Scarpa Zen

Zustiegsschuhe Scarpa Zen im Test

Die Geschichte

Zustiegsschuh Scarpa Zen

Seitdem ich am Fels klettere begriff ich irgendwann, dass nicht nur Kletterschuhe von Bedeutung sind. Spätestens wenn man mit den Badelatschen oder Crocs an einem lehmigen Hang das erste Mal auf die Fresse fliegt oder auf dem abschüssigen Einstiegsbereich umknickt begreift man, dass ordentliche Zustiegsschuhe das A und O sind.

Noch dramatischer verhält es sich bei alpinen Touren. Einen zweistündigen Zustieg geht man nicht mit Alltagsschuhen an, denn die bieten zu wenig Stabilität im Geröll – da müssen schon Bergschuhe hin. Seilt man nicht über die Route ab, so müssen die zwei Paar im Rucksack mitgeschleppt werden. Das Gewicht summiert sich dabei schnell mit Trinken etc. schnell auf mehrere Kilogramm und dann wird es für den Nachsteiger schon mal anstrengend, der Rucksack zerrt im Überhang sehr stark nach hinten.

Aus diesen Gründen entschied ich mich nach langem Suchen für Salomon XA Pro als Zustiegsschuh, der ein guter Kompromiss aus Komfort, Stabilität, Geländegängigkeit und Gewicht darstellt. Das große Manko dieses Schuhs ist seine Haltbarkeit, denn sowohl das Innenmaterial an der Ferse als auch das Obermaterial im Bereich des großen Onkels reißt schnell ein. Die Sohle ist zudem nicht steif genug um leichte Klettereien zu bewältigen.

Auf der Suche nach Alternativen forstete ich mich durch diverse Modelle vom La Sportiva, Five Ten und Scarpa durch. Der einzige Schuh, der mir dabei optisch gefiel, war Scarpa Zen, der nun mangels Informationen im Internet hier kurz vorgestellt werden soll.

Optik, Verarbeitung

Zen glänzt im Vergleich zur Konkurrenz mit einer wirklich schlichten und hübschen Optik. Die Farbwahl und das Design qualifizierten ihn für mich neben dem Outdoor Einsatz vor allem durch die Eignung im Alltag. Er weist keine knalligen Farben auf oder sieht komisch oder klumpig aus, sondern macht einfach schicken Eindruck. Aber über Geschmack kann man sich ja streiten.

hübsch, schlicht und geländegängig

Die Verarbeitung ist dagegen aus rein objektiver Sicht TOP. Die Sohle ist super verklebt, alle Nähte am Obermaterial sind sehr sauber verarbeitet, die Schnürsenkel sind dünn aber fest.

Alles so wie ich von Scarpa gewohnt bin, tolle Optik in super Qualität.

Konstruktion

Scarpa Zen ist ein Halbschuh, mit einer Schnürung bis in den vorderen Zehenbereich einer voll gummierten Kappe und einer recht steifen stabilen Vibram Sohle. Als Dämpfungselement ist ein weißer weicher Gummi im Fersenbereich verbaut. Der Außenschuh ist aus Leder mit Details aus Synthetik, der Innenschuh aus Synthetik. Eine gut konzipierte Einstiegschlaufe erleichtert das Reinkommen und ermöglicht das Dranhängen der Schuhe an den Gurt in MSL-Routen. Alles in einem eine solide, einfache und funktionelle Konstruktion.

Die Sohle ist neutral, d.h. weder auf Supinierer, noch auf Überpronierer ausgerichtet. Sie bietet in beide Richtungen Unterstützung und stabilisiert den Fuß perfekt.

Passform

Scarpa Zen ist vom Leisten her, eher ein Schuh für den ägyptischen Fuß. Aber eine halbe Nummer größer passt er mir auch und drückt bei meinem römischen Fuß die kleinen Zehen nicht ab. Dadurch habe ich aber auch etwas mehr Luft am großen Zeh, was man höchstens bei Klettereien im III grad merkt. Beim normalen Gebrauch ist dieser Schuh für alle Fußformen geeignet, zudem die tief gehende Schnürung ein ordentliches Anpassen des

Teifgehende Schnürung und die Zehenkappe sind markant

Schuhs an das Fußvolumen erlaubt.

Meine Ferse findet im leicht gepolsterten Fersenbereich gut Platz und wird nicht mit irgendwelchen Druckstellen konfrontiert. Der Schnitt ist sehr ergonomisch und so muss die Achillessehne auch nicht leiden. Das Ein- und Aussteigen geht bedingt durch die Schnürung etwas langsamer von der Hand. Ein Reinschlüpfen und Zuziehen wie beim Salomon ist beim Zen nicht drin, was natürlich beim Routenklettern im Klettergarten etwas nervt. Ich habe die Schuhe so geschnürt dass man noch rein und rauskommt, ohne ständig die Schnürung betätigen zu müssen. Für mich ist das ein guter Kompromiss, denn ich gerne bei der Qualität in Kauf nehme.

Performance – wofür eignet sich Scarpa Zen

Den Zen habe ich nun seit fast einem Jahr und habe ihn für alle möglichen Aktivitäten genutzt. Beim Radfahren hat man durch die steife Sohle einen ordentlichen Druck auf die Pedale, beim Flanieren in der Stadt überzeugt die Optik. Beim Wandern der Komfort und Passform. Mit dem Zen habe ich mir noch keine einzige Blase gerieben …

Beim Zusteigen bietet Zen einen sehr guten Halt in jedem Gelände, vom matschigen FJ Hang bis zu verblockten Geröllfeldern und Schrofen. Die stabile Sohle unterstützt den Fuß dabei wirklich gut, ein Effekt, der bei ganztags Touren sehr wichtig ist. (Ich persönlich knicke oft im ermüdeten Zustand beim Abstieg um, mit dem Zen ist mir das noch nicht passiert).

Bis zu dem III UIAA Grad kann man mit dem Scarpa Zen auch sehr solide klettern, denn die Sohle bietet gute Reibung ist ausreichend kantenstabil.

Eine griffige und haltbare Sohle

Stundenlange Latschen durch eine nasse Wiese im Zemgrund macht der Zen als nicht Gore Tex Produkt wirklich vorbildlich mit und macht erst zum Schluss etwas schlapp, ohne jedoch von der Nässe aufgeweicht zu sein.

Auch Geländeläufe macht Zen sehr gut mit, sein nicht ganz so leichtes Gewicht fällt dabei fast gar nicht auf.

Alles in einem ist Scarpa Zen ohne Übertreibung ein echter Alleskönner und wird von mir dafür sehr gemocht.

Haltbarkeit

Seit nun fast einem Jahr im Einsatz weist Scarpa Zen keinen nennenswerten Verschleiß auf. Das die Sohle ein paar Kratzer und Spuren hat ist denke ich absolut normal. Das Obermaterial und vor allem das Fersenfutter sind aus meiner Sicht quasi unverwüstlich und lassen mich auf ein noch langes Leben dieser tollen Schuhe hoffen.

Alles in einem nach einem Jahr weist Scarpa Zen keine Funktion einschränkenden Mängel und Schäden auf. Wahnsinn!..wenn die Salomons nur so lange halten würden …

! Siehe Update und Kommentare !

Empfehlung

Diesen Zustiegsschuh kann ich wirklich jedem uneingeschränkt empfehlen. Egal ob ein Wanderer, MTB-Fahrer oder Kletterer, jeder findet mit diesem Schuh einen treuen und leistungsfähigen Begleiter für lange Zeit.

Fazit

Scarpa Zen ist ein Alleskönner und besticht neben seiner alltagstauglichen Optik vor allem durch die Qualität und Haltbarkeit. Ich wünsche mir, Salomon würde derartige Langzeit-Qualität produzieren. Der stolze Preis ist mittlerweile beim Salomon genau so gang und gäbe, sodass ich mich in Zukunft wohl wieder für einen Zen entscheiden würden, diesmal vielleicht im neuen schwarz.

UPDATE 08/2011

Massive Ablösung der Sohle an der Ferse ist wirklich ärgerlich

Nach dem sich die Sohle an beiden Schuhspitzen angefangen hat aufzulösen. Und sich an der Ferse beiderseits löste (ich ließ sie einen Tag im Auto, während es draußen heiß war). [Andere „Schäden“ siehe Diashow.] Habe ich mich nach neuen Zustiegsschuhen umgesehen. Gelandet bin ich wieder beim Zen. Erfreulicherweise ist der aktuell produzierte Zen etwas anders geschnitten – mein quadratischer Fuß hat nicht mehr das Problem der eingequetschten kleinen Zehen! Trotzdem sieh der Schuh gleich aus. Jetzt passt mir die Gr. 43 anstatt 43,5 !!!!

Bevor die sich die Sohle hinten ablöste, zerlegte sich die Laufsohle .. komisch

Scarpa Zen ist leider nicht mehr Made in Italy sondern kommt aus Rumänien. Qualität sieht immer noch sehr gut aus. Irgendwie wirkt der Schuh trotzdem anders … irgendwie nicht so super solide, wie mein alter. Der Alte hat zwar ein Problem mit der Sohle ansonsten ist er wirklich Top in Schuss und wird wiederbesohlt. Erst wenn der komplett in Fetzen liegt, kaufe ich mir einen neuen Zen. Er passt nun noch BESSER und kommt Gott sei Dank noch nicht aus China …

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Weitere Informationen:

Testbericht Zustiegsschuhe Salomon XA Pro

Testbericht la Sportiva Ganda

Testbericht Ganda Guide & Gecko Guide

Größenvergleich

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3 Antworten zu Scarpa Zen

  1. Joni schreibt:

    Ich hab den Schuh auch schon seit ca 2 Jahren und bin echt zufrieden, allerdings sind mir ein paar Mankos aufgefallen:
    Die helle Applikation seitlich an der Ferse is aus einem Art Moosgummi oder so, durch das Abfahren einiger Geröllfelder stehen da jetzt paar Fetzen raus… Stört nur optisch, lässt mich aber zweifeln ob das die Richtige Wahl des Materials war…
    Die Ferse ist mMn nach recht wenig gepolstert, ich hatte daher am Anfang schon etwas aufgeriebene Fersen und die eine oder andere Blase. Mittlerweile ist das absolut passé, Schuh und Fuß haben sich wohl „geeinigt“…
    Beim Frauenmodell hab ich schon einen Einriss der Schuhspitze gesehen. Is eher klein und schaut so ähnlich aus wie bei nem Kletterschuh…
    Trotz allem überwiegen die positiven Merkmale des Schuhs, die du ja schon aufgezeigt hast;-)

  2. mickimouse schreibt:

    hab den schuh seit ca. 2 jahren und trag ihn hauptsächlich im alltag, geh aber auch mal ins gelände damit oder zum radeln. was mich -bei allen vorteilen!- bereits mehrmals geärgert hat, ist die schlechte verklebung der sohlen. bereits nach einem vierteljahr löste sich die sohle vorn links an der zehenspitze – vom schuhmacher geklebt. nach einem jahr löste sich die sohle hinten an der verse – geklebt. nun hat sich die sohle großflächig am anderen vorderfuß gelöst. das ist -in diesem punkt- schlechte verarbeitung. so etwas ist mir bei anderen berg- und alltagsschuhen noch nicht einmal im ansatz passiert.

    • kletterschuhtest schreibt:

      hallo,
      ich weiß nicht ob dein Schuh noch in Italien oder schon Kroatien gemacht wurde. Ganz egal wo hergestellt, scheint es ja nicht nur an meinem Fehler mit dem heißen Kofferraum gelegen haben. Meine Sohle ist hinten an der Ferse großflächig ab… ich komme nicht dazu die zu kleben… ich poste mal ein Paar Bilder. Echt Schade …

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