Lowa X-Boulder Kletterschuhe im Test

Lowa´s Kletterschuhe-Familie ist nun komplett

Kletterschuhe  Lowa X-Boulder im Test

X-Boulder passende Name für ein Paar Kletterschuhe mit Auftrag

X-Boulder passende Name für ein Paar Kletterschuhe mit Auftrag

Nach dem ich von der Red Eagle Modellen sehr positiv überrascht wurde und die Falcos ruhigen Gewissens bereits an mehrere angehende Kletterer hier empfohlen habe, freute ich mich sehr endlich die neuen X-Boulder Kletterschuhe zu testen. Bereits bei der Outdoor 2013 war mir nach dem kurzen Anprobieren klar, dass die Passform für mich nicht so wahnsinnig optimal sein wird, aber die Hoffnung auf Anpassung war größer als Skepsis und ich griff zu. Nach nun fast 7 Monaten im X-Boulder möchte ich mir ein Statement bezüglich der üblichen Versprechen des Herstellers erlauben und eine Gesamtbewertung des letzten Elements der Kletterschuh-Linie von Lowa abgeben. Ich habe sehr viel Wert darauf gelegt, diese Kletterschuhe in verschiedenen Situationen und unterschiedlichen Gesteinssorten bzw. Hallen zu testen, um die Grenzen dieser Lowa Kletterschuhe genau abstecken zu können.

Optik und Verarbeitung der Kletterschuhe

Optik ist wie immer alles!

Optik ist wie immer alles!

Die Optik orientiert sich an den Eagle Modellen und lässt sich durch die grauen und roten Elemente relativ klar der Performance Ecke von Lowa zuordnen. X-Boulder weist jedoch deutlich mehr Schwarz auf, als die Eagle Versionen, was ihn an der Wand nicht ganz so auffällig macht. Ein Alleinstellungsmerkmal ist auf jeden Fall der x-förmige Klettverschluss. Das hat meines Wissens bis jetzt noch kein anderer Kletterschuh auf dem Markt. Weiterhin ist das Aussehen durch die ovalen Ausschnitte im Bereich der Fersengummierung geprägt – das haben ebenfalls nicht ganz so viele Kletterschuhe, sieht ganz gut aus, die Funktionalität dieser Gummierung besprechen wir weiter unten. Wären jedenfalls die rot geprägten X-Velcros nicht gewesen, würde X-Boulder so ziemlich genau so aussehen wie die anderen Single-Velcro Slipper auf dem Markt.

Die Verarbeitung ist Tadellos

Die Verarbeitung ist Tadellos

Bereits bei meinen ersten Erfahrungen mit Lowa Kletterschuhen war ich schlicht und einfach begeistert von der Qualität, mit der diese Kletterschuhe hergestellt sind. X-Boulder ist keine Ausnahme aus der Qualitätsregel und glänzt wie die übrigen Familienangehörigen mit exzellenter an Perfektion grenzender Verarbeitung. Die einzigen Stellen, an denen man einwenig Klebereste sieht sind die bereits erwähnten ovalen Ausschnitte im Bereich der Ferse. Der Rest des Kletterschuhs ist sowohl außen, als auch innen tadellos verarbeitet. Nach dem ich sogar bei den Italienern zunehmende Abnahme in der Qualität feststellen muss, war ich sehr neugierig wer den für Lowa diese Made in EU Arbeit verrichtet. Nach dem Kontakt zu Saltic und einer kurzen Studie, der in Tschechien produzierten Modelle, wurde mir klar wer für die hohen Standards bei Lowa Kletterschuhen zuständig ist. Dickes Lob – weiter so!

Konstruktion, Passform und Größe

Die Konstruktion ist gut, aber auch nichts NEUES

Die Konstruktion ist gut, aber auch nichts NEUES

Es ist denke ich kein Geheimnis, dass die Leisten aller Lowa Kletterschuhe in Grundzügen bereits früher auf dem Markt waren. Der damalige Name der Marke war Rocterra. Bereits damals trumpften die Modelle mit einem Downturn und einer Vorspannung auf, um die Performance ohne unnötige Belastung der Zehengelenke zu gewährleisten. In allen Lowa Performance Modellen findet sich der gleiche Sohlenaufbau wieder: Eine Halbsohle, die auf einen traditionell aussehenden Sohlenpart trifft. Im Bereich des großen Zehs hat die Sohle eine konkave Wölbung die den Zeh bei der Arbeit unterstützt. Da ich selbst keine Roctrerra Kletterschuhe geklettert bin, kann ich leider nicht sagen, ob es damals schon „so“ war. Es ist gut denkbar, dass diese Features durchaus zu den Weiterentwicklungen dazu gehören.  Die Sohle ist für einen Boulderschuh durchaus hart. Im Vergleich zu den anderen Lowa Kletterschuhen ist X-Boulder aber wiederum das weichste Modell. Es ist alles eben relativ. Als Gummi setzt Lowa das „alte“ XSGrip ein, was ich nicht oft genug begrüßen kann.

Ganz so viel bringen die Löcher nicht...

Ganz so viel bringen die Löcher nicht…

Das Obermaterial ist perforiert – die versprochene Atmungsaktivität hält sich jedoch in Grenzen. Obwohl ich nicht zu Schweißfüßen neige, schwitze ich den doch recht warmen X-Boulder drinnen so wie draußen ordentlich voll. Obwohl das Innenfutter antibakteriell sein soll, entwickeln die Kletterschuhe den üblichen Geruch, den man von synthetischen Kletterschuhen gewohnt ist.

Das Futter wärmt sehr ordentlich

Das Futter wärmt sehr ordentlich

Dieser reicht zwar nicht an klassische Five Ten „Stinkstiefel“ heran, aber geruchsneutral ist anders. Das neuartige Verschlusssystem ist an sich recht massiv. Es liegt daran dass, die dreieckige Velcro Fläche des oberen Verschlusses aus drei Schichten besteht. Hier könnte man die Futter-Schicht weglassen, das würde auch der Atmungsaktivität zu Güte kommen. Auf dieser Seite des Velcros muss nichts gepolstert werden. Auf der Seite der Umlenköse dagegen könnte man beim unteren Velcro eher noch die Polsterung verstärken, da existiert bei mir eine Druckstelle wenn ich die Verschlüsse richtig eng ziehe. Die Länge der Verschlüsse ist ausreichend, für Kletterer mit hohen Fußvolumen wäre etwas mehr Länge beim oberen Velcro jedoch wünschenswert.

Tennisball passt da rein

Tennisball passt da rein

Die Ferse ist von der Form her sehr ordentlich und hat nur an den Seiten etwas zu viel Volumen. Die Tennisball-Form sitzt besser als gedacht, stößt beim Hooken aber schon an ihre Grenzen. Die Ausschnitte in der Gummierung der Ferse sind auf der Außenseite eher vom Nachteil. Man hat weniger Gummi zur Verfügung und die Wahrscheinlichkeit, dass einer der zahlreichen Übergänge Obermaterial/Gummierung sich bei heißen Hook-Gefechten ablöst, ist höher. Die Gummizunge auf der Zehenbox ist etwas minimalistisch und könnte zum Rist her etwas breiter sein. Die seitlich im Bereich der kleinen Zehen angenähten Bänder sollen die Zehenbox zusätzlich vor Deformierung bewahren. In meinem Fall drückt mir einer der Nähte auf den kleinen Zeh, was den sonst sehr guten Komfort etwas trübt. Diese kleinen Kritikpunkte können und sollen das doch insgesamt positive Gesamtbild nicht trüben. Das Gesamtkonzept des X-Boulder steht gut da. Wenn man die angesprochenen Kleinigkeiten etwas nachpolieren würde, werden diese Kletterschuhe noch besser.

Am Anfang fand ich Team bequemer, spät holte X-Boulder mächtig auf

Am Anfang fand ich Team bequemer, spät holte X-Boulder mächtig auf

Die Passform ist für meine breiten Füße mit nicht ganz so langen Zehen eher suboptimal. Die Zehenbox verlangt einen längeren großen Zeh in Verbindung mit einem eher schmaleren Fuß. Ist dies der Fall, kann man mit diesem Lowa Kletterschuh super Passform Ergebnisse erzielen. Das unverdeckte Obermaterial der Zehenbox erlaubt in meinem Fall das maximale Aufstellen der kleinen Zehen, leider bekomme ich in den großen Zeh nicht den optimalen Winkel rein, um richtig viel Kraft aufbauen zu können. Wäre der Schnitt dem Red Eagle Velcro ähnlicher würde ich die 8 UK als die optimale Größe veranschlagen.

X-Boulder Kletterschuhe sind eher schmal

X-Boulder Kletterschuhe sind eher schmal

Da der X-Boulder etwas schmaler und am großen Zeh ein Tick länger geschnitten ist, musste ich bis zur 7,5 UK runtergehen. Das ist wirklich die Minimalgröße und zur Beginn nicht wirklich bequem. Aber nach 2-3 Sessions sitzt der X-Boulder sehr angenehm und drückt nur an den bereits beschriebenen Spots. Im Vergleich zu den Boreal Satori und Dharma ist X-Boulder eine Wohltat für die Füße. Als Anhalt für die Größenberechnung würde ich die Straßenschuhgröße -2 EU angeben. Dann landen man bei einem engen Sitz und kann evtl. noch 0,5 EU bis zur absoluten Schmerzgrenze runter gehen. Insgesamt für ägyptische Fußform zu empfehlen. Andere Typen müssen sich auf ein Paar Einbußen in der Passform einstellen, die das komfortable Futter aber gut ausgleicht.

Performance – wie klettern sich die Kletterschuhe

X-Boulder ist steif für einen Boulderschuh

X-Boulder ist steif für einen Boulderschuh

Ich liebe stabile und durchaus steife Kletterschuhe schon immer. Deshalb kam mir die doch recht steife Sohlenkonstruktion des X-Boulder sehr entgegen. Auf größeren (auch flacheren) Tritten ist Performance für mich absolut zufriedenstellend. Werden die Tritte kleiner (kleine Spax oder ganz kleine Leisten am Fels) hatte ich so meine Probleme mit dem X-Boulder auf diesen zu stehen. Auch die Präzision ist zu Beginn eher wenig ausgeprägt.

In Routen am Fels, überraschend gut

In Routen am Fels, überraschend gut

Mit der Zeit gewöhnt sich das Gehirn an das Zusammenspiel mit den Kletterschuhen und die Trefferquote bei Problemtritten steigt. Natürlich kann die schlechte Trefferquote zu Beginn auch an der nicht optimalen Passform liegen, aber mit dem Tenaya Oasi war diese erheblich besser bei ebenfalls suboptimaler Passform. Da ich durchaus schon das eine oder andere Paar Kletterschuhe geklettert bin, weiß ich das es auch von Beginn an besser geht, vor allem wenn man bei den „ganz Großen“ mitspielen will. Ein weiteres kleines Manko ist die Abstimmung zwischen Stabilität und der Fähigkeit im Überhang greifen zu können. Da klettert sich X-Boulder als weder Fisch noch Fleisch: für die ganz kleine Mikrotritte ist der dann auf der  Spitze (in meinem Fall) zu labil und zu „stumpf“. Für anspruchsvolle Boulder im Überhang fehlt Flexibilität im Zehenbereich und im Längsgewölbe.

Der X-VC ist schon ne coole Sache macht X-Boulder aber nicht zu einer Bouldermaschine

Der X-VC ist schon ne coole Sache macht X-Boulder aber nicht zu einer Bouldermaschine

Wen ich den X-Boulder mit Scarpa Stix vergleiche, war der Stix in beiden Disziplinen auch nicht der Spezialist aber ein weitaus besserer Allrounder, als X-Boulder das momentan ist. Den Vergleich mit unbestrittenen Nr. 1 im Boulderraum, dem Solution, möchte ich hier erst gar nicht ziehen. Sehr positiv überrascht war ich vom X-Boulder beim Routenklettern in Kochel. Allen Erwartungen infolge erster Boulderversuche am Fels zum Trotz entpuppte er sich als astreiner Steher. Zwar mit Einschränkungen auf den ganz kleinen Tritten – aber es kann auch an der nicht optimalen Passform in meinem Fall liegen. Für Routen am Limit war er für mich somit keine Option, aber sein hauptsächlicher Einsatzbereich ist ja das Bouldern. Die Sensibilität ist zwar nicht die Stärke dieses Modells aber man bekommt noch ausreichend Rückmeldung über die Sohle an den Fuß, was dadrunter eigentlich passiert. Beim Bouldern ist X-Boulder wie bereits kurz angedeutet eher gewöhnungsbedürftig.

Die Spitze ist in meinem Fall eher unpräzise

Die Spitze ist in meinem Fall eher unpräzise

Der Grund ist die geringe Flexibilität, sodass man beim „Greifen/Graben“ im Überhang weniger mit dem Fuß arbeiten kann, sondern eher mit dem gesamten Körper solch eine Haltung einnehmen muss, dass die Belastungsrichtung passt und der Druck auf den Tritt übertragen werden kann. Macht man das nicht, läuft man Gefahr abzurutschen. Die Hooks klappen gut, wobei ich weder die Toe-Hook als auch Hook Performance als herausragend bezeichnen würde. Eine Verbesserung beim Hooken würde eine etwas härtere und weniger ballrunde Ferse darstellen. Wäre die Sohle im Längsgewölbe etwas flexibler, würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Toe-Hooken wäre leichter, durch den verringerten Widerstand beim Anheben der Zehen und beim Hooken auf großen Leisten etc. müsste man sich nicht mehr ganz so viel konzentrieren. Es soll jetzt nicht heißen, dass man mit dem X-Boulder das Eine oder das Andere nicht klettern kann – das ist Quatsch. Aber für mich persönlich gibt es performativere Kletterschuhe mit der gleichen Ausrichtung in diesem Preissegment.

Einsatzbereich & Haltbarkeit

Toe-Hooken geht gut, könnte aber schlimmer sein

Toe-Hooken geht gut, könnte aber noch besser sein

Dank des sehr bequemen und ordentlich wärmenden Futters eignet sich X-Boulder hervorragend für die Nordwände und kalte Wintertage am Fels. Ob man diese Kletterschuhe in alpinen Routen einsetzt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Angaben des Herstellers zur Zielsetzung kann ich durchaus bestätigen – Bouldern und leicht überhängende Routen sind ein gutes “Playground“ für den Lowa X-Boulder. Natürlich kann man mit diesem Modell genauso wie mit allen Kletterschuhen alles klettern, aber man muss sich auch im Klaren sein, dass es mit gewissen Einbußen verbunden ist und ein spezialisierter Kletterschuh einen im Projekt deutlich mehr unterstützt. Dieser Lowa Kletterschuh bringt im Prinzip alles mit, was man an Grundfähigkeiten braucht, Treten und Hooken mit Zehen und Ferse, somit ist man prinzipiell für alles gewappnet.

Da löste sich bei mir bisher nichts ab

Da löste sich bei mir bisher nichts ab

Was die Haltbarkeit angeht, kann ich nach dem nicht ganz vollendetem Jahr nur positives berichten. Die Sohle hält gut und zeigt bis auf den normalen Abrieb keine nennenswerten Verschleißerscheinungen im Sinne von irgendwelchen Ablösungen oder Rissen. Das Gleiche gilt auch für die Hook Gummierungen vorne und hinten. So richtig derbe Hook Kämpfe habe ich mit dem X-Boulder zwar nicht ausgefochten, aber meine oben beschriebene Sorge bzgl. Ablösungen an der Ferse sind bis jetzt Gott sei Dank nicht aufgetreten. Der restliche Kletterschuh ist zweifelsohne sehr robust und bekommt nirgendwo an der Zehenbox irgendwelche Löcher – was bei Lorica zum Beispiel mit das größte Problem darstellt. Alle anderen Anbauteile wie Anziehschlaufen und Velcros sind ebenfalls nicht vom Zerfall bedroht. Einzig die unterste Öse des Velcros kann unter Umständen bei intensivem Toe-Hook Einsatz am Plastik durchscheuern. Dieses Problem tritt bei anderen Modellen mit relativ tief angebrachten Velcros (Bsp: Miura VS, Shaman) ebenfalls auf und kann mit Umsicht beim Hooken vermieden werden.

Fazit zu Lowa X-Boulder 

Für mich mehr ein Routenschuh für die Halle als für das 3D Bouldern

Für mich mehr ein Routenschuh für die Halle als für das 3D Bouldern

Lowa X-Boulder ist ein faires Angebot an Kletterer und Boulderer mit einem normal breiten bis schmalen Fuß und einer ägyptischen Zehenform. Die Performance kann sich definitiv sehen lassen und ist verglichen mit einem Edelrid Cyclone deutlich besser. Von einem Spitzenmodell zu sprechen, welches in der Liga von Solution, Instinct VS und 5.10 Team mitspielt wäre sicherlich vermessen. Der Trend bei Lowa geht auf jeden Fall in die richtige Richtung – man sieht auch das ganze Know-how und Arbeit welche in diesem Modell stecken. Mit etwas Weiterentwicklung in den von mir kritisierten Bereichen könnte man die noch bestehende Lücke zu den aufgezählten Spitzenreitern schließen und die Zukunft irgendwann durch aus für sich entscheiden. Für mich persönlich ist Lowa der beste deutsche Kletterschuhhersteller auf dem Markt, mit dem Potenzial für die Spitzenposition im internationalen Vergleich. Vorausgesetzt man nimmt sich Beispiel an Italienern und ruht sich nicht auf bestehenden Erfolgen aus.

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Weitere Informationen:

Testbericht Lowa Red Eagle VC

4 Antworten zu Lowa X-Boulder Kletterschuhe im Test

  1. Klaus schreibt:

    der Schuh ist definitiv made und designed in CZ bei Saltic. es steht nur Lowa drauf. Man bekommt gute Schuhe aus der Schmiede aus dem Mährischen Zlin…und das wohl seit 1988.
    Schade, dasshier wieder das Know How anderer unter einer Großen Marke floriert.
    http://ww.saltic.cz/catalog.php?category=climbing&product=89

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