Edelrid Raven

Ein scheidender 3te Liga Star

Sieht schon schneidig aus

Sieht schon schneidig aus

Raven kam mit der esten Edelrid Kletterschuh Kollektion raus. Er war neu, grün und sah extrem aggressiv aus. Der erste Eindruck weckte die Erinnerungen an das damalige Maß aller Dinge den Solution. Steile Form, viel Gummi, ein ähnlicher Verschluss. Alles war da, was das Kletterherz 9a Bereich begehrt hätte. Raven tauchte nur ganz selten an den Füßen der Kletterbevölkerung auf. Gesehen habe ich ihn lediglich in seiner Heimat – dem Allgäu. Am Anfang verstand ich diese Tatsache nicht bis ich ihn mal in Arco anprobiert hatte. Hui, das ist ja ein Moped dachte ich mir damals. Längere Zeit später habe ich ihn mir noch mal genau angesehen.

Optik und Verarbeitung

Vorspannung, Downturn - eigentlich alles da

Vorspannung, Downturn – eigentlich alles da

Raven ist, wie alle Edelrid Kletterschuh, sehr auffällig durch seine Farbe. Dieses giftige Grün finde ich überhaupt nicht schlecht, irgendwie frisch und mit einem hohen Wiederkennungswert  versehen, haben es alle Edelrid Designs in mein Herz geschafft. Raven ist keine Ausnahme. Die eine oder andere Farbe (Gelb, Orange, Rot usw.) im Gummigeflecht wäre nett gewesen, aber es geht auch so, gänzlich in Schwarz. Wem die Optik nicht gefällt, der steht wohl mehr auf Wärmeres, Entspannteres – jedem seins.

So viel Gummi wie bei keinem anderem Kletterschuh den ich kenne

So viel Gummi wie bei keinem anderem Kletterschuh den ich kenne

Der Herstellungsort der Edelrid Kletterschuhe ist für mich immer noch ein Rätsel. Irgendwo zwischen Tschechien und Kroatien werden die Kletterschuhe hergestellt. Das aber sehr qualitativ hochwertig und hoch professionell. Am Anfang hielt ich sogar den Vergleich zu La Sportiva für angemessen. Beim zweiten Hinsehen, ergeben sich dann aber doch ein Paar Unterschiede, welche sich aber im Nano Bereich abspielen und nur in meiner Welt ausschlaggebend sind. Ansonsten ist alles top gemacht bei Edelrid Patschen. Keine unsauberen Übergänge zwischen Materialien, guter Sohlenschliff  alles in einem Picobello.

Konstruktion

Die Verarbeitung ist fast das Einzige positive

Die Verarbeitung ist fast das Einzige positive

Edelrid Raven ist ein Kletterschuh welches sich an den ganz Großen des Geschäfts orientiert hat. Und das heißt: Halbsohlenkonstruktion und voll gummiete Ferse. Ein Slipper mit einem „ausgeklügelten“ Verschlusssystem. Modular versteht sich. Nicht falsch verstehen – Edelrid ist wirklich innovativ aber dieses Verschlusssystem hat sich bei mir in der Praxis nicht bewährt. Das Randgummi ist hochgezogen, durchlöchert und bildet ein Tos-Hook Patch auf der Oberseite der eher flachen Zehenbox. Das Obermaterial ist aus Kunstleder, welches für mein Geschmack und im Vergleich zu anderen Modellen sehr dick ist. Dies hat leider direkte Auswirkungen auf das Komfort. Die Sohle ist eine Halbsohle aus XS Grip – was an sich eine super Sache ist. Die Ferse ist relativ schmal und voll gummiert. Zum Teil auch mit XSGrip zum Teil mit dem selben Gummi, aus welchem das Randgummi besteht. Das Slipper typische Gummiband geht nicht so weit runter zu den Zehen was eine Konsequenz für einen entspannten und schnellen Einstieg hat.

Zick-Zack Verschluss, vor allem eins: unzerstörbar

Zick-Zack Verschluss, vor allem eins: unzerstörbar

Das Verschlußsystem basiert auf zwei seitlich neben dem Gummiband angebrachten verkleideten, Flexi-Stäben (schwierig zu beschreiben). Auf diesen kann man die massiven Alu-Schnallen hin und her verschieben (und sogar abnehmen), was eine absolut frei anpassbare Zugausübung des Gurtbands ermöglicht. In der Realität gestaltet sich alles etwas schwierig: die Schnallen gleiten nicht richtig (da droht tatsächlich fast ein Fingerbruch), es ist schwer eine Postion zu finden, welche die optimalen Zugkräfte zulässt und die eckigen Schnallen drücken auf den Rist, wenn der Raven richtig stramm am Fuß festgemacht wird. Eine Klasse Idee, die auch funktioniert, nur finde ich gibt es funktionalere Systeme. Die Asymmetrie ist hoch. Raven ist eine richtige Banane. Er erinnert mich etwas an Dragon von Five Ten. Die Form wurde evtl. an diesem Klassiker angelehnt. Das grüne Fersenspanngummi endet in der Mitte des  Längsgewölbes und bildet keine wesentliche Unterstützung für die Muskulatur wie es bei Solution oder Testarossa der Fall ist. Mein Gesamteindruck: vieles richtig nachgemacht, nur leider ohne die entsprechende Funktion.

Passform und Größe

schmal und ägyptisch

schmal und ägyptisch

Die Passform des Raven ist wie gesagt hoch asymmetrisch und schmal. Er ist definitiv etwas für ägyptische Zehentypen und schmale Füße. Mein breiter germanischer Fuß hat sich da von vorne herein nicht wohl gefühlt. Es ist vom Vorteil, wenn man bei diesem Kletterschuh einen längeren großen Zeh mitbringt, dann könnte es besser passen als es bei mir der Fall war. Leider sitzt die Ferse nicht luftfrei bei mir. Auch da ein Paar kleine Verbesserungen und sie wäre der legendären Dragon Ferse ebenbürtig. Im Spannbereich ist nicht wahnsinnig viel Platz, Ich tat mich sehr schwer beim Anziehen und fühlte mich im Schuh nicht so wohl. Debütant halt.

Die Größe ist noch einfacher zu charakterisieren: Nimm deine Strassenschuhgröße und geh bloß nicht runter, sondern nur rauf. Das heißt in meinem Fall hatte ich eine 43 in die ich gerade so reingekommen bin. Es kann schon sein, das man mit schmalen Füßen in eine kleinere Größe schlüpfen kann. Ich kann es definitiv nicht. Des Weiteren kann ich somit machen was ich will, aber ich krieg durch das Downsizen keine bessere Passform und Kraftübertragung am großen Zeh. Schade, Schade, aber Edelrid Raven fällt bei mir leider in die Kategorie „Kein Kletterschuh für mich“ rein und kommt da aus eigener Kraft auch nie wieder raus.

Performance

XS Grip ist das zweite Positive - leider hier wieder Prägung direkt an der Kante

XS Grip ist das zweite Positive – leider hier wieder Prägung direkt an der Kante

Edelrid Raven wurde selbst in der sehr loyalen Zeitschrift „Klettern“ als ein Kletterschuh den die Welt nicht braucht charakterisiert. Meine praktische Erfahrungen belaufen sich auf eine kleine Bouldersession, um sich den Eindruck davon machen zu können wie er sich den klettert. An sich ist das Teil beim Steigen maximal ok. Ich vermisse jegliche Präzision und Stabilität der Kante an der Schuhspitze. Der Downturn hilft natürlich beim Aufbauen der Kraft auf dem Tritt. Nur leider fällt dem jegliche Stabilität sowohl an der Spitze, als auch im weiteren Verlauf der Sohle. Da die Sohle eher steiferen Charakter hat, ist der Raven im Überhang ebenfalls eher suboptimal. Ein Greifen mit den Zehen ist so nicht möglich. Natürlich kann mein Eindruck auf der Kombination aus zu kleinen Größe und einer nicht optimal passenden Form, aber das was sich Performance Kletterschuh nennen will, muss schon etwas mehr bringen als das. Treten ist insgesamt sehr schwammig für solch einen ungewohnt harten Slipper.

Sieht leider besser aus als sie hookt

Sieht leider besser aus als sie hookt

Beim Hooken wirkt sich die Ferse nicht so hammermäßig aus wie sie aussieht. Das Gummi an der Seite ist beim Belasten der Hooks doch nicht so griffig wie man am Anfang denkt. Die Form ist zwar ganz gut und unterstützt das Platzieren der Hooks gut, aber sobald man an das Belasten geht, kommt das schwammige Gefühl wieder durch. Ich weiß nicht woran das liegt, aber der Fuß bewegt sich im Kletterschuh bei der Belastung auf die Ferse, was das Feeling nicht unbedingt geiler macht, wenn man mit 60 % des Körpergewichts drin hängt. Nutzt man den Raven ohne den Verschluss als einen reinen Slipper ist dieser negativer Effekt noch stärker. Toe-Hooken funktioniert gut, da durch den (in meinem Fall) lang liegenden großen Zeh die Hooks gut umklammert werden können. Der Schuh ist etwas unflexibel durch das dicke Material, wäre dieses dünner könnte man noch besser Toe-Hooken. Insgesamt würde ich der Performance in Schulnoten eine 3,7 geben. Absolut „objektiv“ natürlich.

Fazit

Aussterbender Plastikfutter

Aussterbender Plastikfutter

Edelrid Raven war ein Erstlingswerk und geht aus der Fertigung. Das heißt er wird billiger verkauft, bis die Bestände ausverkauft sind. Danach gibt es ihn so nicht mehr. Das ist nicht schlimm, denn er konnte in meiner Welt mich weder überzeugen, noch der etablierten Konkurrenz irgendwie das Wasser reichen. Das Edelrid bei der Entwicklung nicht auf der stelle tritt sieht man am Cyclone, in dem viele Dinge weiter gedacht wurden und zum Teil aus verbessert worden sind. Zum Kaputt Klettern am Plastik für weniger Geld ist Raven absolut ausreichend und vor allem allen schmalfüßigen Ägypter Typen zu empfehlen. High Performance ist anders – dennoch weiter machen Edelrid!

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[vimeo 48095891]

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