange wie XS Edge. Diese Kletterschuhe sind sehr haltbar, robust und lassen sich mit Sicherheit mehrfach wieder besohlen. Solche enorme Haltbarkeit ist heut zu Tage nicht mehr selbstverständlich und stellt eher eine Ausnahme in der Vergleichsgruppe dar. Zum Vergleich: Beim Highangle schaut bei mir schon seit geraumer Zeit ein Zeh raus, weil das Leder der Zehenbox gerissen ist. Das alles bei einer noch funktionierenden Original Sohle. Mutant ist dagegen ein richtig resistenter Wegbegleiter, der Einiges weg steckt und eine Langlebigkeit garantiert die man erst finden muss.

Fazit zu Boreal Mutant Kletterschuhe

Geniale Kletterschuhe für jedes Szenario

Zusammengefasst kann ich nur meine pure Begeisterung über diese Kletterschuhe zum Ausdruck bringen. Mutant ist ein Kletterschuh den ich sehr gerne nutze. Man kann ihn unkompliziert an/— und ausziehen. Er ist unkompliziert, bequem, performativ und langlebig. Hier hat Boreal fast alles perfekt gemacht. Im Vergleich zu den Konkurrenten ist Mutant unschlagbar günstig. In diesem Segment bekommt man nichts Vergleichbares auf dem Markt. Ich hoffe dass dieses Modell in der Produktpalette verbleibt und weiterentwickelt wird. Für mich ist es jetzt schon ein etwas verkannter Neo Klassiker! Absolute Empfehlung — nur nicht zu klein kaufen.

Die Bilder in voller Größe

Werbeanzeigen