Edelrid Typhoon vs. Typhoon Lace

Kletterschuhe Edelrid Typhoon und Typhoon Lace im Vergleich.

Typhoon Lace

Direkter Vergleich?

Edelrid Typhoon ist schon länger auf dem Markt. 2013 ist Typhoon Lace dazu gekommen und nun ist es an der Zeit gewesen diese beiden Schuhe mal gegenüber zu stellen, um zu erfahren was sie voneinander unterscheidet. Steifer, weicher oder sensibler? Es muss doch einen weiteren Unterschied zwischen diesen beiden Kletterschuhen geben, als nur den Verschluss?

Unterschied in der Optik?

Unterschied – Optik?

Ist die Passform anders, gibt es neue Features? All diese Fragen wollte ich für mich beantwortet wissen. Nun habe ich die Gewissheit und kann die wie immer subjektiven Angaben und Fakten hier teilen. Eins vorab: Typhoon Modelle sind mit die besten Edelrid Kletterschuhe der Vergangenheit und der Gegenwart.

Optik und Verarbeitung

Viele Unterschiede gibt es nicht ...

Viele Unterschiede gibt es nicht …

Die Optik ist so wie sie immer war. Ich finde die Konsequenz bei der optischen Gestaltung ja wirklich toll aber etwas Abwechslung könnte irgendwann mal nicht schaden. Die immer wieder kehrende Kombination aus Grün und Schwarz könnte irgendwann auch langweilig werden. Farbe ist aber nicht alles. Die Aufteilung und die Gestaltung der Details sprechen immer wieder, Modell für Modell weiterhin für die Leistung der Design Abteilung aus Isny.

... Der Einstieg ist etwas "kleiner" geworden

… Der Einstieg ist etwas „kleiner“ geworden

Optisch unterscheiden sich die beiden Typhoons jedoch deutlich von einander. Während der Lace mit einem „Karbonstreifen“ als Schnürungsschiene auftrumpft, ist der Velcro eher durch feine Streifen auf den Klettverschlüssen zu erkennen. Ansonsten wie gesagt alles Grün-Schwarz. Nun weiß ich, dass Edelrid in Tschechien produziert. Respekt und Anerkennung. Die Verarbeitung ist nämlich erste Sahne. Jede Naht, jede Verklebung und der Kantenschliff – alles ist sehr vorbildlich.

Im Detail ist die Verarbeitung TOP

Im Detail ist die Verarbeitung TOP

Diese Fabrik hat es drauf, keine Frage. Ob Lowa dort auch ihre Kletterschuhe machen lässt? Ganz egal Edelrid hat einen sehr guten Produzenten und die Tatsache das die Produktion der Kletterschuhe nicht in die Übersee verlagert wird spricht für mich ganz klar für den deutschen Hersteller aus Allgäu. Die Typhoon an sich sind nicht die komplexesten Kletterschuhe der Welt, die Verarbeitung und die Qualität sprechen dennoch für diese Modelle.

Konstruktion

Wer ist Wer?

Wer ist Wer?

Auch hier ist das System leicht erklärt. Durchgehende Sohle bei beiden Kletterschuhen sorgt für Unterstützung beim Treten. Das Gummi (leider) aus hauseigener Mischung E-Grip ist 3,5 mm stark und weist makellose Kanten auf. Die Fersen mit der Komplettgummierung sind von der Form her ähnlich. Nur hat das Velcro Modell eine etwas keilförmigere Außenseite der Ferse, die Form der Typoon Lace dagegen ist eher abgerundet.

... Beide sind von unten gleich

… Beide sind von unten gleich

Die Materialmischung aus Microfaser im Bereich der Zehenbox und Leder im hinteren Teil der Kletterschuhe ist bei beiden Modellen gleich. Das Ganze ist mittlerweile ein bewährtes Konstrukt, welches für Formstabilität und Komfort sorgt.. Die Verschlüße unterscheiden sich ganz klar. Die entgegengesetzt angebrachten Velcros sind etwas asymmetrisch ausgerichtet und bieten breitere Flauschbandflächen, um den Kletterschuh in verschiedene Richtungen festziehen zu können.

Schnürung - ein Wechsel aus Schlaufe und Loche

Im Wechsel  Schlaufe/Loch

Die Schnürung ist dagegen symmetrisch und stellt eine Kombination  aus Loch- und Speedschnürung. Mit zwei bis drei Zügen bekommt man den gesamten Kletterschuh straff gezogen, ohne das die Schnürsenkel sich wieder lockern. Die breiten und angenehmen Anziehschlaufen sind nach Innen genäht, was den Komfort im Schuh nicht stört. Die Vorspannung hält sich im angenehmen Bereich. Downturn fehlt bei beiden Kletterschuhen gänzlich. Schade eigentlich, denn mittlerweile gehört es für mich zu einem Allround-Performance Modell schlicht weg dazu, um die Kraftübertragung zu gewährleisten.

Funktioniert leider nicht so perfekt

Funktioniert leider n. perfekt

Die Zunge des Typhoon Lace ist deutlich mehr gepolstert als beim Velcro, was den Druck der Schnürung sehr gut verteilt und für den Fuß kaum wahrnehmbar macht. Beide Modelle besitzen keine richtige Toe-Hook Gummierung, sondern haben ein recht wuchtiges Randgummi, welches den großen Zeh von oben bedeckt und deshalb als ein Patch interpretiert werden kann. Insgesamt ist die Konstruktion der beiden nichts weltbewegendes und bietet im Vergleich zum Mainstreamkletterschuh Hurricane keine erwähnenswerten Features.

Passform und Größe der Typhoon Modelle

Hier noch im Vergleich mit Raven

Hier noch im Vergleich mit Raven

Die Passform ist weitestgehend gleich und ist eine Mischung zwischen Miura VS und Scarpa Vapor V. Der Typhoon Velcro ist nach meine Bewertung ein kleines bisschen schmaler als der Lace. Durch die erwähnte Ähnlichkeit mit den erfolgreichen Modellen haben beide Kletterschuhe eine gute Passform für ein breites Spektrum an Fußformen. Für schmale Füße mit wenig Volumen sind beide eher weniger geeignet. Auch extreme Ausprägungen einer griechischen Form könnten hier Probleme bekommen, zumal das Kunstleder in der Zehenbox sich wenig dehnt und somit wenig Anpassung erlaubt.

ist wie gesagt "etwas" breiter

ist wie gesagt „etwas“ breiter

Ansonsten ist der Komfort in beiden sehr groß. Sie verdienen die Bezeichnung geschmeidig alle mal und drücken an keiner Stelle extrem stark. Meinem Fuß passt der etwas breitere Lace besser, obgleich Typhoon an sich auch nicht schlecht sitzt. Sehr positiv finde ich die Passform der Ferse, welche sehr durchdacht geformt ist und nur ganz wenige Lufträume im gummieingeschlossenen Hinterteil aufweist. Die Ferse ist so ein kritischer Punkt bei vielen ansonsten gut gelungenen Modellen, das man Edelrid für diese gelungenen Fersen ruhig loben kann. Die Größe ist ein wichtiges Thema auch bei diesen beiden Kletterschuhen.

Banane?

Banane?

Ohne passende Größe geht die Performance in den Keller, da die Konstruktion nichts bietet was die größenbedingte Spannung im Schuh ersetzen kann. In beiden hatte ich die 43 EU probiert und sie kam mir passend vor. Für mehr Leistung hätte ich 42,5 EU oder gar 42 EU nehmen sollen. Aber wozu quälen. Leider sind beide Modelle in der 43 EU nichts für mich, um am eigenen Limit zu arbeiten. Die 42,5 EU wäre somit, etwas Dehnung/Anpassung mit einberechnet, langfristig die bessere Lösung.

Am kleinen Zeh fällt Lace weniger steil ab

Am kleinen Zeh fällt Lace weniger steil ab

Die Ferse passt dennoch und das Einzige was nervt ist das Volumen am Spann des Typhoon Velcro. Beim Lace hat man dieses Problem behoben und die Schnürung passt alles gut an den Fuß an. Das allein wäre schon Grund genug zum Lace zu greifen. Die Empfehlung für sportlichen Sitz (die Anpassung einkalkuliert) ist Straßenschuhgröße – 0,5 EU. Mehr geht sicher auch, wenn es denn sein muss.

Performance wie klettern sich Typhoon Kletterschuhe

Typhoon Ferse

Typhoon Ferse

Beide Modelle gehören zum Besten was Edelrid mit Ausnahme von Cyclone im Performance Schublade zur Verfügung hat. Als ich den Typhoon zum ersten Mal kletterte, war ich überzeugt das dies der beste Edelrid Kletterschuh ist. Nun dann kam Cyclone, welcher den Typhoon beim Bouldern etwas von meinem persönlichen Platz 1 verdrängt hat. Aber als Allrounder ist Typhoon immer noch vorne mit dabei. Den Schnürer unterscheidet vom Velcro im Großen und Ganzen nur die Gestaltung der Zwischensohle.

Lace Ferse

Lace Ferse

Während der Typhoon Velcro nach der etwas härteren Spitze spürbar weicher und flexibler wird, bleibt das Lace Modell durchgehend stabiler. Lediglich unter dem großen Zeh ist die Sohle etwas weicher und sensibler. Typhoon Lace ist dennoch kein „Brett“ im herkömmlichen Sinne. Ich würde Typhoon als eher mittel-weich und Typhoon Lace als mittel von der Härte her einordnen. Für mich persönlich ist Lace somit die bessere Wahl, da er in meiner 80kg + Gewichtskategorie etwas mehr Unterstützung bietet.

Die Unterschiede sind marginal

Die Unterschiede sind marginal

Ich finde auch, dass diesem Schnürmodell eine durchgehende Sohle etwas mehr Biss verliehen hätte. Von der Präzision her finde ich beide Modelle ok. Typhoon ist mit seiner etwas pointierteren Spitze zwar etwas besser in dieser Kategorie, aber wenn man beide mit der internationalen Konkurrenz vergleicht reicht es leider nicht für mehr. Beim Hooken schneiden beide in etwa gleich ab. Da man den Lace deutlich fester am Fuß bekommt ist er in der einen oder anderen Situation sicherlich die bessere Wahl. Leider sind die gegenläufigen Velcros des Typhoon in einem nicht ganz so optimalen Winkel angebracht, so dass ich bei mir keinen richtig satten Sitz hinbekommen habe.

Typhoon Lace VH

Lace Ferse ist evtl. etwas runder, als oben beim Typhoon

Egal in welchem Winkel ich die Verschlüsse anzog und festmachte. Für die Ferse kann man Edelrid nicht oft genug loben. Einfach eine gute Form mit einem fast perfekten Volumen und einer sinnvollen Gummierung. So macht Hooken Spaß –  egal ob drinnen oder draußen! Bei Toe-Hooks schneiden beide ebenfalls gleich ab. Leider hat weder Typhoon noch Lace keine Toe-Hook Gummierung. In der heutigen Zeit ist das fast Pflicht bei Velcros. Die Zeiten in denen solch eine Gummierung Nachteile mit sich brachte sind zum Glück lange vorbei. Warum also zumindest beim Velcro nicht diese Fähigkeit verbessern? Lace hat, bedingt durch die Schnürung ja etwas weniger Platz für solch eine Gummierung. Von der Konstruktion her, wäre die Performance in diesem Bereich sicher gut bis sehr gut.

Empfehlung und Haltbarkeit

ist ETWAS weicher als Lace

ist ETWAS weicher als Lace

Ich persönlich tendiere zum Lace, da die vorliegende Schnürung für mich keinen Nachteil darstellt und die Form sowie die etwas festere Sohle mehr Vorteile bedeuten. Leider sind beide Kletterschuhe nicht mit XSGrip ausgestattet. Warum eigentlich nicht? EGrip ist super ok für die Halle, aber am Fels, bei anspruchsvollen, technischen Tritten wünsch ich mir einfach optimale Reibung. Davon ist EGrip noch weit weg. Der Verschleiß ist im Normbereich, Das Loch kommt zwischen 6 und 8 Monaten.

Hooken ist bei beiden recht gut

Hooken ist bei beiden recht gut

Ich persönlich würde beide Modelle wärmstens für die Halle empfehlen. Gerade Typhoon bekommt man zur Zeit (2013) für 50-80 €, was mehr als ein fairer Preis ist. Bevor ich aber den Lace für den empfohlenen VP kaufe, gebe ich lieber 10 € mehr für einen Scarpa Instinct oder Vapor aus. Man muss ehrlich sein, dort bekommt man mehr Performance. Ansonsten ist die Haltbarkeit sehr ordentlich. Ich glaube zwar nicht, dass beide Modelle mehr als zwei Wiederbesohlungen überleben – viel mehr schaffen aber auch die namhaften Konkurrenten nicht.

Fazit

Einziger möglicher Pro: Schnürsenkelhass

Einziger möglicher Pro: Schnürsenkelhass

Beide Modelle unterscheiden sich in Nuancen. Beiden fehlt eine moderne Zwischensohlenkonstruktion mit Downturn. Eine Toe-Hook Gummierung würde zumindest dem Typhoon Velcro nicht schaden. Vom Leisten und Materialien wünsche ich mir persönlich keine Veränderung. Etwas mehr Performance würde man schon mit einem Vibram Gummi bekommen. Die Ferse sollte unbedingt so gelassen werden. Insgesamt tendiere ich persönlich zum Lace.

Mein persönlicher Favorit unter den beiden

Mein persönlicher Favorit unter den beiden

Bei beiden Modellen bekommt eine Passform die einem Miura VS oder Vapor im nichts nachsteht, was sehr positiv ist. Für die derzeit herrschenden Preise sind beide Modelle ein klasse Deal für die Halle und bei genügend Strom (mit viel Strom kann man auch mit Sandalen hart klettern…) natürlich auch für Draußen. Beide Modelle sind ein Quantensprung im Vergleich zum Raven und sind nicht weit vom Cyclone entfernt. Sie eignen sich perfekt als zweiter, folgender, „professionellerer“ Kletterschuh für Anfänger.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Weitere Informationen:

[vimeo 48174420]

Testbericht Edelrid Typhoon (boulderschoof)

Tesbericht Edelrid Typhoon (alpinfieber)

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