Kletterschuhe Boreal Satori V2 – Test

Boreal Satori Kletterschuhe sind überarbeitet worden

Sich auf Lorbeeren aus zu ruhen ist leicht. Die guten Produkte noch besser zu machen und dadurch einen zusätzlichen Aufwand in Kauf zu nehmen ist schwer und erfordert viel Disziplin. An den bestehenden Kletterschuhen Änderungen vorzunehmen, in dem man die Farbe oder die Form der Velcros ändert (siehe La Sportiva Katana) ist in meinen Augen keine vergleichbare Leistung. Boreal geht da konsequenter heran und überarbeitet alle Modelle von Intermediate bis zur Performance Linie grundlegend. Der neue Anstrich ist dann natürlich obligatorisch aber allem Voran, wird die Passform, Aufbau und Technologie optimiert.

Vorgespannt und mit einem kräftigen Downturn ausgestattet

Satori damals noch in blau und gelb-grün und aus Leder, war der erste Kletterschuh von Boreal mit einem starken, für die Ewigkeit konstruierten Downturn. Damals war Satori V1 für mich ein Aufbruch in das neue Zeitalter der Boreal Kletterschuhe. Die Tatsache dass Boreal dieses Modell nach einer relativ kurzen Zeit neu auflegt, hat mich verwundert. Noch mehr hat mich jedoch das Ergebnis des Facelifts überrascht.

Design und Konstruktion dieser Kletterschuhe

Boreal Satori hat neben dem Farbanstrich vor allem bei der Konstruktion Neuerungen erfahren. Die Optik ist noch etwas bunter geworden. Die Designer haben, dem aktuellen Trend folgend, sich für grellere Farbenkombination aus drei markanten Farben entschieden. Die Optik des Satori wird, ähnlich wie beim Synergy und Dharma, von dem grüngelben WrapRand dominiert. Danach sticht Rot der Anziehschlaufen und das Blau der Velcro´s ins Auge. Vom Schafft sieht man vergleichsweise wenig, denn das Material wird großteils von der großzügigen Zehenboxgummierung verdeckt. Insgesamt wirkt der neue Satori schlanker, noch dynamischer und aggressiver, als es beim Vorgängermodell der Fall war. Die Ferse sieht jetzt anatomisch-natürlich aus. Von vorne wirkt der stark gummierte Satori wie die schräge Klinge eines japanisches Schwertes (so zumindest meine Assoziation). Alles in einem ist die Optik an Dynamik und Sportlichkeit kaum zu überbieten. Ich persönlich hätte mir ein farbiges Toe-Hook Patch gewünscht um noch einwenig mehr Individualität und Unverwechselbarkeit zu erreichen.

Erinnert an eine Schwertklinge

Die Konstruktion wurde um den bereits erwähnte WrapRand erweitert. Ein den Fuß umspannendes Gummiband, welches eine Kraftplattform bildet ohne dabei die Flexibilität und die Freiheitsgrade des Fußes zu beeinträchtigen. Das ehemalige Verschlußsystem M2Fit – eine Mischung aus Schnürung und Velcro wurde modifiziert und dazu verwendet die Feinjustierungen im Bereich des Spanns zu ermöglichen. Den Hauptverschluß stellt jedoch ein ganz normaler, schmaler Velcroverschluß welcher hauptsächlich verhindert, dass der Satori vom Fuß rutscht – an sich ein utopisches Szenario (dazu mehr bei Passform). Das Toe-Hook Patch ist eine Verlängerung des Randgummis – das Modernste was in Kletterschuhen in diesem Bereich verbaut wird. Damit hat Satori die gleichen Voraussetzungen für die Top-Hookperformance wie Synergy.

Wraprand ist eine wichtige Neuerung

Eine fundamentale Änderung zu der ersten Version stellt die Umstellung von Leder als Hauptbestandteil auf Microfiber. Diese Kunstfaser hat bekannter Weise Vor- und Nachteile, ist mittlerweile jedoch state of the art geworden. Die Formbeständigkeit wird durch den Einsatz eines Innenfutters verstärkt. Die Ferse wirkt nicht mehr wie künstlich aufgesetzt, sondern wie ein integraler Bestandteil der Formlinie und ist hervorragend geformt und gummiert. Immer wieder einen Satz wert ist das für Boreal typische Lederbändchen an der Innenseite der Ferse. An dieser Stelle wird der Schuh sicherlich nie reißen. Ebenfalls erwähnenswert ist die in Vollendung perfekte Verarbeitung. Nirgends ist nur ein einziger Kleberrest zu sehen, alles ist brilliant gearbeitet. Satori strahlt förmlich diese Aura eines Hochwertproduktes nach außen aus,. Ganz großes Tennis.

Passform und Größenwahl der Boreal Satori Kletterschuhe

Die Passform ist eher breit

Eine Passform die allen Fußtypen passt, komfortabel ist und auch noch Performance möglich macht – ein Wunschtraum der Kletterer und der Hersteller. Eine Universallösung gibt es nicht. Satori nährte sich diesem Optimum schon beim V1. Der aktuelle Satori hat diesen Abstand erneut verkleinern können. Der aktuelle Boreal Satori ist, meiner Meinung nach, noch ein Stück breiter als das V1 Modell. Somit passte er mir selbst in der Minimalgröße auf Anhieb perfekt. Die alten Druckstellen an den aufgestellten kleinen Zehen sind weg. Das liegt daran, dass zum einem das Obermaterial sich etwas schneller und leichter verformt, die Zehenboxgummierung noch dünner und geschmeidiger geworden ist und zum anderen daran, dass in der Zehenbox kaum Nähte zu finden sind.

Die Zehenbox stellt die Zehen ordentlich auf

Die einzige Naht (Pflichtnaht über dem großen Zeh) ist kaum zu merken und verursacht trotz des voll Gas aufgestellten Zeh keine Probleme. Das Volumen des Satori hat sich dagegen nicht verändert, ich würde es als mittel einstufen. Die Anpassung des Volumens dürfte dank der Velcro-Schnürung keine Herausforderung darstellen. Wem das Herren Model zu breit und zu voluminös ist, kann zu der Damenausführung greifen und einen strafferen Sitz erzielen. An sich ist Satori optimal für quadratisch, germanische Füße, dürfte aber auch den „Griechen“ und „Ägyptern“ passen. Wie gesagt das einzige was bei der Passform Probleme verursachen könnte ist das Volumen, aber da gibt es einen Plan B.

Endlich scalierbare Grössen bei Kletterschuhen

Die Größenwahl ist bei Boreal im Vergleich zu vielen anderen Firmen kein Roulettspiel mehr. Objektiv, messbar und transparent gestaltet der spanische Hersteller nun seine Größen. Bei einer Strassenschuhgröße von ca 265 mm (Mondo Point – MP) passen Satori in der Größe 270 mm oder 42,5 EU als Minimalgröße optimal. Mir passt genau diese 270mm wie eine sehr enge, bequeme zweite Haut.

Warme Heizung erleichtert den Einstieg in die Minimal Gr – aber nur hinten warm machen!

Vorbei sind auch die Zeiten, als man Leder Kletterschuhe X Größen kleiner kaufen musste, um irgendwann auf die Dehnung des Materials spekulierend, die optimale Passform zu erhalten. Der neue Satori weitet sich nicht. Er behält die Form ein Leben lang egal wie stark man da rein schwitzt. Microfiber mit Innenfutter ist eine Kombination, die zwar eine zügige Anpassung erlaubt, aber gleichzeitig eine Deformierung verhindert. Aber er passt sich dem Fuß an und zwar schneller und besser als es sein Vorgänger getan hatte.

Das Zwei-Wege-Verschlusssystem hat das Volumen im Griff

Kurz zusammengefasst – die beste Passform im Bereich der Performance Kletterschuhe für mittelbreite und (vor allem) breite Füße. All die Kletterer denen Solution zu schmal ist können sich beim Satori über eine perfekte Passform freuen. Strassenschuhgrösse in mm + 5mm ist die kleinst mögliche Größe in Boreal Satori. Weiteres Downsizing ist NICHT empfohlen.

Performance und Haltbarkeit – Kletterschuhe Satori

Das Treten ist mit diesem Kletterschuh ein Leichtes

Die Version 1 gefiel mir schon von der Performance her echt gut. Die aktuelle Version setzt in diesem Schlüsselfeld noch ein Paar Schippen oben drauf. Das Treten mit der Spitze ist noch stabiler geworden und dennoch sensibel und präzise geblieben. Ich denke, dass es zum einen an der Optimierung der Zehenbox liegt als auch an der Weiterentwicklung der Gummimischung. Zenith Ultra ist meiner subjektiven Einschätzung nach kantenstabiler geworden. Den Wraprand merkt man als Powerplattform beim Klettern in Form von Entlastung und besseren Kraftübertragung auch deutlich.

Das Toe Hooken macht dank der Gummierung richtig Freude

Ich als recht schwerer Kletterer mag zwar die Sensibilität und Feingefühl der weichen Kletterschuhe brauche aber gleichzeitig auch den Support einer mittelsteifen Sohle, oder einer intelligenten, durch Spannung der Bänder initiierten Plattform . Satori bietet mir uneingeschränkt den Kompromiss zwischen Feingefühl und Unterstützung. Die Zwischensohle macht ein kraftsparendes Klettern möglich, hier könnte man durch eine spezifische Gewichtung in der Lokalisierung der Zwischensohle evtl. noch etwas mehr aus diesem Konzept raus kitzeln. Aber auch in jetzigem Zustand ist Satori ob beim Bouldern im Überhang als auch in einer Wandpassage einer Kletterroute ein absoluter Top Performer. Ich vermisse nichts was mir andere vergleichbare Kletterschuhe geben könnten.

Die Ferse klebt überall – Top!

Die modernen Schlüsselstellen fordern neben einer tadellosen Tritttechnik und somit einer „kräftigen“ Spitze eben auch das Hooken mit allem was der Fuß zur Verfügung stellt. Hier bietet Satori alles was man braucht und zwar ohne Abstriche. Die Ferse, die bereits durch Form und Passform gute Performance erahnen ließ offenbart sich im Einsatz als eine gnadenlose Hookmaschine. Das Platzieren, Justieren, Fühlen und Belasten des Hooks ist mit diesem Kletterschuh ein Kinderspiel und gelingt ebenso spielerisch leicht. Das Toe Hooken ist ebenfalls Klasse. Auch wenn Ich einer Mischung aus Gummierung und Beschichtung bevorzugen würde — das Hackeln mit den Zehen macht mit diesen Kletterschuhen an den Füßen einfach Spaß und ebnet bei der einen oder anderen Crux den Weg zum Durchstieg. Die Freunde der Minimalgrösse und der maximal engen Passform dürfen sich nicht wundern, wenn sie die Zehen nicht wie gewünscht anheben und anpressen können — eine halbe Nummer grösser eröffnet ganz neue Horizonte. Insgesamt ist Satori ähnlich vielseitig geblieben aber feinabgestimmter und leistungsfähiger geworden.

Die Sohle hält ewig

Die Haltbarkeit ist überragend. Die 4mm dicke Sohle ist für heutige Performance Kletterschuhe eher dick, bringt jedoch einen wesentlichen Vorteil — Satori halten gefühlt ewig. Ich klettere den Satori nun seit gutem halben Jahr und kann für diese Dauer und Einsatzumfeld (Halle und ein Paar Wochen Sandstein) keinen abnormalen Verschleiß feststellen. Klar wird die Spitze mit der Zeit runder aber verglichen mit einem Solution oder Instinct VS/VSR ist es jedoch halb so dramatisch. Immer wieder höre ich von einer Haltbarkeit dieser Modelle die insgesamt ein halbes Jahr kaum übersteigt. Nach dem halben Jahr würde ich die Spitze des Satori gerade mal als eingeklettert bezeichnen. Der Oberschuh und die Verschlüsse sowie alle Nähte und Verklebungen sind tip top und lassen sicherlich ein oder zwei Wiederbesohlungen zu. Insgesamt ist Satori ein kletterschuh mit Langzeitausdauer und Formbeständigkeit — und Performancestabilität. Insgesamt bietet Satori allen allen Fortgeschrittenen die Möglichkeit sehr bequem und günstig in die Performance ein zu steigen. Rund um Klasse!

Fazit — Boreal Satori V2 Kletterschuhe im Test

Boreal Satori steht von vorne bis hinten dem Solution in nichts nach

Satori bedeutet übrigens den Fakt — dass zur Erkenntnis des Daseins die Erfahrung unabdingbar ist. So ist man auch erst durch das Ausprobieren dieses Modells in der Lage das Konzept dieser Kletterschuhe zu verstehen. Boreal Satori bietet sowohl beim Bouldern als auch beim Sportkletterern einen idealen Kompromiss zwischen dem „Greifen“ im Überhang und Stabilität auf kleinen Tritten in der Senkrechten. In der heutigen Zeit wo immer weniger Athleten ins Gebirge gehen, könnte man diese Kletterschuhe getrost als Allrounder bezeichnen. In einer 43 oder 43,5 EU würde ich mir auch MSL Routen zutrauen. Wer diese Spannweite nicht braucht kann sich über einen Kletterschuh freuen, welcher genau so gut wie Solution und Instinkt VS performt aber ungleich bequemer und haltbarer ist. Vergleicht man zudem die Preise so hat man ohne Mühe ein weiteres Argument für Boreal Satori generiert. Klasse Kletterschuhe ohne Abstriche und ein Produkt welcher auf die zukünftigen Innovationen bei Boreal hoffen und freuen lässt.

Bilder (GROß) Kletterschuhe Boreal Satori V2

Werbeanzeigen