Edelrid Hurricane

Kletterschuhe Edelrid Hurricane im kurz Test

Kletterschuhe Made in Germany I

Die Vorgeschichte

Made in Germany ist ein tolles Slogan! Da heute nicht allzu viele Hersteller sich damit brüsten können ihre Produkte in Deutschland herzustellen empfinde ich ihn sogar als ein Titel, gar eine Auszeichnung. Mein ersten Kontakt mit dem Edelrid hatte ich in Form eines Kletterseils neuerer Generation, fortan war ich begeistert von der Qualität, dem Handling und Haltbarkeit der Edelrid Produkte. Spitzenmäßig fand ich den Erfindungsgeist und Offenheit für neue Ideen, die diese deutsche Firma in zu Rucksäcken kompatiblen Klettergurten, auf den Bouldermatten aufgenähten Teppichen in Form des Firmen Logos usw. zeigt. Was mir bei Edelrid schon immer missfiel, war der doch ziemlich „stumpfe“ Design von Schlingen und Gurten. Mit der Konkurrenz von Petzl und BlackDiamond kann Edelrid aus meiner bescheidenen Sicht da leider nicht mithalten.

Misstrauisch war ich auch, als ich mitbekommen hatte, dass Edelrid den Markt der Kletterschuhe aufmischen möchte. Die Modelle ähnelten doch ziemlich den bekannten europäischen Herstellern, was mich von geringen eigenen Entwicklung ausgehen ließ.

Endlich bekam ich ein Paar Edelried Kletterschuhe in die Finger und konnte mir Eindruck von dem Kletterschuhmarktneuling verschaffen. Hier das Ergebnis in einem kuren Bericht zusammengefasst.

Optik, Verarbeitung

Das auffallende Grün ist das Markenzeichen der Firma Edelrid aus Allgäu. Es findest sich in allen Produkten regelmäßig wieder. Kletterschuhe stellen hier keine Ausnahme dar. Auch der Hurricane ist in grünen Tönen gehalten und wird von Gummi-Schwarz untermalt/umrandet. Das viele Gummi an der Ferse und die auffällige Farbe sprechen mich persönlich an und hinterlassen einen dynamischen und modernen Eindruck bei der doch recht neutralen Optik des Hurricanes.

Die Verarbeitung ist für mich eine Riesenüberraschung! Niemals habe ich erwartet, dass Edelried bei seiner Kletterschuh-Premiere einen derart perfekt gearbeitetes Produkt rausbringt. Ich möchte wirklich gerne wissen, wo Edelrid die Kletterschuhe fertigt, um den Machern ein dickes Lob auszusprechen. Das wie der Hurricane gemacht ist entspricht voll und ganz dem, was man von der Qualität Made in Germany erwartet. Der Schuh sieht aus, als wäre er aus einem Guss – nirgendwo sind Klebespuren an den Übergängen zu sehen. Die Details (Schnürrung, Gummi-Logos und Anziehschlaufen) sehen aus, als ob Edelrid noch nie was anderes getan hat, als Kletterschuhe zu produzieren. Auch die XSGrip Sohle ist tadellos geklebt und geschliffen, was auf beste Performance hoffen lässt.

Insgesamt volle Punktzahl für diese Kategorie auch ohne den Anfänger Bonus.

Konstruktion

Der Edelried Hurricane ist klassisch konstruiert. Durchgehende XSGrip Sohle ganz minimale Vorspannung im Fußgewölbe, kein Downturn. Ein sehr gut funktionierendes Speed-Lace-System sorgt für ein wirklich schnelles an und ausziehen. Die Ferse ist dabei nicht ganz so klassisch, denn sie ist voll gummiert und erinnert bei allen Edelried Kletterschuhen an Solution.

Der Schuh ist aus Lorica gefertigt was Vor- und Nachteile mit sich bringt, aber dazu gleich mehr. Die Anziehschlaufen sind genau richtig positioniert, so dass man ohne Probleme beide Finger ohne Gefummel schnell reinbekommt und den Fuß ohne Schmerzen an den Ringbändern anziehen kann.

Der Leisten ist aus meiner Mischung ein modifizierter Miura Nachahmung. Hurricane ist dabei etwas breiter und nicht ganz so asymmetrisch wie das vermeintliche Vorbild. Die Form der Leisten ist sicher nicht einzigartig aber auch keine einfache Kopie.

Also etwas gerade, flach mit geräumigen Zehenbox und sehr guten Ferse die mich von der Form und dem Volumen ebenfalls an Miura erinnert.

An sich nichts besonderes, vereint der Hurricane aber in seiner Konstruktion viele Vorzüge bestehender Modelle und stellt damit eine gelungene Fusion dar.

Passform und Größe

In der Schuhgröße 43 EU fand ich diesen Schnürer zwar sehr bequem und gut anliegend sitzend, mochte jedoch die Stabilität der Sohle nicht, denn die verritt mir dass ich in dieser Größe keine Mega Unterstützung und Steifigkeit  erfahren könnte. Gleichzeitig war die 43 auch nicht so komfortabel, um mit dem Hurrikan sofort in eine MSL-Route einzusteigen zu können. Daher dachte ich: „Ganz oder gar nicht“ und steckte mein Fuß in die 42,5 EU und fand diese Größe für diesen Kletterschuh passender. Der Schuh saß eng am Fuß und drückte komischer Weise nur ein wenig. Verantwortlich dafür ist Lorica Material aus dem der Schuh gefertigt ist. Sie sorgt für einen eng anliegenden aber bequemen Sitz und dehnt sich nicht aus. Als Nachteil kann ich aus meiner Erfahrung anmerken, dass die Schuhe aus Lorica zu Beginn zwar super bequem erscheinen und an Socken erinnern, bei einem längerem Tragen (so 15-25min) große Schmerzen am gesamten Fuß verursacht. Beim Leder verhält es sich anders. Leder ist am Anfang bei weitem nicht so bequem, dafür lässt es sich später in eingetragenen Leder Kletterschuhen deutlich länger ohne Schmerzen aushalten.

Die Steifigkeit bei der 42,5 EU war jedenfalls da und die Ferse saß ebenfalls ziemlich gut. Im Prinzip passt mir diese Größe somit perfekt. Einziger Wermutstropfen: der Schuh zeiht im Bereich des Knöchels relativ weit nach oben und drückte bei mir unangenehm außen auf den Knöchel. Das konnte in auf dieser Art und Weise selbst beim recht hohen Team nicht beobachten. Ob sich das Problem mit der Zeit legt, weiß ich nicht. Die Erfahrung sagt, dass man mit Druck, Schweiß und Hitze alles einwenig anpassen kann.

Zum Puncto Komfort und Lorica sei gesagt, dass meines Erachtens alle Edelried Kletterschuhe aus ziemlich dicker Loricaschicht bestehen. Dadurch geben die Schuhe nicht so gut nach wie die Scarpa  Mago und La Sportiva Speedster. Das heißt ganz so Socken ähnlich passen die Edelried Kletterschuhe trotz Loricas im Vergleich zu Andrea Boldrini doch nicht. Trotzdem ist die Passform sehr gut und von Beginn an komfortabel genug, um nicht leiden zu müssen.

Der Leisten erinnert mich an eine Kombination aus Miura und Vapor V im Zehenbereich. Er ist nicht zu weit geschnitten und bietet trotz der moderat aufgestellte Zehen genügend Platz für meinem quadratischen Fuß.

Die Ferse ist wirklich Top. Erinnert mich ganz stark an meine geliebte Miura- und nicht minder geile Solutionferse und weist eine wirklich super gut verarbeitete und griffige Vollgummierung auf.

Der Edelried Hurrikan ist also schnell und problemlos am Fuß, sehr schnell und bombenfest verschnürt und drückt bei mir eigentlich nur am Knöchel. Alles in einem sehr gelungene Passform.

Performance – wie klettert sich der Edelried Hurrikane

Die steife Sohle bietet gute Unterstützung auf kleineren Tritten. Von der Präzision her ist Hurricane sicher nicht mit Anasazi Blanco vergleichbar, trifft aber die Tritte gut und sicher. Die Sensibilität ist etwas kritisch, es fühlt sich im Neuzustand fast so an wie ein Miura Lace – also eher stumpf. Da kann Edelried noch einwenig tüfteln.

Was ich persönlich vermisse ist etwas Downturn oder ein ähnliches System wie P3 oder TPS, um die Zehenkraft zu verstärken und zu kanalisieren. Es hat sich beim Antreten so angefühlt, als würde Hurricane die Kraft des Fußes nicht zu 100% übertragen. Ist aber nur ein kurzer subjektiver Eindruck. Ich müsste den Hurricane etwas länger klettern, um das objektiver beschreiben zu können. Im Überhang ist er nichts für mich, da er kein Downturn hat, aber da gibt es Raven für.

Hooken

Dank der Vollgummierung und eines wirklich guten fast luftleeren Sitzes ist das Hooken einwandfrei. Das einzige was ich anmerken kann, ist die mangelnde Sensibilität der recht dick gummierten Ferse, aber daran gewöhnt man sich. Die Toe-Hooks verhalten sich ähnlich wie bei den anderen Lace Modellen. Da gibt es Kletterschuhe die dafür konzipiert wurden und es auch besser können.

Haltbarkeit

Betrachtet man die Stärke/Dimension der gewählten Materialen (Lorca, Gummi etc.) so mache ich mir keinerlei Sorgen darüber, dass ich jemals Löcher im Obermaterial oder eine abgelöste Fersengummierung bekommen könnte. Die Eigenschaften der XSGrip Sohlen sind bekannt. Griffig und ganz gut haltbar – das dürfte bei diesem Edelried Kletterschuh nicht anders sein. Ich gebe ihm mindestens ein halbes Jahr in der Halle, was bei besandeten Wänden sicher ein guter Wert ist. Wie bei Five Ten gilt auch bei Edelrid solide, schwere Verarbeitung bedeutet ein langes Leben. Made in Germany(???) eben… Ich bin zuversichtlich.

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Hurrikan ist gut für senkrechte Wände und Platten auch an großen Griffen in der Halle dürfte er sich sehr wohl fühlen. Die Empfehlung für den Fels kann ich erst aussprechen, wenn ich diesen Kletterschuh ausgiebig getestet habe.

Ich schätze nach etwas eintragen und einer vernünftigen Größenwahl ist Hurricane ein solider Begleiter im alpinem Gelände und auch eine gute Adresse in Voralpen Klettergärten bis zum 8ten Grad. Dank der Passform bekommen die vom Klettervirus befallenen, ambitionierte Anfänger einen wirklich guten, bequemen Kletterschuh mir Kapazität für Niveausteigerung des Kletterkönnens.

Fazit

Mit Hurricane hat Edelrid einen Schuh geschaffen, der eine wirklich gute Passform und Komfort bei einer ordentlichen Portion Performance hat. Nicht zu verachten ist der Preis. Für regulär 90 EUR ist Hurricane ein richtiges Schnäppchen, denn die Qualität ist aus meiner Sicht volle 109 EUR wert. Eine wirklich bemerkenswerte Leistung für eine Prämiere als Kletterschuhhersteller. Ich persönlich würde mir dünneres Lorca und dünneres Zehengummi wünschen, um die Passform und Komfort zu steigern. Ein etwas tiefer geschnittenes Hinterteil wäre auch ein guter Punkt, um diesen gelungenen Leisten weiter zu verbessern. Wenn Edelrid sich auch noch die Mühe macht hinter das Geheimnis des Five Ten Trittgefühls zu kommen, dann wird der deutsche Kletterschuh bei mir hoch im Kurs stehen.

Weitere Informationen:

Testbericht Edelrid Kletterschuhe „routealpin“

Größenvergleich der Kletterschuhe

Fußform und Passform

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2 Antworten zu Edelrid Hurricane

  1. Alex schreibt:

    Hallo,
    bin Anfänger und habe mir den Schuh bestellt. Ich muss sagen habe in der Halle bisher immer 43 er genommen und daher auch diesen Schuh in dieser Gr. gekauft. Ich muss sagen meine Zehen waren noch nie so aufgestellt in der Zehenbox. Auf der Edelrid HP wird in der Tabelle geschrieben Gr43/9=280mm Fußlänge ich habe 273 un dachte schon er ist zu groß. Nun muß ich ihn mal in der Halle probieren wenn es zu arg ist muss ich ihn gegen 43 1/2 oder 44 tauschen, da ich ihn als sehr eng empfinde an den Zehen.

    • kletterschuhtest schreibt:

      hallo,
      danke für die info!

      da er nicht aus leder ist, kannst ein großes nachgeben des stoffs vergessen. Wenn er weh tut, umtauschen. Aber nach 10 min ist es normal, das die füße schmerzen… also immer ausziehen!
      viel erfolg

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