La Sportiva Miura Lace

Das La Sportiva Zeitalter – Evolution

Kletterschuhe und Kletterkönnen Teil IV

Kletterschuhe La Sportiva Miura Lace im Test

Kontext

alter Klassiker

alter Klassiker

Es kam ein Zeitpunkt an dem ich die Schnauze voll von Experimenten mit den günstigen No Names hatte und beschloss in den nächsten Level (8er Grad) zu investieren. Zufällig stolperte ich bei Sport Check in München über reduzierte La Sportiva Modelle. Katana für 70 EUR und Miura für 85 EUR war ein Angebot das ich nicht ablehnen konnte. Beide Schuhe waren mir bis dato von diversen Bildern namhafter Kletterer bekannt (zBsp: Alex Huber in „Lichtjahre“ – ein Bild in „So weit die Hände greifen“), den Katana konnte ich sogar bei uns von einem Bekannten ausleihen und an der Kunstwand probeklettern. Ich erinnere mich noch ganz deutlich an das unglaubliche Gefühl der Stabilität beim belasten der kleinen Strukturtritte im Senkrechten. „Wow!“ dachte ich mir: „Dieser Schuh wird mich nach vorne bringen und bequem ist er auch noch dazu“.

Hier in Alt, geändert hat sich kaum was

Hier in Alt, geändert hat sich kaum was

Also war ich besonders froh diese beiden Italienischen „Wunderwaffen“ für einen günstigen Preis ergattern zu können. Aus der Überzeugung: „Ein Schuh reicht nicht mehr aus“ und im festen Gauben an die Aussagen des Herstellers: Katana – Bouldern, Miura – Klettern, beschloss ich beide zu kaufen. Lange probierte ich rum bis ich mich bei beiden Schuhe für die Gr. 40 entschieden habe. Das war die Größe, bei der ich noch reinpasste und die den Fuß fest genug zusammenpresste, um auf den kleinen Spax der Testwand stehen zu können. Ich wollte alles stehen können, was mir am Felsen in den Weg kommt und nie wieder wegen einem „Trittproblem“ aufgeben müssen. Die beiden La Sportivas machten einen super Eindruck, die Optik sprach mich an und die Verarbeitung war so gut, dass ich aus dem Staunen nicht mehr raus kam. „Jetzt habe Profikletterschuhe“ – dachte ich mir: „Damit muss es voran gehen!“.

Miura L oben

Perfekt für ägyptische Füße

Da ich zu dieser Zeit nicht zum Felsklettern kam und mir die Schuhe zum verhunzen in der Halle zu schade waren, warteten Katana & Miura im Schrank. Nur zum „eintragen“ im Wohnzimmer kamen sie raus. Das Eintragen gestaltete sich äußerst langwierig. Da die Füße im Wohnzimmer nicht so arbeiten wie an der Wand, fehlte die Wärme von innen, um sie zügig an meinen Fuß anzupassen. Beide schmerzten an den kleinen Zehen meiner Füße und machten sie taub. Der Miura passte (wie sich in unzähligen Wohnzimmertests rausstellte) viel besser als Katana, sowohl an den Zehen, als auch bei der Ferse (die nach wie vor zu meinen Top Drei der best-Hoock-Monster-ever gehören). Am schlimmsten war es gewesen, in diesen 40er La Sportivas das Gewicht im Stehen auf den großen Zeh zu verlagern – die Schmerzen durch den Druck des Obermaterials auf den Knöchel des großen Onkels waren immens! So beschloss ich diese eine halbe Nummer größer zu tauschen. Gelungen ist es mir nur beim Katana, da der Miura in 40,5 nicht mehr verfügbar war.

Miura im Einsatz

Bald fanden die Miuras als erste den Weg nach draußen – Kochel und Fränkische waren die ersten beiden „Testgebiete“ für die Edeltreter. Zu diesem Zeitpunkt war es der steifste und unnachgiebigste Schuh meiner „Kariere“. Im Vergleich zu dem weich gekletterten Method ähnelte der Miura gefühltechnisch einem Kampfstiefel BW.

Stehen ohne Abrutschen und ohne was zu fühlen – klassisch

Immerhin war die 4mm (die echt dick ausschaute) XSV Sohle von Vibram wirklich griffig. Nirgendwo in abgespeckten Kochel 7ern rutschte ich mehr von „Reibungstritten“ ab. Was ich unter dem Fuß hatte war jedoch leider nicht mehr zu spüren. Das Gefühl des Kletterns mit Miuras lässt sich wie folgt beschreiben:

Man steigt auf einen Tritt und hat keine Ahnung ob man den hat oder nicht, nach ein Paar mal rumrutschen mit dem Fuß entscheidet man sich dann doch diesen wie geplant zu belasten… und siehe an! Der Schuh hält auf dem Tritt…ohne jegliches Feedback über die Qualität des „Verbindungspunktes“ des Körpers mit dem Fels.

Diese Schnürung war damals schon speed

Diese Schnürung war damals schon speed

Das Gefühl ist natürlich kein objektiver Parameter zur Beurteilung der Wirklichkeit, doch im Klettern bleibt uns nach wie vor nichts anderes übrig. Wozu der Miura Lace fähig ist, wird deutlich wenn man sieht was der Ondra Adam alles damit niederklettert. Es sieht auch nicht nach dem von mir soeben beschriebenen Ablauf aus, der Junge hat einfach eine Standleitung von der Außensohle des Miuras bis ins Gehirn liegen… Alles Gewöhnungssache eben. An sich hat der Miura keine nennenswerte Vorspannung, seine Form folgt eher der natürlichen Fußwölbung. Da die Zehen in der Box einfach aufgestellt sind und die 4mm dicke Sohle, wie beschrieben hart und steif ist, konnte ich mit dieser Konstruktion nie so richtig greifen. Musste man an einem Tritt graben, so ging es nur in dem man aus der Beugung des Sprunggelenks und des Knies die nötige Kraft auf die Spitze übertrug. Das Wurde in Routen wie Supernase einwenig zum Problem, denn ich kam mit dem Miura die Platte zwar gut hoch, das belasten von Tritten im Überhang wurde für mich dann jedoch zum Problem.

Das Beste an diesem Schuh ist jedoch wirklich, das „Hinterteil“. Für mich ist/war die Ferse der STANDART, an dem sich die anderen Hersteller nach wie vor messen müssen. Mit dieser Ferse hielt ich jeden Hook und kletterte meine ersten 6c bloc Boulder, bei denen es auf schwierige  Hooks ankam. Dabei kam es nie vor, dass die Ferse aus dem Schuh rutschte, was der guten Anpassung durch Schnürung zu zuschreiben ist.

Leider löst sich die Gummierung gern ab

Leider löst sich die Gummierung gern ab

Die Ferse ist an der Spitze unten insgesamt rund und schmaler als die von Katana. Die Konstruktion ist recht stabil, so dass die Ferse beim belasten sich kaum verformt. Es fühlt sich beim Hooken mit dem Miura zwar so an, als sei der Kontakt zum Fels nur über eine kleine Fläche da, der Druck auf diese kleine Fläche lässt sich jedoch ohne Probleme aufbauen, so dass ein super stabiles, vertrauenswürdiges und sicheres Gefühl in den gelegten Hook entsteht. Die Gummierung ist dabei simpel und funktional gehalten. Dies ist jedoch auch die einzige Schwäche dieser Ferse. Die Gummierung geht (wirklich) IMMER nach ein Paar anspruchsvollen Hooks mit der Außenseite der Ferse seitlich ab – leider führt da kein Weg dran vorbei. Es ging dann bei mir soweit, dass ich zu meinen Boulderprojekten Sekundenkleber mitnahm und in den Pausen die seitlich gelöste und abstehende Gummistreifen wieder anklebte, um nach dem nächsten Versuch das Verfahren zu wiederholen.

Hookwaffe schafft immer Abhilfe

Wünschenswert wäre es hier bei der Konstruktion den Sohlengummi weiter nach oben zu ziehen und diesen unter dem quer verlaufenden Gummistreifen auf der Höhe der Achillessehne zu verankern. Damit wäre zwar das Problem des seitlichen Ablösens der Gummierung nicht gelöst, das komplette Ablösen des Fersengummis von oben herab wäre in Griff zu bekommen. Mittlerweile wendet La Sportiva diese Konstruktion bei den beiden neusten Slippern Speedster sowie dem Python.

Da ist sie die Mutter aller Ferse

Da ist sie die Mutter aller Fersen

Die Schnürung des Miuras war zwar nicht so schnell und leichtgängig wie beim beschriebenen Mammut Blaze Lace, jedoch schneller als das Zumachen so manches Dreier-Klettverschlusses. Das Problem mit den gerissenen Schnürsenkeln, das ich oft bei anderen Kletterern beobachten konnte hatte ich nicht, was wahrscheinlich an meinem pfleglichen Umgang lag. Die Stabilität auf kleinen Tritten war im neuen Zustand super und hielt sich so lange bis die Sohle an der Spitze nur noch 1mm war. Das entlastete die Fuß-/Zehmuskeln ungemein und machte für mich, das Antreten so mancher Tritte erst überhaupt möglich. So trat ich im Herbst an diversen 8- an und konnte trotz geringen Sensibilität (Trittgefühls) bis zum Umlenker dran bleiben. Wand Klassiker wie Katalysator (FJ) und Maffin Man (Kochel) brachten dank des Miuras den ersehnten Durchbruch in den unteren achten Grad.

Die Schuhe wurde mit der Zeit jedoch sensibler, was leider zu Lasten der Stabilität und Steifigkeit ging. So wurden die kleinen Tritte immer mehr zur Herausforderung ließen mich seinerzeit zu anderen Schuhen greifen. Der Miura dehnte sich insgesamt durch die Fütterung nur ganz wenig (bei mir max. ne ½ Größe) und sehr laaangsam, so dass er kurz vor dem Ende seiner Tage einigermaßen bequem wurde. Ich erinnere mich noch deutlich an meine Leiden beim Ausbouldern von den laaaangen 6c+ Routen in Achleiten, da die Zeit in den Schuhen dabei die 10 min Schmerzmarke deutlich überstieg.

hookofornia in Kalifornien

Da ich den Schuh nur für Projekte und Durchstiege nutzte, hielt er sich über ein Jahr in meinem Kletterrucksack und wurde stets als die Durchstiegs- und Hookwaffe geschätzt. Unabhängig von Gebiet und Gestein (ob Harzer Granit oder Jura Kalk) das Hooken war wirklich eine super sichere Sache mit dem Miura. Rechnet man die Anzahl der Einsätze und die Verlauf und Ausmaß des Sohlenverschleißes, so muss man sagen, dass die Sohle schon sehr schnell dünner und die Spitze runder wurde. Das es an meiner Fußtechnik liegt ist keine Frage, jedoch machte ich mit anderen Herstellern ganz andere Erfahrungen, die mich an der Qualität und Haltbarkeit von La Sportiva zweifeln ließen.

In Gr. 37 wirkt der Miura sehr kompakt

In Gr. 37 wirkt der Miura sehr kompakt

Insgesamt verdient dieser Kletterschuh Klassiker ein durchweg positives Zeugnis. Die Performance war, gemessen an erreichten Leistungen, super. Antreten in aller Richtungen, Hooks und Klemmer Miura kann wirklich ALLES sehr gut. Die Sensibilität ist Geschmacksache, man kann sich dran gewöhnen. Für mich ist dieser Schuh einfach zu unsensibel und bedarf bis zur vollen Entfaltung seiner Vorzüge einiger Einklettermeter. Von der Performance Perspektive gesehen, würde ich mir den Miura Lace sofort wieder kaufen und weiter empfehlen, den dieser Schuh kann alles Stehen und ist DIE Hookmaschine! Dennoch gab es für mich 2 Nachteile, die mich bis jetzt von einem erneuten Kauf abhalten.

1. Die Passform – der Miura Lace ist für mich einfach zu schmal an den Zehen und drückte Anfangs den kleinen Zeh zur Tode (ein Wunder wie dieser das überstanden hat). Meine breiten Füße brauchen eine Zehebox mit etwas mehr Platz.

2. Die Haltbarkeit – Die Spitze verschleißt im Vergleich mit Five Ten und Scarpa Schuhe doch schneller. Zieht man den Einkletterverschleiß ab bleibt unter dem Strich einfach zu wenig Zeit, um die Miura Stärken auskosten zu können. Fersengummi löst sich ab, was ziemlich nervt und später fürs Abrutschen von Hooks sorgt. Das Obermaterial ist dagegen wirklich super. Diesen Schuh hätte ich ohne weiteres 2 mal wiederbesohlen können, nur wollte ich nicht die schmerzhafte Einkletterphase wieder durchlaufen müssen.

Fazit

Zehenbox stellt ordentlich auf

Zehenbox stellt ordentlich auf

Der Schuh ist nicht umsonst ein absoluter Klassiker. Hat man sich an seine Eigenschaften gewöhnt, rutscht man niergends mehr ab und muss nicht mehr vor noch so kleinen Dulle im Felsen kapitulieren. Die Ferse ist für mich und viele meiner Bekannten wirklich State of the Art und bietet super enge „saugende“ Passform bei einmaligen HoockPerformance ganz ohne ab- und rausrutschen. Der „alte“ Miura ist kein „out of the Box“ Schuh und bedarf Zeit (und in meinem Fall tauber Füße) bis er passt und seine volle Leistung bringt. Die Verbesserung/Weiterentwicklung der Fersengummierung sowie der Inegration der P3 Technologie würden das „alte Eisen“ in meinen Augen ein Stück perfekter machen.

Dennoch: klassisch  solide.

Hier noch ein Vergleich des alten Miura Lace (37 EU) mit dem Miura Lace Women (37,5). Women ist im Vergleich breiter wie ich finde. Aber ist auch wiederbesohlt und entstamm einer älteren Produktionsreihe.

Miura L und Miura women 1

Miura L und Women Sohle

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Weitere Informationen

Der Nachfolger/Weiterentwicklung – Miura VS

Größenvergleich der Kletterschuhe

Die Hook-Waffe als Damenversion im Einsatz

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3 Antworten zu La Sportiva Miura Lace

  1. Robert schreibt:

    Hej Hej 🙂

    Danke erstmals für deine Schuhtests! Hammer Seite, weiter so!

    Meine Frage an dein umfangreiches Wissen, ist der „neue“ bzw aktuelle Miura mit Schnürung einfach der gleiche Schuh wie der mit Velcro nur statt dem Velcro eben Schnürung oder sind das grundverschiedene Schuhe mit dem gleichen Namen? 🙂

    Ich find dazu nix und hatte bisher nicht die Möglichkeit beide zu testen, ich klettere gerne mit dem Miura VS und finde es einen sehr guten Kletterschuh mit viel Unterstützung die ich auch dringend brauche da ich eher zu den schweren gehöre 😉

    Ich habe bisher den Testarossa und den TC Pro ausprobiert und habe Gefallen gefunden am Schnüren, deswegen meine Frage zum Miura

    Danke

    Robert

    • kletterschuhtest schreibt:

      Servus
      der aktuelle Miura Lacevhat im Vergleich VS keine P3. Es dauerr länger bis man den Lace eingetragen hat und dieser ist auch etwas steifer sowie von der Passform deutlich schmaler.
      Ausprobieren!
      Ich würde bei Tc Pro bleiben 😉

      • Robert schreibt:

        Danke dir

        Habe, mal zum Testen, den Miura XX bestellt, bin gespannt wie der tut

        Schmaler wäre bei meinen Breitfuss nicht gut, steifer wäre gut 😀

        TC Pro rockt ziemlich, einzig, die Sohle find ich etwas schlüpfriger als ich mir erwartet hatte… liegt aber vielleicht auch daran das sie noch nicht eingetragen sind

        Schönen Tag dir

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