Sanuk Chiba

Schuhe Sanuk Chiba im Test

So schaut der Surfer Schuh in den Bergen aus

Es ist sicher schon 2 Jahre her, da hörte ich zum ersten mal von Sanuk. Die Produkte der jungen amerikanischen Firma waren in einem Video über keinen geringeren als Chris Sharma. Da sprang der Meister aller Klassen in China am Fuße der Kalktürme in den Mokassin ähnlichen Patschen umher und lebten den Geist des Abenteuers, wärend er vor der Kamera neue Route einrichtete und erstbeging. Eigentlich gibt es keine bessere Promotion für ein Produkt, als eine Nutzung durch den Chris Sharma. Zu dieser Zeit gab es die Schuhe in Deutschland nicht zu kaufen. Monate vergingen und ein weiterer Top Athlet namens Daniel Woods gesellte sich als Werbeträger zu Sanuk. Die Produkte waren nun im deutschen Einzelhandel erhältlich und so kam ich bei einem Sommerschlussverkauf in Versuchung die reduzierten „Sandalen“, wie die Firma ihre Produkte selbst betitelt, zu erwerben. Mitten im Sommer flanierte ich von nun an überallhin in diesen ultracoolen Geräten.

Natürlich sind das keine Kletterschuhe. Ich hielt sie für allroundtaugliches Schuhwerk, mit man auch zum Fels latschen kann. Wer auch solcher Überzeugung ist, sollte auf jeden Fall bis zum Schluss am Wort dran bleiben…

Optik, Verarbeitung, Aufmachung

einfach und übersichtlich

Mein Modell Chiba kostete ursprünglich 60€ und markierte das Ende der Preis/Ausstattung der Produktpalette im Laden meiner Wahl. Dafür sahen die extrem lässig, super alternativ und sehr bequem aus. Style ist alles dachte ich mir und lies mich von der chilligen Optik zum Kauf überwältigen. Das Design und der Aufbau ist schnell erklärt: synthetischer Stoff bildet den lockeren und agilen Schaft welcher in ca. 3cm breiten Streifen in die schaumstoffartige Sohle hinein verschwindet, um dort sehr guten Halt zu finden. Die sehr weiche Sohle hat einen ca. 1 cm breiten Rand welcher den äußeren Abschluss des Schuhs an sich bildet. Die Farbe ist eher schlicht, wie übrigens bei allen anderen Männer Modellen von Sanuk, und kann als grau bezeichnet werden. Die nach Außen abgeschlossenen Nähte, bilden leichte Fransen und sind das einzige dekorative Element, der sonst ziemlich einfachen Optik.

Das Gummiband sorgt für Flexibilität

Die Öffnung für den Einstieg ist weit genug, um schnell und unkompliziert einsteigen zu können, aber straff und umfassend genug, um nicht die Ferse rausrutschen zu lassen. Der Rand der Öffnung ist gepolstert und verstärkt, was mich im Gegensatz zu anderen Modellen von der Aufmachung und der Konstruktion her beim Kauf am meisten überzeugt hat. Der Schaft ist im Inneren mit einer dünnen Polsterung versehen, die im Gegensatz zum recht robust-rauem Obermaterial weich und kuschelig ist.

Die Verarbeitung ist eher "Robust"

Die Sohle besteht aus mehreren Schichten: die sehr weiche Schaumstoffschicht bildet gleichzeitig das Fussbett im Schuhinneren, für die Dämpfung soll die etwa 4mm dicke und nur minimal härterer Schaumstoffkeil dienen. Dieser ist nur im Bereich der Ferse zu finden und verschwindet im Bereich des Fiussballens gänzlich. Eine weiche 2mm dünne Schicht, bildet eine optisch-farbliche Abgrenzung zwischen den „Dämpfungselementen“ und der deutlich festeren und robusteren Laufsohle. Das Profil dieser Laufsohle bilden etwa 1mm hohe Balkenstollen mit einer Sanuk Prägung, die einen immer freundlich begrüßt, sobald man den Schuh wendet.

Die Verarbeitung ist ohne Makel. Mittlerweile muss man das hohe handwerkliche Können der chinesischen Schuhmacher anerkennen. Sämtliche Sohlenschichten sind so tadellos verklebt, dass man keinerlei Klebereste findet. Alle Nähte sehen nach Monaten täglicher Nutzung immer noch so solide aus wie am ersten Tag. Ich muss wirklich sagen: „gute Arbeit“, obwohl es schon fast weh tut, dass Made in China die heimische Produktion qualitativ fast übertrumpft.

Passform, Größe, Komfort

Schick ist der Chiba nicht, aber lässig

Alle Sanuk Schuhe kennzeichnen sich durch eine legere Aufmachung und weiten bequemen Schnitt. Meine „Sandalen“ fielen zwar etwas schmaler aus, als der Rest des Sortiments, waren aber immer noch breit genug, um meinem doch ziemlich breiten Fuß ohne Drücken und Quetschen fassen zu können. Die an der Einstiegsöffnung verarbeiteten Gummibänder halten den Schuh sauber am Fuss und bilden mit dem gepolsterten Rand der Öffnung eine ausreichend stabile Fassung, um den Fuss auf eine angenehme Art und Weise im Schuh zu behalten.

Da drückt und zwickt NICHTS

Das Obermaterial gibt dem Fuss locker nach ohne sich jedoch mit der Zeit zu weiten. Das Innenfutter sorgt für ein wirklich angenehmes Tragegefühl – egal ob mit Socken oder ohne. Insgesamt ist der Sanuk eher weicher Natur. Der Fuss fühlt sich nirgendwo eingeengt oder unpassend verpackt und gepolstert. Vom ersten Moment an geniesst man sofortigen Komfort beim Stehen und Gehen. Ich denke das selbst Menschen mit orthopädischen Fussproblemen mit diesem Schuhwerk keine Schwierigkeiten haben werden. Die Größe entspricht exakt der Realität mit der EU 43 war ich bestens bedient. Eine 44 EU (ich glaube es gab keine 0,5 Größen Abstufung) wäre zu locker und der Fuss hätte zuviel Spiel beim Gehen. Alles in einem sind die Passform sowie das Komfort der Sanuk Chiba sehr gut gelungen. Der Schuh fühlt sich genau so an wie er aussieht: locker, leger und bequem.

Nutzungseigenschaften

Dieser Bruch/Delle ist charakteristisch für die besch... Dämpfung

Wie bereits erwähnt benutzte ich den Sanuk Schuh Chiba von der ersten Sekunde an. Am Anfang war ich völlig begeistert von den „bodennahen“ Eigenschaften beim Gehen. Ich mag es grundsätzlich barfuss unterwegs zu sein. Ein ähnliches Gefühl vermittelte mir in der Anfangszeit dieser Schuh auch. Leider verging meine Begeisterung schneller als ich gedacht hätte. Die „Dämpfungsschicht“ war innerhalb von 2 Wochen dahin, so dass jedes Aufsetzten der Ferse immer unangenehmer wurde. Leider läuft man mit diesen Schuhen anders als Barfuss und setzt den Fuss unbewusst zuerst auf die Ferse auf. Jedenfalls fällt mir das Gehen von Strecken, welche einen Kilometer überschreiten, deutlich schwer. Es ist einfach unangenehm für die Füße, da die Schuhe nahezu keine Unterstützung und Dämpfung haben.

Dem Boden ganz nah, ist man auf alle Fälle

Die Laufsohle hat nicht den besten Grip im Gelände, das stellt sich schon sehr schnell raus, wenn man etwas abseits der befestigten Wege unterwegs ist. Dennoch würde ich sie im Alltag nicht als rutschig bezeichnen. Immerhin kann ich mich an keine Situation erinnern, in der ich wegen Sanuk gestürzt oder fast gestützt wäre. Anders sieht es mit dem Stolpern über den recht massiven Sohlenrand. Da man immer vom Ende des eigenen Fusses bei der Wahrnehmung und Steuerung von Bewegungen ausgeht, stolperte ich anfangs recht heftig an Treppen, Absätzen und Bodenunebenheiten, bis der Körper den Lernprozess vollständig absolviert hat.

Da mir sehr schnell klar wurde, dass ich mit diesem Schuh keine Wanderung unternehmen möchte, weil man beim Spaziergehen schon jeden Stein durch die Sohle merkt, verzichtete ich darauf diese Stoffschuhe als Zustiegsschuhe zu benutzen. Auch beim Radfahren war ich es leid die Zacken der Trekkingpedale durch die Sohle erfühlen zu dürfen. Somit sehe ich mittlerweile in diesem Schuh lediglich ein Lifestyle Produkt für die Freizeit.

Haltbarkeit

ohne Worte... Gott sei Dank sieht nicht die ganze Sohle so aus

Obwohl die Sohle dünn ist, habe ich bis her, nach drei Monaten täglicher Nutzung keine Löcher. Kein Wunder denn die Schuhe haben noch keine 30km gesehen. Dennoch hinterlässt Asphalt schnell seine Spuren. An den Hauptkontaktstellen der Sohle mit dem Boden ist die so freundliche Sanuk Prägung längst verschwunden. Die Balken des Profils sind kaum tastbar. Nun kann ich schwer was darüber sagen, ob auf dem anderen Untergrund (wie etwa Sand) der Abrieb anders ausfallen würde, aber in meinem Fall sieht man den Verschleiß schon deutlich. Der Rest des Schuh´s sieht da definitiv besser aus. Keine offenen oder aufgehenden Nähte, keine Risse im Obermaterial, keine Ablösungen des Schaftes von der Sohle. Alles ist soweit in Ordnung und freut sich auf den nächsten Sommer, denn im Herbst sind mir die Schuhe, selbst mit Socken, etwas zu kalt.

Fazit

Gemütlich und nicht zu lose, eignet er sich ganz gut für den Alltag

Dieser Schuh kann mehr, als lässig und leger aussehen. Er ist bequem und einfach zu handhaben. Weitere besondere Fähigkeiten hat er meiner Meinung nach allerdings nicht. Er bietet dem Fuß im Gelände keinen Halt, kann nicht mit gutem Grip auf diversen Untergründen punkten und begleitet einen ganz sicher nicht ein Leben lang. Dennoch trage ich ihn gerne im Alltag: zum Einkaufen, im Garten, beim Autofahren von A nach B, bei kurzen Spaziergängen usw. Ich würde mich nicht aus dem Fenster lehnen und behaupten, das sei ein Schuh für dies oder jenes. Fakt ist, dass man beim Surfen an einem Sandstrand deutlich entspannter mit ihm unterwegs ist, als beim Wandern/Zusteigen in einem fränkischen oder oberbayrischen Wald. Um zu Kletterhalle zu gelangen und dort rumzuhängen ist dieser Schuh jedoch wie geschaffen. Auch als Hüttenschuh kann er aufgrund seines leichten Gewichtes und Komforts super genutzt werden. Ob man für den Style und die beschriebenen Zwecke 60 € ausgeben möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich würde mir keinen neuen Sanuk kaufen, da ich etwas „mehr Schuh“ benötige.

Weitere Informationen:

Zustiegsschuhe1

Zustiegsschuhe2

Made in China

Fussform und Passform

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