Boreal Kintaro

Kletterschuhe  Boreal Kintaro  im Kurzcheck

auffällig grün

Boreal und meine Füße waren von Anfang an keine richtigen Freunde. Aus welchen Gründen auch immer hat sich mein Fuß in diversen Modellen nicht wohl gefühlt. Das ist auch der Grund warum auf dieser Seite sowenig über Boreal berichtet wird. Erst als ich den Krypto am Fuß hatte, merkte ich, dass so ein Leder Kletterschuh gewisse Vorteile hat. Auch Boreal Blade und Tribal hinterliessen einen guten Eindruck. Grund genug, um die „neue Generation“ – den Kintaro zu testen.

Optik, Verarbeitung

Dick, Fett und Bombenfest

Die Optik ist bei Boreal Ehrensache. Es wird nichts von anderen abgepinselt, nichts langweilig und altbacken gestaltet. Sehr lobenswert. Immer erkennt man den Anspruch auf eigenständige Kreationen und modernen Look. Kintaro als übernatürliches Wesen aus japanischen Märchenwelt ist hier keine Ausnahme. Grün wie die Hoffnung, mit etwas Gelb für den Frühling… Ernsthaft: Optik ist ok. Sicher nicht jedermann Sache aber durchaus akzeptabel auch wenn ich die gelben Klettfelder gegen eine andere Farbe getauscht hätte.

Verarbeitung ist genau so lobenswert wie die spanisch-

Gut gemacht – Made in Spain

optische Gestaltung. Hält man den Schuh in der Hand spürt man förmlich die Schuhmacherkunst welche Spanier schon seit Jahrzehnten pflegen. Die Details der Machart sind nicht so fein und makellos wie bei den Italienern. Da geht es in der Produktion etwas fester zu. Aber alles in einem wird nirgendwo geschlampert und schlecht, geklebt, genäht, geschliffen. Alles in einem ist die Verarbeitung sehr solide, robust und vertraunserwekend.

Konstruktion

irgendwie kleinerer Downturn als auf Werbefotos

Als ich die ersten Bilder sah, fiel mir sofort der recht extrem wirkende Downturn des Kintaro auf. „Uau!“, dachte ich: „Endlich ein Boreal mit dem auch im Überhang ordentlich was geht.“. Leider ist der Downturn in der Realität a) nicht so stark ausgeprägt wie auf den Fotos und b) nicht so nachhaltig und unterstützend. Boreal hat sehr viele Features in diesem Schuh eingebaut. Fangen wir bei wichtigstem an – der neuen Gummimischung. Zenith heißt diese chemische Meisterleistung und pappt wirklich wie Uhu. Voraussetzungen: Sauber und aufgeraut muss sie sein. Ich denke die Videos und Bilder von an einander klebenden Schuhen sind bekannt. All das entspricht der Wahrheit, also verschone ich Euch mit meiner Begeisterung zu den Reibungseigenschaften.

V2 Rand saugt die Sohle ins Gewölbe – passt!

Die Sohle ist sicher über 4mm dick und ist von Größe des Schuhs abhängig. Sie ist durchgehend und hat ein Paar Riffelungen im Mittelfußbereich. Die Ferse ist ebenfalls überarbeitet worden. Die neue Form passt sogar besser, obwohl man es optisch nicht für möglich hält. Die Konstruktion ist klassisch und sogt für richtig griffiges Gummi an der richtigen Stelle der Ferse – passt. Der V2 Rand soll die Sohle an das Fußgewölbe heranziehen. Das tut es auch. Auswirkungen auf die Performance – gute Frage! Sehen wir gleich. Der Downturn wird durch den Ausschnitt in der Zwischensohle(?) unter dem großen Onkel und einer Biegung nach unten erzeugt. Leider keine Spur von P3 und TPS Ähnlichkeiten.

Dank dieses Einsatzes, lässt die Ferse sich gut Anziehen und drückt nicht

Der Schaft ist aus Leder und sehr wohl überlegt geschnitten. Ohne Futter, ohne Lorica ohne Gummi auf der vorgeformten Zehenbox. Ganz traditionell. Die Zunge wurde im Vergleich zu früher deutlich gestrafft und gibt jetzt einen guten, komfortablen  Eingang in den kuscheligen Schuh. Etwas übertrieben aber aus meiner Sicht dennoch super finde ich die fetten Klettverschlüße. Ist der vordere noch ganz schmal, so ist der hintere das dickste was die Kletterschuhwelt bis dato kannte. Eins ist sicher Kintaro geht NIE ungewollt auf. Alle sin einem ist sind es viele sinnvolle Neuerungen die aus meiner Sicht fast gelungen sind.

Passform und Größe

So sieht der Schuh gefüllt aus. Vorne in der Spitze ist „Luft“

Gleich vorne weg: Der Leisten ist schmal und kaum asymmetrisch. Genau das was mir immer nicht so passt. Egal. Rein in die Pantoffeln der Größe 42,5 EU und alles zu. Sitzt, drückt und der große Onkel findet dennoch keinen ordentlichen Anschluss vorne an die Sohlenkante. Gut die Enge ist bei Leder ja bekanntlich änderbar aber wie macht man die fehlende Großzehlänge wett?.. Mit einer kleineren Größe. Die ist sicher noch enger und schmerzhafter, also ran an die Wand und erst mal klettern. Fakt bleibt. Hast Du schmale Füße normales Fußvolumen und beliebige Zehenformen mit langen Zehen, dann kannst du eine Halbe Größe unterhalb deiner Strassenschuhgröße kaufen und ziemlich sicher glücklich sein. Hast du breitere Füße und kürzere Zehe, dann eine ganze Nummer kleiner kaufen und ordentlich reinschnitten, sonst hat dieser Schuh keinen Effekt! Da mein Fuß zur Variation II – breit mit kurzem großen Zeh gehört, war die Entscheidung ne halbe Größe kleiner der Strassenschuhgröße zu holen, im Nachhinein nicht die richtige. Aber sei es drum. Der Schuh ist dank Leder komfortabel, von Zeh bis Ferse. Selbst die „schmalfüßigen Griechen“ werden mit diesem Schuh bestens bedient. Leder ist doch was feines, muss man echt sagen. Da lohnt sich das anfängliche Quälen! Der Leisten ist eine eigene Kreation und erinnert an eine Art Mischung zwischen Katana und Cobra/Pyton und hält auf alle Fälle viel Platz zum aufstellen der Zehen – also nur MUT!

Performance – wie klettert sich der Boreal Kintaro?

Reibung ist die Paradedisziplin

Wenn ich ehrlich und subjektiv sein darf – bescheiden. Noch nie wurde ich von einem modernen High-Performance Kletterschuh dermaßen enttäuscht. Keine Kantenstabilität, sich rollende Sohlenkante, unpräzise Spitze, kein klarer Druckpunkt (Kraftbündelung auf einem Punkt), Ziehen im Überhang funktioniert nur an großen Tritten… Sogar die gute Reibung kommt mir schwimmend vor (siehe Video). Aber man muss fair bleiben. Also woran liegt es? Ich schiebe die Misere auf die zu große Größenwahl. Dadurch bekomme ich einfach keine Kraft mit dem Zeh entfaltet. Die Fehlende oder nicht genügend steife Zwischensohlemacht das „microedging“ (wie der Ami sagt) bei solch einer Größe unmöglich. Trotz der ganzen Features empfinde ich keine Kraftübertragung von hinten nach vorne und keine Unterstützung durch den Downturn.

An großen Tritten ziehen ist ok.

Einzig das Gefühl für den Tritt ist etwas da. Aber insgesamt ist das Antreten und Stehen so schwammig wie schon lange nicht mehr. Schade. Auch das Weitergeben an einem Kumpel mit längeren Zehen und schlankeren Fuß hat keinen positiven Eindruck geschaffen. Er klagte über die selben Schwierigkeiten beim Treten und zeigte mir wie sein langer großer Zeh das weiche Randgummi vorne über die Sohlenkante schob. Ich nehme an es handelt sich, um einen Einzelfall denn so namhafte Personen in Spanien wie Dani Andrada und Robert Leistner in Sachsen gehen auf diese Schuh voll ab. Ohne jegliche Einbussen. Leider ergab die Suche nach anderen Meinungen im Web keine Erkenntnisse zu meinem schwammigen Gefühl mit dem Kintaro. Alles in einem kann ich mit ihm schon klettern aber es fühlt sich bereits in leichteren Routen unsicher und funktioniert irgendwann gar nicht mehr.

Neben Reibung eine weitere Paradedisziplin

Das Hooken mit der alten IRS Ferse war nicht sonderlich gefühlvoll, aber die Hooks hielten danke der „Drachengummierung“ bombig. Mit der neuen Ferse ist das Gefühl für den Hook etwas besser geworden, doch wenn ich ehrlich sein soll, habe ich beim belasten des Hooks immer ein Gefühl mein Fuß bewegt sich ein Stück raus aus dem Kletterschuh. Er rutscht nicht raus aber es ist etwas Spiel da, obwohl der Kintaro fest verschlossen ist. Hmm liegt es wieder an der falschen Größe oder an der zu tief geschnittenen Ferse? Schwierig. Ansonsten halten die Hooks schon ganz ordentlich, denn da spielt Zenith seine Stärken aus.

Das sind die Spuren des ersten Toe-Hooks – Gummi muss her!

Das Gummi an der Ferse würde ich mir auf der Zehenbox wünschen, denn die Toe-Hooks sind für solch einen modernen Boulder- und Sportkletterschuh doch Pflicht! Kintaro ist da leider nicht ganz so gut wie mit der Ferse. Sehr Schade finde ich das, denn sonst kann man die Zehen gut anheben. Aber Boreal entwickelt ja anscheinend ein neuen Boulderschuh, denn ich Mutant2 betitelt habe. Dem Kintaro nutzt das im Jahre 2012 recht wenig. Aber auch das Toe-Hooken geht schon irgendwie. Vergleicht man das aber mit Solution, Python, Speedster, oder Instinct S dann ist es nicht wirklich wettbewerbsfähig.

Schade, dass ich sowenig positives berichten kann, aber es spiegelt meine Erfahrungen.

Haltbarkeit

Die Sohle verschleißt langsamer als gedacht

Da ich mit dem Kintaro nicht richtig Freund wurde, hielten sich seine Einsätze am Plastik und Fels stark in Grenzen. Das was ich nach einigen Wandkontakten an der Spitze entdecken konnte, hat mich jedoch verblüfft, denn der Abrieb tendierte gegen Null. Das ist zwar erstaunlich aber sehr positiv, wenn man bedenkt, dass andere weiche Gummierungen deutlich schneller ihre Kante verlieren und schwinden. Da mir die langfristige Erfahrung fällt, möchte ich an dieser Stelle keinen Urteil fällen. Vom Eindruck her hält der Schuh lange. Was soll da schnell kaputt gehen? Die 5mm Sohle, die fetten Velcros, das gute Leder? Ich denke, wenn man mit dem Schuh glücklich ist, dann kann man ihn gut und gerne 2 mal wiederbesohlen, ohne irgendwelche Nähte flicken zu müssen.

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

große Leisten gehen bei mir ganz gut….

Je steiler und grobtrittiger das Gelände desto besser für den Kintaro – so meine subjektive Einschätzung. Da wo es auf Reibung in allen möglichen Gesteinsarten ankommt kann dieser Kletterschuh mit den Reibungseigenschaften der Zenith Sohle punkten. Ist er nicht zu groß gehen Leisten sicher auch ganz gut. Löcher in der Fränkischen könnten etwas zu klein für die breite Spitze sein. Plastik geht immer, da braucht man kein Kleber im Gummi, denn die Tritte sind meist groß genug. Alles in einem kein Schuh für Kochel und harte Gesteinsorten mit kleinsten Tritten. Aber unter dem Limit kann man mit ihm überall klettern – tolle Bewertung ich weiß…

Fazit

Trotz dicker Sohle ist Kintaro fast sensibel

Mit dem Kintaro bekommt man einen komfortablen und reibungsstarken Kletterschuh mit einer guten, anpassbaren Passform und guten Hook Eigenschaften. Wer einen Ersatz für sein Solution, Dragon oder Instinct sucht, der sollte ordentlich klein kaufen und gut vor dem kauf testen. Insgesamt könnte man an dem Schuh einige Sachen noch verbessern/verändern oder ihn bei allgemeinem Gefallen einfach so lassen. Das werden dann Verkaufszahlen in Zukunft zeigen, ob dieser Kletterschuh ein Kult in Europa wird.

Solltet Ihr andere Erfahrungen gesammelt haben, dann einfach Kommentare schreiben. Kann doch nicht sein, das Kintaro so bescheiden performt?!

Weiter Informationen:

Ein Paar Vergleichsbilder die evtl. mehr Aussagen als meine Ausführungen

Die Zunge ist sichtbar verbessert worden

Früher hat man gesagt Blade hätte eine runde Spitze…

Kintaro ist wie ein Schlauch irgendwie

Kintaro 42,5 – Blade 43 Kintaro wirkt länger

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