Evolv Geshido

Kletterschuhe  Evolv Geshido  und Geshido SC im Testvergleich

Wo liegt der Unterschied?

Evolv Geshido SC hat mir inzwischen bis zum „abschmelzen“ der Zwischensohle sehr viel Freude bereitet. Eine Frage ließ mir jedoch keine Ruhe! Was ist wohl der Unterschied zwischen dem Velcro und dem Lace Up. Nur der Verschluss wird es wohl nicht sein… Grund genug sich den zweiten Geshido Typ genauer anzuschauen und zu vergleichen.

Optik, Verarbeitung

Die Optik stimmt ei Evolv imho immer!

Kurz um: Die Optik ist ja durch Farbe, Form und die Details bestimmt. Farbe grün: ähnlich wie Miura Lace. Form: ähnlich wie Miura Lace mit kleiner Abweichung. Details: ein ganz eigenständiger Kletterschuh mit vielen interessanten Kleinigkeiten. Die da wären: Zahlreiche Evolv Logos (im Gummi und Schnellschnürungausläufen), Farbenspiele am Randgummi (Graue Formen auf dem schwarzem Hintergrund) eine Ferse schwarz wie die Nacht und ein merlicher Downturn. An sich eine runde Geschichte mit ganz persönlichen Charakter.

Die kleinen Nuancen sind entscheident für die Optik

Verarbeitung ist erstklassig. Obwohl ich bezüglich des Leder Know-hows der Amerikaner skeptisch war – muss ich im Nachhinein sagen: „Gut gemacht!“. Ernsthaft: das Material wirkt nicht minderwertig, keine schlampigen Verklebungen, Sohlenschliff ist super gelungen, alle Nähte sind rein und robust, Ferse wie aus einem Guß, Innenleben wie geleckt. Ganz ehrlich – lupenreine Leistung des in Amerika zusammengebauten Modells. Was auch immer da noch zusammengebaut wird.

Konstruktion

Leichte Vorspannung und von hier ein nichtsichtbarer Downturn

Im Prinzip unterscheidet sich die Konstruktion von dem Geshido SC nur durch drei Dinge: Die Form, die Ausprägung des Downturns und den Verschluss. Gut die Sache mit der Verschluss ist offensichtlich: ein Speed-Lacing-System mit Schlaufen inc. Innenleben (für stärkere Reibung am Schnürsenkel – gleitet dadurch beim Loslassen nicht zurück). Läuft gut und schliesst die ersten drei Ösen von oben in einem Zug. Die restlichen müssen „manuel“ nachgezogen werden – kein Beinbruch! Die Zunge ist ausreichend starr, gut geformt (breit aber nicht zu breit) und ordentlich gepolstert.

Die Asymmetrie entspricht in etwa einem normalen Fuß

Sie ist untypischer Weise mit einer Zugschlaufe Versehen, die aus meiner Sicht nicht wirklich von Nöten ist, jedoch auch nicht stört. Die Aufteilung des Schaftes ist wie auch beim Geshido SC: vorne Leder hinten Synthetik. Innenfutter ist auch aus Synthetik und leider nicht das kuscheligste. Die Form, als letzter Unterscheidungsmerkmal ist größtenteils gleich, nur ist Geshido etwas (ganz wenig) asymmetrischer und noch schmaler als sein Velcro Bruder – ein echtes Problem für mich, wie sich gleich rausstellen wird. Alles andere ist identisch und im Geshido SC Testbericht zu finden.

Passform und Größe

Geshido ist schmäler und kleiner als SC

Da liegt für mich des Hund begraben! Ich hatte der Geshido im Laden in Gr. 43 EU anprobiert und fand ihn etwas zu groß für langfristigen Gebrauch, die Zehen waren alle fast gestreckt, große Onkel kein Stück aufgestellt, doch die Form passte zu meinen längere 2ten und 3ten Zehen. Also bestelle ich ihn in 42,5 EU wie auch den Geshido und den Evolv Shaman. Zum meinem Entsetzen, entspricht die 8,5 UK im Geshido Lace nicht dem gewohnten Evolv Verhältnis zwischen 9 UK und 8,5 UK. Mit Gewalt (Gott sei Dank halten die guten Einstiegsschlaufen etwas aus) prügele ich meinen quadratischen Fuß darein. „Das hat nichts mehr mit Minimalgröße zu tun“, dachte ich mir. Es ist definitiv geisteskrank. Ich habe noch nicht mal Lust anzutreten. Schnell raus aus diesem schmalen Fußzerstörer.

Der Unterschied in der Größe ist sichtbar

Es ist nicht so, dass Geshido Lace einfach nur im Bereich des Quergewölbes schmal ist – nein – er ist auch von der Länge her kürzer als das Velcro Modell. Fast einen ganzen Zentimeter Unterschied ist zwischen den beiden 8,5 UK großen Schuhen. Wow, solch ein Größenvergleich das ist mir noch nie passiert… Jedenfalls fällt dieser 8,5 UK Geshido Lace wie ein 8 UK Evolv Kletterschuh aus. Sehr, sehr komisch.
Die Form des Leistens ist ansonsten die gleiche. Etwas mehr Platz für die griechische Zehe, schmalere Zehenbox, weniger Volumen und eine noch schmalere Ferse. Die Empfindung „schmaler“, kann an der sehr kleinen Größe liegen.

Die quadratische Form täuscht einwenig, der dritte Zeh halt nicht so viel Platz

Tendenziell habe ich jedoch beim Geshido Lace das Gefühl, dass er etwas schmaler und weniger volumenstark ausfällt. Jedenfalls braucht man für diesen Kletterschuh einen schmalen Fuß – alle andere Fußparameter passen oder können dank des Leders etwas angepasst werden.
Komfort ist bei beiden Geshido´s nicht von Anfang an gegeben, sondern muss in 1-2 Wochen erarbeitet werden. Dehnung fällt dank der Fütterung aus, man kann deshalb höchstens von Anpassung sprechen. Insgesamt ist Geshido mit dem La Sportiva Miura Lace zu vergleichen. Lediglich die Zehenbox ist flacher.

Was kann Geshido Lace im vergleich zum SC?
Trotz der Schmerzen dieser kleinen Größe habe ich den Geshido Lace an geklettert. Dieser Schnürer kann im Vergleich zum Velcro nicht mehr und nicht weniger.

Die Schnürung ist eine feine Sache

Durch die extrem kleinen Größe kam er mir noch präziser und kantenstabiler vor. Kein Wunder bei derart gequetschten Fuß. Die Sensibilitäthaben beide Geshido´s nicht für sich gepachtet. Ansonsten ist die Performance beim Treten sehr solide und durchaus überzeugend. Gummi reibt gut und ist ziemlich weich. Die Verformungsstabilität auf kleinsten Tritten ist deshalb etwas abseits der Perfektion. Doch es reicht, um an eigenem Level Trittprobleme zu lösen und nicht abzufallen. Das Gefühl bleibt zwiespältig und anfangs gewöhnungsbedürftig. Ob der im Vergleich zum SC etwas großflächigere Love Bump etwas andere Eigenschaften mit sich bringt kann ich nur mutmaßen, denn bei solch kleinen Größe, arbeitet der Fuß kein Bisschen. Er leidet höchstens… Was die Risse angeht, dürfte der Geshido da ähnlich gut funktionieren wie die Velcro Variante, obwohl mir die Zehenbox einen kleinen Tick höher vorkommt. Flacher als Miura Lace ist dieser Geshido aller mal und deshalb sicher keine schlechte Rissfräse.

Die Ferse ist eine Hookmaschine

Die Ferse ist beim Hooken eine Sache ohne wenn und aber. Zwar drückt sie seitlich am Knochen des Fersenbeins, lässt sich im Gebrauch aber überall sauber unterbringen und bleibt wunschgemäß da wo sie soll auch hängen/kleben. Das Gummi wird da mit der Zeit immer besser und reibungsstärker.
Toe Hooks mit Lace Up Modellen, sind in aller Regel bescheiden. Geshido Lace ist da keine Ausnahme. Die relativ glatte Randgummierung geht zu allem Schnürer Nachteil nicht so weit über den Zeh wie Beim SC und verringert die Chance einer Performance in diesem Bereich nochmals einwenig. Es ist halt nicht sein vom Sharma Chris ihm gegebener Auftrag mit den Zehen zu hackeln – akzeptiert. Trotzdem auch in Rissen wäre eine entsprechende Gummierung vom Vorteil. Oder nicht?
Alles in einem habe ich keinen großen, objektiven Unterschied in Sachen Performance zwischen den beiden Modellen finden können.

Haltbarkeit

Downturn scheint mir beim Geshido Lace ETWAS größer zu sein

Diese hängt IMMER vom Gummi ab und ist in diesem Fall nicht sonderlich schlecht, aber auch nicht herausragend gut.  Trax Rubber ist noch nicht das beste Gummi der Kletterschuhwelt, aber durchaus als gut zu bewerten. Der Rest des Kletterschuh´s wirkt nicht sehr viel anfälliger für Zerfall, als der Geshido SC und bietet eine gute Leistung sowie (wer mag) eine Aussicht auf eine Wiederbesohlung. Die Form bleibt, der Downturn geht … leider. Risse der Schnürungsösen etc. sehe ich als unwahrscheinlich an. Dafür ist die Verarbeitung viel zu gut. Fakt ist: solange das Gummi vorhanden ist UND man den Geshido in keinem heißen Auto oder im Backenoffen lagert, steht einer langen Klettersaison nichts im Wege.

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Im Prinzip kann man den Evolv Geshido überall gut einsetzen, wo auch der gute alte Miura Lace seine Dienste geleistet hat. Vom Hersteller wird der Bereich des traditionellen Kletterns mit mobilen Absicherung vorgesehen.

Den Downturn macht die Perspektive

Dies bezieht sich auf die Eigenschaften in Rissen und der Tatsache, dass eine Schnürung noch mehr Spannung und Unterstützung im senkrechten und geneigten Gelände bietet. Die steife Sohle tut sein übriges dazu. Als Alpinschuh würde ich ihn in der Strassenschuhgröße kaufen, während bei der Nutzung im Bereich Sportklettern eine halbe Größe unter der Strassenschuhgröße sinnvoll wäre. Zum reinen Bouldern bleibt die Schnürung die Sache an der die Geschmäcke auseinander gehen. Fakt ist: mit Schnürung bewegt sich die Kletterschuhferse keinen mm vom Fuß.

Fazit
Wie erwartet unterscheidet sich der Geshido Lace nicht sonderlich vom Geshido SC in Sachen Performance.

Dieser Schuh ist gut, aber nicht perfekt (für mich)

In Sachen Passform und Größe jedoch schon. Er ist besser geeignet für schmale Füße mit längeren Zehen sowie Menschen mit schmalen Fersen. Die Verschlussart bleibt Geschmacksache. Den Downturn empfinde ich,  weder störend noch helfend. Das Material ist gut und anpassbar. Leider gilt es nicht für die Ferse. Da der Strassenpreis beider Geshido Modelle über dem des Miura liegt, kann nur ein Wunsch nach Veränderung einen eingeschworenen Miura Fan zu diesen Evolv Modellen bewegen. Ausprobierenist der beste Weg zur eigenen Erfahrung und Bewertung – bei diesem Kletterschuh kann dies uneingeschränkt empfohlen werden.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Weitere Informationen:

Review Evolv Geshido bei GearInstitute.com (engl)

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