Andrea Boldrini Apache Talisman

Kletterschuhe Andrea Boldrini Apache Talisman im kurz Test

Der Spitzenreiter der Preisklasse unter der Lupe

Viel gelb, viel Gummi, viel Geld

 

Geschichte

Über Andrea Boldrini findet man im Netz, ziemlich ähnliche Statements: Super Passform, gute Performance – quasi alles Perfekt nur der unglaublich hoher Preis wird regelmäßig bemängelt.

Bereits letztes Jahr konnte ich den Andrea Boldrini Apache in einem Laden anprobieren und probe klettern. Alles was ich über diese Erfahrung sagen kann ist nach wie vor – Der super- teuerer Designer Kletterschuh hat mich nicht vom Hocker gehauen! Die Passform war zwar angenehm und bot meinem breiten Fuß genügend Platz, die Ferse hatte jedoch Luft und das Stehen auf Spax blieb weit hinter meinen Erwartung zurück. Der Apache war zwar schon präzise und stabil und man konnte sogar spüren, dass unter dem Zeh etwas ist. Doch an die Tritteigenschafen von einem Stix oder dem Anasazi kam dieser Kletterschuh nicht heran.

Nach langer Zeit entscheid ich mich den Apache Talisman auszuchecken, der mich an meine geliebte Testarossas erinnerte. Mit der Hoffnung, dass dieses Modell mir mehr taugt als der „Boulderschuh“ Apache.

Optik, Verarbeitung

Optik kommt an Testarossa nicht ran

Sowohl Apache als auch Tiger Modelle finde ich persönlich optisch nicht so ansprechend. Die gelbe Farbe und das viele Gummi wirken auf mich etwas klobig. Deshalb verspürte ich von Beginn an nicht das Gefühl diesen Kletterschuh unbedingt besitzen zu wollen. Andere sehen das vielleicht anders. Die Verarbeitung ist gut, an die von La Sportiva und Scarpa kommt Boldrini meiner Meinung nach jedoch nicht ganz ran. Zwar sind die Nähte absolut tadellos, die Sohlen Verklebung weist aber an ein Paar Stellen gelbe Kleberreste und nicht ganz sauber abgeschnitten Ränder. Die Kanten der Sohle sind jedoch wirklich vorbildlich geschliffen, was den insgesamt sehr guten (aber nicht perfekten) Eindruck abrundet. Vielleicht bin ich etwas streng mit Andrea Boldrini, aber für diesen Preis erwarte ich Perfektion!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutlich: Klebereste und Gummifetzen an der Design-Sohle…

 

Konstruktion

Der erste Eindruck auf den Fotos täuschte mich nicht. Apache Taliman ist in jedem Fall, von der Form und Konstruktion dem Testarossa sehr ähnlich. Einzig Details unterscheiden diesen Kletterschuh von meinem Favoriten von La Sportiva. Apache Talisman ist auf jeden Fall keine echte Innovation, etwas Mau für einen Design Produkt!

Gutes Vorbild+neues Details=Design Kletterschuh …

Gleich ist der Leisten mit einer kleinen Abwandlung im Bereich des 2 und 3 Zehen. Da bietet Talisman etwas mehr Platz, was für die Kletterer mit griechischen Fuß sicher eine gute Nachricht ist. Gleich ist die Form der asymmetrischen Schnürung, die jedoch (Achtung Abwandlung!) ab dem Mittelfuß in ein Schnellschnürsystem übergeht, dass in Verbindung mit runden mitteldicken Schnürsenkeln auch ganz gut (zumindest beim Zumachen) funktioniert.

„wichtiger Unterschied“: Schnellschnürsystem, sonst (?)

Halbsohlenprinzip bei Boldrini in A-Form…

Gleich ist auch das Halbsohlenprinzip, wobei Talisman über eine etwas kürzere Sohle verfügt die zum Fußgewölbe hin in einer Art Welle [Tatsächlich ein Ausläufer des A(ndrea) darstellt] (Achtung Design!) abgeschnitten ist. Das bei nun vielen Herstellern (La Sportiva, Scarpa, in Sharman von Evolv) zu findende System zur Unterstützung im Zehenbereich ist auch im Apache existent. Jedoch ist die Innenwölbung der Sohle im Bereich der Zehen sehr schwach ausgeprägt und nicht so fühlbar wie beim Solution oder Booster.

Talisman ist nur leicht vorgespannt in etwa wie der Solution. Die Vorspannung der Ferse (Sling-Shot) ist in etwa die gleiche wie beim Testarossa. Der Downturn ist so gut wie gar nicht vorhanden, man sieht lediglich eine leichte Biegung an der Innenseite im Bereich Spitze, beim tragen selbst fühlt sich der Schuh flach an.

Die Sohle ist (sicher) 4mm dick und besteht aus eigen produzierten Gummimischung namens Formula. Das Gummi fühlt sich ordentlich klebrig an und ist einwenig härter als Vibram XSGrip. Die den Schuh umspannenden Gummizüge sind definitiv anders als beim Testarossa und zeugen von einem eigenständigen Aufbau, das für eher härtere Ausprägung der Sohle sorgt. Interessant ist die Tatsache, dass im

Talisman bietet eine deutlich bessere Ferse – ein „++“

Bereich der Ferse diese Gummistreifen deutlich dicker sind (als beim Testarossa) und fast schon Five Ten Anasazi Dimension aufweisen, aber im Verlauf zur Sohle hin immer dünner werden. So sind die Übergänge vom Gummi zum glatten, gelben Kunstledermaterial (sehr anfällig für das Sohlengummi und wird schnell schwarz!) immer schön fließend ohne Kanten die eine Angriffsfläche bieten könnten.

Die Fersengummierung ist besser konzepiert und umgesetzt als bei den meisten La Sportiva und Scarpa Kletterschuhen – sehr positiv!. An sich ist die Fersenkappe voll gummiert. Wobei es zwei „Schichten“ gibt. Die untere ist schwarz und langt bis in die Seite der Ferse. Das finde ich persönlich super, da man nun mal entsprechend oft an der Außenseite hookt und die Miuras dort am schnellsten kaputtgehen. Weniger positiv finde ich, dass dieser schwarze Teil der Gummierung mit etwas beschichtet ist, was die sonst ordentliche Reibung des Gummis eliminiert und rutschig macht. Irgendwie unlogisch einen Teil des Schuhs bei dem es auf Reibung ankommt mit etwas glattem zu überziehen… Die Außenschicht bildet griffiges graues Gummi, das unterhalb der Achillessehne anfängt, in Richtung Zehen läuft an der Außenseite des Mittelfußes aufhört. Dieses Teil heißt laut Hersteller F.C.S. (Full Contact Sole) soll den Fuß unterstützen. Alles in einem gefällt mir die Ferse ganz gut, da sie an den Seiten etwas schlanker ist, als die von Testarossa und durch die Vollgummierung eine längere Lebensdauer verspricht.

Die Zehenkappe ist im Prinzip die gleiche wie beim (na wen wundert es?) – Testarossa. Nur ist sie nicht ganz so hoch was auf nicht so stark aufgestellte Zehen hoffen lässt.

F.C.S-ist ein Ansatz a la Power Bridge oder P3

Der gesamte Kletterschuh Talisman ist durch die vielen unterschiedlichen Gummischichten sowohl in der Mitte als auch vorne und hinten stabiler und weniger flexibel als Testarossa, was auf mehr Unterstützung und Steifigkeit schließen (und hoffen) lässt.

Passform und Performance – wie klettert sich der Andrea Boldrini Apache Talisman

schwer zu erkennen aber: Lorica und Kunstmaterialien soweit das Auge reicht

Die Passform ist der Steckenpferd von Boldrini. Nahezu der gesamte Kletterschuh besteht aus Lorica (oder ähnlich), ansonsten wurden nur synthetische Materialien Verwendet. Lorica in Verbindung mit der beidseitig (wie Miura VS) eingenähten, flexiblen und angenehm weichen Polyesterzunge sorgt für einen wahrlich sockenähnlichen Sitz (sogar noch deutlicher als beim Mago). Der Leisten dürfte ziemlich allen Fußtypen passen, die mit Testarossa gut zu Recht kommen (also quadratischen und ägyptischen Fußformen) sowie den griechischen Fußtypen.

Der Gummirand an der Zehenbox ist zwar einiges dicker als beim Speedster, gibt aber dennoch bei breiteren Füßen gut nach. Es ist also absolut begründet, dass alle Besitzer von der Passform und dem Komfort der Andrea Boldrini schwärmen, denn die sind wirklich gut. Wie bei allen Lorica Schuhen, fühlt sich der Kletterschuh die ersten 15 min super bequem an, bis eine Art Grenze überschritten ist und die Füße nur noch als gesamtes weh tun, so dass man nach einer einstündigen Bouldersession diese nicht mehr anziehen mag. Zieht man die Schuh aber immer wieder aus, so stellt sich dieser Zustand des „absoluten Schmerzes“ nicht so schnell ein.

Andrea Boldrini fallen groß aus. Da ich gegenteilige Meinungen zur Größenwahl von

Unterschied in der Größe: La Sportiva 40 EU & Boldrini 42,5 EU

Apache im Internet gelesen hatte und der Shop nur noch 42,5 hatte beschloss ich diese auszuprobieren. Hier sei noch mal eindringlich darauf hingewiesen, dass man Andrea Boldrini mind. 2 Größen kleiner nehmen muss, als die Straßenschuhröße. Die bestellte 42,5 EU fällt in etwa so aus wie ein Testarossa in Größe 41 (41,5). Ich (Größenvergleich) wäre mit der 41,5 am besten bedient, leider gab es die nicht im Shop. Doch selbst bei 42,5 sintzt die Ferse des Talismans wirklich gut, Es gibt kaum Lufträume. Sie saugt sich fast schon an den Fuß – dieser Effekt dürfte in meinem Fall bei Größe 41,5 noch stärker ausfallen und so noch bessere, saugende Passform ergeben. Echt nicht schlecht!

Das Treten mit dem Talisman ist etwas anders als mit dem Testarossa. Talisman deutlich steifer du weniger flexibel. Talisman ist meiner Sicht ein gute Mischung aus Miura VS und Testarossa. Die Sohle ist steif genug um ohne schnellen Ermüdung auf kleinen Tritten zu stehen und dennoch flexibel genug, um mit dem Fuß graben zu können. Die Sensibilität ist auch zwischen den beiden La Sportiva Modellen anzusiedeln. In jedem Fall ist Talisman nicht so sensibel wie Testarossa und kommt auch nicht an das Feingefühl des Anasazis ran. Die Rückmeldung des Schuhs ist jedoch da und absolut ausreichend.

Die wirklich gut gelungene Ferse, einzig das schwarze Gummi an der Seite ist glatt

Das Hooken funktioniert durch den guten Sitz der Ferse auch gut, definitiv besser als beim Testarossa mit seiner bulligen und dünn/leicht gummierten Ferse. Die Toe-Hooks halten ähnlich gut/schlecht wie bei anderen Schuhen dieser Konstruktion (Mago, Samurai, Testarossa, Diamant), es liegt an der Schnürung und Gummierung der Zehenkappe – diese Schuhe sind aber auch nicht vorrangig dafür konzipiert worden.

Insgesamt würde ich die Performance als rundum gut einstufen. Leider fehlt noch einiges bis zu Perfektion, die ich für diesen Preis einfach voraussetze, im Bereich der Performance.

Haltbarkeit

Über Haltbarkeit kann ich leider nur Mutmaßen. Da sie zu großen Teilen von der Gummimischung, Konstruktion, Verarbeitung und eigenen Klettergewohnheiten abhängt. Für knapp 150 EUR erwarte ich überdurchschnittlich lange Lebensdauer, da aus meiner Erfahrung eine Wiederbesohlung, selbst wenn sie vom Hersteller (Boldrini bietet diese für 30 EUR inc. Versand an) vorgenommen wird, zur Folge, dass der Kletterschuh an Kantenstabilität und Gefühl verliert. (Siehe Scarpa Stix). Bis jetzt habe ich noch nichts von ungewöhnlich schnellen Verschleiß von Boldrini Kletterschuhen gehört, sa dass ich mit einer normalen (6Monate-1Jahr) Lebensdauer rechne.

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Da Boldrini Apache Talisman auf Grund seiner Konstruktion etwas vielseitiger ist, als Testarossa oder Mago, kann ich behaupten, dass dieser Kletterschuh bei passender Größenwahl genügend Stabilität und Grip hat, um selbst in Kochel zu bestehen.

Boldrini – nichts für schmale Geldbeutel und die Halle

Fränkische und andere Klettereien (Malle, Süd Frankreich, Massone etc.) im steilen Fels und positiveren Tritten dürften dem Talisman noch mehr liegen. Für Plastik würde ich diesen Super-teueren Schuh weder selbst Verwenden noch anderen empfehlen. Besandete Wände fressen jede noch so haltbare Sohle auf, dafür ist Boldrini einfach zu schade.

Fazit

Der Trumpf dieses Designer Kletterschuhs liegt ganz klar in Passform und Komfort. Die Performance ist zwar gegeben und auch gut, kommt aber an Top Modelle anderer Hersteller nicht ganz ran. Beachtet man, dass die neuen Scarpa und La Sportiva Modelle im High-End Bereich sehr bequem und komfortabel bei besserer Leistung sind, so fällt es mir schwer Argumente für Boldrini Apache zu finden. Wer allerdings ortopädische Probleme hat oder durch die Fußanatomie keinen passenden Kletterschuh finden kann, sollte auf jeden Fall, die Boldrini Produkte testen. Talisman ist zwar ein guter bis sehr guter Kletterschuh, ich werde dennoch aus Gründen des optischen Geschmacks, der Überzeugung, dass andere mindestens genauso gut sind und des Geldbeutels wegen, bei Scarpa, La Sportiva und Five Ten bleiben.

Weitere Informationen:

Die Homepage von Andrea Boldrini

Größenvergleich der Kletterschuhe

Video vom Apache Test (eng)

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