Five Ten Anasazi Verde

Kletterschuhe Anasazi Verde im Dauertest

Was habe ich damals gehofft, als ich in Arco in diesen Kletterschuh stieg. Er hat mir damals in der Straßenschuhgröße überhaupt nicht gepasst. Komisch dachte ich mir damals. Was haben die bloß alle mit diesem Schuh? Nach langen Jahren überwog die Neugier und ich schnappte bei eBay zu. Das Ergebnis meiner Neugierde soll nun die Tatsachen über die Eigenschaften der Anasazi Familie offenbaren.

Optik, Verarbeitung

Das sind die beiden einzigen Details des Verde

Die Farbe wird dem Namen Verde mit dem hübschen Grün gerecht. Anasazi Verde sieht im Prinzip aus wie der alte Pinky nur eben in Grün. Das es nicht das Alte in Grün ist sehen wir gleich noch deutlich genug. Das Design ist so wie es bei Five Ten üblich ist. Weniger ist mehr. Eine Form, eine Farbe, wenige Details. Das war bei Pinky und VCS so nun auch seit Jahren bei Verde. An sich gefällt mir die ganze Familie, bis auf den VCS und den Arrowhead gut. Keine sichtbaren „Zähne“ die ihre Aggressivität preis geben könnten, keine wilden Formen – ganz nach dem Motto: „Die Wölfe in Schafspelzen.“

Irgendwie sieht die Verklebung der Sohle anders  aus – aber es hebt!

Die Verarbeitung ist 1A. Irgendwie stehe ich auf Five Ten Verarbeitung. Die fühlt sich zwar gänzlich anders, als die von Scarpa und La Sportiva an, ist aber an und für sich ein guter Beweis des amerikanischen Know-hows in Sachen Kletterschuhherstellung. Ab und an sieht man ein Paar Klebereste am Rand, aber ansonsten ist alles Tipp Top! Nicht zu meckern – so soll es weiter gehen!

Konstruktion

Auf den ersten Blick ist die Konstruktion dieselbe wie beim Pynky/Blanco. Leicht asymmetrisch und kaum vorgespannter Leisten.

Durchgehend und ganz leicht asymmetrisch

Die durchgehende Sohle ist jedoch aus Stealth Onyxx und nicht aus dem guten alten C4. Sie hat aber dieselbe Dicke und wirkt an sich ähnlich griffig und steif. Beim genauen Hinschauen entdeckt man dann die Unterschiede. Die Spitze ist etwas weicher gestaltet als es beim Banco und Pinky der Fall ist. Zum Grundgelenk hin wird die Sohle aber wieder steifer – Gott sei Dank. Das erklärt einige Eigenschaften des ziemlich beliebten Verde. Das Obermaterial und das Innenfutter sind dieselben und freuen jeden Tierliebhaber – kein Rind musste dafür sein Leben auf der Weide opfern. Dafür stinken sie … aber dazu später. Neu und wenn man Five Ten glauben mag, fast schon revolutionär ist die Magic-Finger-Heel. Sie wurde verbessert und gestrafft, um bessere Hook Performance zu ermöglichen. Im Vergleich mit dem Original ist das auch wirklich gelungen.

Die VCS Ferse sieht etwas schlanker aus

Wenn man diese Fersemit den aktuellen Modell Anasazi VCS vergleicht, dann stellt man fest, dass sie mit der Zeit anscheinend noch mal gestrafft wurde. Verglichen mit dem Pinky und Blanco weist Verde ein deutlich geringeres Volumen und eine anders gestaltete Zehenbox. Dies bezieht sich auf die Form. Diese ist im Bereich des kleinen Zehs etwas schmäler, im Bereich des zweiten weiten und auch des dritten Zehs etwas geräumiger. Des Weiteren wird der große Onkel etwas weniger aufgestellt. Zusätzlich ist die Ferse weniger vorgespannt und mit einem etwas weicheren (und evtl. dünneren – man kann das so schlecht nachmessen …) Spanngummi ausgestattet.

„Präzise“ und fummelig

Die Schnürung ist die gleiche: viele Löcher, viel Reibung und viel Gefummel. Dafür wird man mit einem (wie sagt man in Kletterzeitschriften?) präzisen Sitz am Fuß belohnt. Heißt im Klartext: „Du kannst den Schuh prima mm für mm an deinen eigenen Fuß anpassen.“ Die Asymmetrie ist ganz leicht vorhanden. Die Vorspannung ist kaum und der Downturn leider gar nicht ausgeprägt.

Passform und Größe

Das ist der Kasus Knaxus beim Verde! Behauptete ich in meinen früheren Berichten das Verde schmal, und eher für ägyptische Zehen gemacht ist, wurde ich nun eines besseren belehrt. Fakt ist, dass dieser Schuh etwas schmaler als Blanco und Pinky und ab dem dritten Zeh ziemlich ägyptisch ist. Doch davor bietet er sowohl den griechischen als auch römischen Zehentypen etwas Platz. Der Schnitt der Spitze ist, wie bei allen anderen Anasazis (mit Ausnahme des Arrowhead) im höchsten Maße Hallux Valgus dominant. Dieser wird aber durch ein gutes Zusammenfassen der Zehen etwas gemildert. Das ist jedoch nur mit der „richtigen“, sprich entsprechend kleinen, Größe möglich. Wie bereits bekannt, sollte man bei Verde 1,5 UK Größen von den Strassenschuhgröße abziehen. Das stimmt so weit und bringt dich ganz sicher zu deiner Minimalgröße (kleiner geht es nicht oder kaum).

Die Spannung auf die Achillessehne ist bei Verde weniger stark

Den Schuh in 8 UK zu klettern würde mir kein Plus an Komfort bringen aber die Performance verschlechtern und die Hallux Valgus Problematik verschlimmern. Also die 7,5 UK wie beim Blanco genommen, reingeschlüpft … und … passt! Hmm, komisch, passt sogar besser und angenehmer als Blanco. Das liegt beim Verde an etwas dünnerem Obermaterial und entsprechend weniger dickem Fersenspanngummi. Die die etwas moderatere Verspannung der Ferse macht den Einstieg etwas einfacher als beim Blanco und verursacht definitiv weniger Schmerzen an der Achillessehne. Die Ferse fühlt sich genau so luftgefüllt wie beim Blanco – aber das kennen wir ja schon.

Die Zehenbox ist ein Tick flacher als beim Blanco

Die Zehen sind in meinem Fall etwas weniger aufgestellt als beim Blanco. Was zusammen mit der Fersenspannung und nicht so stark drückendem Material der Zehenbox einen deutlich spürbaren Komfortgewinn bringt. Cowdura typisch, passt sich das Material nach 1-2 Mal Klettern an die Zehen an und bildet Mulden, welche den Druck auf die Knöchel der Zehen mindern. Insgesamt gefällt mir die Passform des Verde unerwartet gut. Er könnte etwas mehr Asymmetrie verkraften, aber ansonsten, passt er mir ganz gut. Wirklich erstaunlich, dass ich die ganze Zeit anderer Überzeugung war.

Wie klettert sich Anasazi Verde

Die Performance ist ein echtes Kapitel für sich. Die ersten Wandkontakte offenbaren eine gute Treffgenauigkeit mit der Spitze. Die Präzision ist nicht perfekt, wenn ich das mit einem Boostic oder Stix vergleiche. Ich musste am Anfang eben oft nachjustieren und traff die Tritte nicht auf Anhieb perfekt. Mit der Zeit gewöhnt man sich dran und es wird besser. Ich denke dieses Gefühl der Präzision ist stark abhängig von der Fußform. Menschen mit etwas geraderen Füßen als meinen empfinden den Verde sicher als Ultrapräzise. Immerhin komme ich mit ihm ähnlich gut zu recht wie mit Blanco und viel besser als mit dem Anasazi VCS, welcher noch gerader geschnitten ist.

Mit der Zeit fühlen sich solche Aktionen „sicherer“ an

Doch nicht nur die Spitze lässt im Neuzustand zu wünschen übrig. Auch das berühmt berüchtigte Stealth Onyxx Gummi will einfach nicht kleben. Es mag an sommerlichen Temperaturen liegen aber beim Einklettern rutsche ich immer wieder vom Tritt ab. Ganz egal ob am Plastik-Spax oder der kochelerischen Ausbruch-Leiste – Onyx will nicht kleben. Es ist sehr erstaunlich, denn ein Arrowhead oder ein Quantum waren im Neuzustand griffig wie die Hölle. Na ja, alte Schule eben: Erst einklettern dann Spaß haben …

Die ersten Touren lösten bei mir ehrlich gesagt keine Euphorie aus. Verde war weder Fisch noch Fleisch. Er ist weicher als Blanco und härter als Quantum oder Dragon.

Bereits im Neuzustand ist der Anti-Downturn sichrbar

Durch den fehlenden Downturn, fiel es mir anfangs sehr schwer mit dem Fuß irgendwelche Tritte zu angeln und auf Spannung zu halten. Mit der Zeit wird es jedoch besser, wobei ich nicht weiß ob es am Schuh oder an der Gewöhnung des Hirn-Fuß-Komplexes liegt. Fakt ist, dass ich Platten mit wackligen Clip-Positionen klettern konnte, bei denen ich damals mit dem steifen Galileo an die Grenze gestoßen bin. Sehr erstaunlich, aber Verde funktioniert an meinem Fuß.

Er funktioniert nicht so wie Miura VS oder Boostic, die den Fuß unterstützen. Nein, beim, Verde unterstützt der Kletterschuh den Fuß. Man spannt den Fuß an, bevor man ihn auf den Tritt stellt und er hebt dann einfach. Was will man mehr? Sensibilität ist besser als beim Blanco und schlechter als beim Pinky. Das ist Fakt. Mit der Zeit wird es besser, aber da wird auch die Sohle dünner. Man spürt zwar die Tritte, aber so richtig genau, kann man deren Beschaffenheit am Anfang nicht erfühlen.  Später wird alles besser. Ganz egal ob durch den mechanischen Abrieb oder die bessere Hirn-Fuß Anbindung.

Seich, kantig, glasig, rau – geht schon!

Das Hooken geht, wie ich persönlich finde sehr gut. Die Ferse ist nicht immer einfach zu platzieren, bliebt aber dann überall beim Belasten hängen. Ohne, dass die Hookoberfläche dem Fuß Schmerzen bereitet oder irgendwas ablöst. Ich hooke ja wirklich gerne und komme erstaunlich gut zurecht mit der Magic-Finger-Heel der ersten Generation klar. Passt! Das Toe-Hooken verdient keinen Kletterschuhoskar. Ich frage mich immer noch wie Steve Mcclure in beiden Füßen hängend schütteln kann. Man sollte nicht meckern, denn Verde ist ein Schnürer, ohne irgendwelche Gummierungen und Ambitionen a la Blackwing. Wenn es Hart auf Hart kommt, kann man sein Fuß schon in eine Schuppe einhängen, das reicht beim Routenklettern dann ja auch.

Haltbarkeit

Extra zu diesem Thema habe ich ein Projekt gestartet in dem Vibram und Stealth Sohlen langfristig miteinander vergleiche (Gummi-Vergleich).

Der Unterschied in der Breite ist deutlich – beide 7,5 UK

Bis jetzt schaut es gut für Onyxx aus, kaum Abrieb, noch sichtbare Kanten. Aber warten wir es noch ein Paar Monate ab. Ich werde in Form von Updates berichten. Ärgerlich ist dagegen eine kleine offene Stelle an der Ferse. Da wo die Anziehschlaufe normalerweise unter dem Gummi verschwindet, findet sich nun einen Riss / Ablösung / Loch. Da dieses die Performance usw. nicht beeinflusst, soll es nicht weiter betrachtet werden. Weiteres beliebtes Kaputt-Geh-Teil ist der schwarze Rand der Schnürung. Dieser geht gerne nach ein Paar Hooks kaputt. Gut, das auch er keine Funktion erfühlt und deshalb nicht ins Gewicht fällt.

Ich kenne Leute, die den Verde 1,5 Jahre (!) bis zur Wiederbesohlung klettern. Andere sagen, das er nach einem Jahr hin ist. So oder so eine gute Prognose, die auf viele Klettermeter hoffen lässt. Ach ja – der Gestank. Ganz einfach: (1) Nicht so viel Vollschwitzen; (2) Nach dem Klettern nicht im Rucksack und schon gar nicht in einer Tüte lassen; (3) Socken tragen! Ich persönlich habe keine großen Probleme mit dem Gestank …

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Ich persönlich finde Verde in weicherem Gesteinten am stärksten. Eine Behauptung, die von der Popularität dieses Modells im Elbsandstein und Gritstone, gestützt wird.

Der Schuh für Sandstein und sogar für Fränkische

Für Kalk und Granit finde ich Five Ten Blanco besser, da härter. Natürlich funktioniert dieser Kletterschuh auch im Speck von Kochel. Aber Blanco ist da einfach besser. Das Gleiche gilt für Leisten im Harz. Der Vorteil des Verde ist die gute Anpassbarkeit der recht weichen Sohlenspitze an den Tritt. Sprich: Formschluss ist stabil, bedarf aber beim Halten etwas Zehenkraft. Ich kenne viele Leute, die mit dem Verde alles und überall klettern. Ich persönlich nutze ihn ungern zum Bouldern und für steile Routen, da die Sohle so wenig Support und Kontrolle in solchen Situationen bietet. Für Plastik ist dieser Schuh zu teuer und zu schade! Am Fels jedoch ist er wirklich zu Hause.

Fazit

Nicht nur bei den Briten und Sachsen super beliebt

Anasazi Verde ist ein Kletterschuh, welcher schmaler ist und weniger Volumen als Pinky und Blanco bietet. Die Sohle ist mittelhart und ganz ok im Bereich der Sensibilität und Trittkontrolle. Für mich ein neuer Kletterschuh für Kochel, welche in seinem Einsatzbereich gut Hooken kann, und beim Treten nur unwesentliche, aufgezählte Minuspunkte aufweist. Scarpa und La Sportiva passen mir jedoch besser. Letzten Endes entscheidet neben der Steifigkeit der Sohle vor allem die Fußform und der Komfort über das Ja für Verde oder den Blanco. Nach dem Release der neuen Generation fallen die Preise für diese beliebten Produkte. Also ran an die Suchmaschine (ich habe 72 EUR bezahlt) und raus zum Fels.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Weitere Informationen:

Fußform und Passform

Der eigene Fuß als Anhalt

Größenvergleich der Kletterschuhe

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