Kletterschuhe Boreal Ninja – Test

The New Ninja 2019 Review.

Boreal Schrieb schon immer Geschichte

Boreal revolutionierte einst mit Ninja die Welt der Kletterschuhe. In den 80er bestand die international verfügbare Produktpalette mit Masse aus richtig steifen Kletterschuhen. Der damals sehr tief geschnittener Ninja war zum einem der erste Slipper weltweit und zum anderen das sensibelste Tool seiner Zeit. Mit diesem Werkzeug an den Füßen gelangen es den damaligen Spitzenkletterern zahlreiche extreme Begehungen, die nach wie vor zu knallharten Test–Pieces zählen und selbst die heutigen modernsten Kletterschuhe herausfordern. Ninja war lange Jahre als Traditionsstück ein integraler Bestandteil des Assortiments der spanischen Ur–Kletterschuhfirma Boreal. Der nach dem japanischen verdeckt operierenden Kämpfer genannter Kletterschuh avancierte langsam zu einem Museumsstück, welches nur noch die von der Nostalgie geplagten Kletterer ansprach. Grund dafür war die rasant fortgeschrittene technologische Entwicklung, bei der dieses Modell mit seinen traditionellen Ausrichtung nicht mithalten konnte.

Ninja – eine sehr gelungene Neuauflage

Es war also an der Zeit Ninja wieder mit der neusten Technik zu versehen und wieder wie ein Satellit in die Laufbahn zu bringen. Ob dieses geschichtsträchtige Vorhaben gelungen ist wollte ich nun unbedingt rausfinden und hier teilen.

Optik und Aufbau der Boreal Ninja Kletterschuhe

Die Optik ist zum Verlieben

Aussehen ist bekanntermaßen die halbe Miete, wenn es um das Knüpfen von neuen Beziehungen geht. In den neuen Ninja hab ich mich sofort verliebt – es war die ganz klassisch Liebe auf den ersten Blick. Die Ursachen dieser Emotionen fest zu stellen und zu beschreiben ist sehr schwierig. Ich glaube dass es wohl die Dynamik, Unverwechselbarkeit und die verborgene Aggressivität waren, die für diese Reaktion bei mir gesorgt haben. Kurz, um ich bin schwer begeistert und habe nichts zu meckern. Aus der rational–praktischen Perspektive könnte man zwar die Grundfarbe (Weiß) kritisieren, denn nach ein Paar Sessions an der Rockywand in Kochel ist der „Glanz“ für alle mal dahin. Dafür behält man in den heissen Südwänden im Sommer kühle Füße – ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Wrap Rand ist auch bei diesen Kletterschuhen zu finden

Neben der harmonischen Farbkombination aus Weiß, Orange und Grün, sorgt vor allem die Form für die einmalige Erscheinung des angehenden Neo–Kultobjektes. Die Form besticht durch eine ordentliche Portion Vorspannung und einen nicht zu verachtenden Downturn. Beim Design passt alles perfekt zusammen und ergänzt sich gegenseitig. Wahrlich eine optische Meisterleistung, die sofort Lust auf Anziehen und Losketten macht.

Die Zehenkappe ist perfekt gecovert

Die Konstruktion zieht in Sachen technischer Finessen alle Register. Dabei dürfen wir nicht vergessen dass Boreal den Ninja als einen intermediären Kletterschuh einstuft und damit quasi für die angehenden Fortgeschrittenen vorsieht. Dafür bietet Ninja alles was die Performance Modelle mit sich bringen – WrapRand, Toe Hook Patch eine vollgummierte Ferse, High End Gummimischung und eine Sohlenkonstruktion gespickt mit Raffinessen. Technisch ist Ninja also auf dem neusten Stand und steht den teuereren Boreal Modellen in nichts nach. Bei der Sohlenausrichtung ist Boreal dem Prinzip eines weichen Slippers treu geblieben, hat aber gleichzeitig an die Präzision der Spitze gedacht.

Die spitze und Sohlenrand sind härter

So ist um die Spitze und den Sohlenrand herum eine Art Kufe spührbar. Hier wird die Sohle steifer. Das ganze hat den Effekt, dass man unter dem Vorderfuß sehr viel Gefühl für die Trittoberfläche hat und mit der Spitze und Sohlenrand auf kleinen Tritten stehen kann. Bei der Konstruktion bleibt zu bemerken, dass die Konzeption des Einstiegs und der elastischen Elemente am Spann darauf ausgelegt sind einen bombenfesten Sitz zu erzeugen. Somit hat Boreal alle Vorkehrungen getroffen, damit es nicht zu dem Ferse–beim–Hook–Auszieh-Szenario kommt. Alles in einem ist Ninja ein Kletterschuh auf dem höchsten Level!

Passform und Größe der Boreal Ninja Kletterschuhe

Der Saum am Einstieg ist der äusserste Ring des Nadelöhrs

Nach dem ich mich optisch in den Ninja verliebt hatte, machte ich mich über die Passform schlau. Im Internet fand man Informationen darüber, dass Ninja auf dem Leisten des Satori aufbaut. Das stimmte mich noch positiver, denn Satori V2 passt meinen breiten Füßen schlicht und einfach perfekt. Nach dem ich Ninja endlich ausprobieren konnte stellte ich im Wesentlichen zwei Dinge fest: zum einen, ist die Form dem Satori ähnlich aber nicht gleich und zum anderen, ist der Einstieg (also das Anziehen) beim Ninja eine kleine Challenge. Ich persönlich empfinde die Passform des Ninja als etwas schmaler und im Bereich des großen Zehs etwas pointierter. Auf jeden Fall passt Ninja meinen quadratischen Füßen nicht genau so wie Satori.

Die Passform ist mittel bis eher schmal im Vergleich zum Satori

Die Passform ist meinem Fall dennoch rundherum gut und gibt kein Grund für negative Kritik. Diesen leichten Unterschied in der Passform empfinde ich sogar als vorteilhaft, den es ermöglicht den Nutzern eine breitere Palette an unterschiedlichen Lösungen und deckt so mehr Fußformen ab. Bei der Grössenwahl möchte ich erneut darauf aufmerksam machen, dass Boreal als einziger Hersteller die Möglichkeit bietet durch die Anwendung der MondoPoint (MP) Größe die optimale Wahl zu treffen.

Die Grössenangabe ist die präziseste auf dem Markt

Nach dem ich alle bisherigen Boreal Kletterschuhe in der Schuhgröße 42,5 EU geklettert bin, wollte ich mich von der Minimalgrösse hoch arbeiten und entschied mich beim Ninja für 43EU. Diese Größe passt tatsächlich optimal. Deshalb kann ich für das Finden der Optimalgrösse folgende Formel nahelegen: MP plus 5-10mm. Natürlich kann man beim Ninja mit der Minimalgrösse arbeiten, der Slipper ohne Innenfutter passt sich schnell den Füßen an, meist ist es jedoch mit Unannehmlichkeiten verbunden, zumal der Einstieg in der Minimalgrösse noch mehr zu einem Test für die Finger und Anziehschlaufen werden sollte. Die Orientierung im Bereich Straßenschuhgröße tendenziell Plus statt Minus wird daher deutlich empfohlen.

Performance und Haltbarkeit der Boreal Ninja Kletterschuhe

Auf Reibung sind die Ninja super!

Mein erster Gedanke beim Klettern mit dem Ninja, war – verdammt, das Feeling erinnert mich an eine Mischung aus Scarpa Stix und Instinct S (zwei von mir sehr geschätzten Kletterschuhe). Ich denke diese Assoziation ist auf die empfundene Präzision, Agilität und Kantenstabilität zurück zu führen. Als ich dann in der Boulderwelt und am Fels das erste mal großflächig auf Reibung stehen musste verstand ich das Sohlenkonzept. Boreal Ninja war ursprünglich ein weicher Slipper, der damals den Kontrast zu den super steifen Modellen darstellte.

Ninja sind weich, das fordert die Fussmuskeln

Diese Eigenschaft ist ihm durch die Entwickler belassen worden. Wenn man quasi innerhalb der Kufe Kontakt mit der Trittoberfläche hat spürt man wirklich alles was die Trittstruktur hergibt. Die besagte Kufe bringt Kantenstabilität und Unterstützung der Zehen auf den kleinen Tritten mit sich. Insgesamt ist der Slipper sauber abgestimmt und bestens für alle erdenklichen Klettersituationen gewappnet. Was viel wichtiger ist – Ninja lässt sich intuitiv klettern was mir persönlich den meisten Spaß bereitet. Die schweren Kletterer, welche mit Vorliebe in Platten und senkrechten Wänden unterwegs sind müßen sich bewusst sein, dass die Zehen im Ninja auf Dauer stark sein müßen aber auch stärker werden…

Toe Hooks sind ein Kinderspiel

Die Boulderer wird der neue Ninja einfach nur freuen, denn er ist für dieses Milieu wie geschaffen. Die Arbeit mit Füßen im Überhang gelingt mühelos und präzise. Wenn Ninja nach zwei bis drei Sessions so richtig eingeklettert ist und die Sohle ihre Agilität Preis gibt, fängt man an die Füße als Hände zu benutzen. Das macht wirklich Freude.

Die Ferse lässt sich perfekt nutzen

Das Hooken ist dank der tollen, vorbildlichen Ausstattung der Zehenbox und der Ferse ein Selbstläufer. Ich persönlich komme schon immer sehr gut mit Fersen von Boreal zurecht und finde, dass diese sich von Generation zu Generation ständig verbessert haben. Die Ferse von Ninja steht denen von Satori und Synergy (zwei Top Modelle im Bereich Bouldern für mich) in nichts nach. Der eng gewählte Einstieg und die vermeintliche Mühe da rein zu kommen zahlen sich beim Hooken voll aus. Während man sich bei anderen Slippern (zBsp Moccasym) beim Hooken konzentrieren muß, um den Hook zu halten und gleichzeitig den Kletterschuh nicht zu verlieren ist es beim Ninja eher ein Hook and Forget Szenario. Auch beim Toe-Hooken hat man das Gefühl mit einem Velcro Boulderschuh zu operieren als mit „einem einfachen“ Slipper. Deshalb beide Daumen hoch in dieser Kategorie.

Da Material an der Ferse hält ewig

Neben der sehr überzeugenden Performance in allen Bereichen muss man die Vielseitigkeit der Boreal Ninja Kletterschuhe in Sachen Einsatzgebiet herausstellen. Ist man leicht oder hat starke Fußmuskulatur wird man mit dem Ninja in langen und sehr langen Routen glücklich. Ich persönlich präferiere in diesem Fall die Boreal Dharma. In der Halle und beim Bouldern steht Ninja den teuereren Modellen in nichts oder fast nichts nach. Hier muss man bei diesem Slipper keine Abstriche machen, man bekommt einen hervorragenden Schuh für sein Geld.

Die Verarbeitung ist so gut, dass die Haltbarkeit 1A ist

Die Haltbarkeit ist ebenfalls ein wichtiges Thema beim Kauf von Kletterschuhen. Durch die steigenden Preise macht man sich vermehrt Gedanken darüber, wie lange man vom investierten Geld was hat. Hier kann man beim Boreal sicher sein und getrost zugreifen. Erstens sind die Boreal Kletterschuhe von herausragender Qualität, zweitens spiegelt sich diese Qualität in Haltbarkeit eins zu eins wieder. Ich persönlich finde, dass beim Einsatz in der Halle die Boreal Sohle ähnlich lange hält wie die XSGrip 2 Mischung. Diese Haltbarkeit ist meist davon abhängig, wie gut die eigene Klettertechnik ist und wo man die Kletterschuhe einsetzt. Ein 3/4 Jahr halten die Boreal Ninja jedoch auf jeden Fall. Was ein Wert ist, der sich im Vergleich wirklich sehen lassen kann.

Fazit – Boreal Ninja Kletterschuhe

Ninja ist vielseitig und vergleichsweise günstig

Abschließend kann ich nur feststellen, dass Boreal Ninja eine sehr gelungene Neuauflage des Klassikers ist. Der Einsatz der modernsten Technologien beim Aufbau sorgt für eine wirklich hohe und gleichzeitig ausgewogene Performance, die kaum Wünsche offen lässt. Die Wahl der Materialien und die anatomische Passform sorgen für Komfort. Die Haltbarkeit braucht sich ebenfalls hinter der Konkurrenz nicht zu verstecken. Wenn man also dieses Gesamtpaket betrachtet macht man mit dem Kauf alles richtig. Lässt man zusätzlich den Preis und die Entscheidungsfindung für einen Kauf einfließen dann stellt man fest, dass Boreal Ninja Kletterschuhe gemessen an dem Benefit ein wahnsinniges Schnäppchen sind. Ninja sind die perfekten Kletterschuhe sowohl für richtig starke Ambitionierte Kletterer und Profis als auch für die talentierten Anfänger und Fortgeschrittene, die sich weiterentwickeln wollen.

Alle Bilder der Boreal Ninja Kletterschuhe in XXL