Evolv Pontas Lace Up

Kletterschuh Evolv Ponds Lace im kurz Test

Ein Vergleich zweier Leistenkiller

Vorgeschichte

Der bekannte Pontas mit Schnürung oder Anasazi Lace Up mal anders

Evolv – die Kletterschuhfirma von Chris Sharma. Die Verpflichtung des Weltbesten Kletterers ist der cleverste Schachzug in der Geschichte der Sportmarketings im Bereich Klettern gewesen. Seit King Lines ist Evolv Ponds der Kletterschuh, von Sharma signiert, geklettert, vermarktet… Sieht man bei Evolv genauer hin, entdeckt man in der Form und dem Grobdesign große Parallelen zu Five Ten. Man kann ohne weiteres behaupten, das Evolv die erfolgreichsten Modelle von 5.10 modifiziert und unter neuem Namen und in neuer Aufmachung verkauft. Was soll ich sagen… Einige Dinge sind bei Five Teen wirklich verbesserungswürdig und ganz ehrlich: Chris Sharma wird doch keinen schlechten Kletterschuh klettern, oder ? 😉 …

Wie auch immer…als ich Pontas (vgl. Anasazi VCS) das erste mal anprobierte, fand ich die Zehenbox wirklich prima, die Ferse hatte jedoch ordentlich Luft, deshalb verschwand dieser Schuh in der Schublade „unpassend“.

Auf den Evolv Pontas Lace bin spätestens dann aufmerksam geworden, als ich ein Fan von Anasazi Lace Up wurde und mir Gedanken darüber machte, wo ich so etwas ähnliches mit einer besseren Ferse bekommen könnte. Irgendwo im Internet las ich, dass Pontas Lace eine sehr schmale Ferse hätte und die Zehenbox ebenfalls sehr eng sein sollte. Darauf hin begrub ich die Hoffnung auf einen perfekten Leistenkiller a la Blanco mit dem Zusatz einer Killer-Ferse. Erst nach einiger Zeit, Überzeugungsvideos (siehe unten) und mehreren Bilderanalysen entschloss ich mich Pontas Lace zu besorgen und auszuprobieren.

Da Evolv sich bei der Produktion seiner Kletterschuhe, (sehr stark) an Five Ten orientiert, macht es aus meiner Sicht Sinn Potas Lace an dieser Stelle mit seinem „Vorbild“/ Anasazi Blanco zu vergleichen und so den perfekten Leistenkiller zu küren.

Optik, Verarbeitung

Pontas Lace ist zwar nichts noch nie da gewesenes, die Optik ist jedoch eigenständig und sehr ausgewogen. Die Kombination aus Gelb, schwarz und etwas grün finde ich sehr gelungen. So ist dieser Kletterschuh auffällig genug, dabei schlicht und wirkt keinesfalls langweilig. Das Gelbe Farbe keine Garantie für ein gelungenes Design ist zeigt Boldrinie Apache, von dem her alle Achtung vor der Leistung der Evolv Designer (Christ Sharma?).

Die Optik ist SUPER - die Verarbeitung fast besser als bei 5.10

Die Verarbeitung ist ebenso überzeugend wie die Optik. Da steht Evolv dem Five Ten im nichts nach und ist sogar ein Tick sauberer und feiner verarbeitet als 5.10, bei dem öfters der Kleber am Übergang Gummi-Obermaterial zu sehen ist. Sehr sauberer Sohlenschliff, super gearbeitete Nähte – ich bin wirklich erstaunt wie ordentlich die Evolv Kletterschuhe gemacht sind.

Konstruktion

Pontas Lace baut zweifellos auf dem Leisten von Anasazi Lace Up. Dieser ist jedoch ordentlich verändert, so dass der Mittelfuß Bereich derselbe ist, während die Spitze der Zehenbox viel enger und „spitzer“ ist. Auch die Ferse hat im Prinzip nichts mit der des Blancos zu tun. Sie ist viel schmaler, weicher, cleverer gummiert und ist bei weitem nicht so mordsmäßig vorgespannt wie beim Anasazi.

Vom Prinzip her gleich aber etwas asymmetrischer - Evolv

Die Sohle ist ebenso wie beim Vorbild durchgehend und etwas gleich stark (4,2mm?). Die Stetigkeit ist auf den ersten Blick die ebenso die gleiche. Ob Evolv den Trick mit der Fischhacken-Mittelsohle anwendet weiß ich nicht. Das Gummi ist eine Eigenproduktion von Evolv (TRAX XT 5), was ich persönlich Klasse finde, denn nur durch hausinterne eigene Forschung kann man irgendwann die Gesetze der Physik im Bereich Reibung „überwinden„. Das Gummi ist definitiv klebriger und weicher als C4 von 5.10, das merkt man bereits beim ersten Rubel-/Reibtest.

Das Obermaterial ist wie beim Five Ten aus Synthetik und ist im Vergleich zum Blanco etwas dünner. Der Innenschuh ist zwar leicht gepolstert, aber nicht so „dick“ wie beim Vorbild. Das merkt man nach Einsteigen sofort an den Knöcheln der Zehen. Wirklich unkomfortabel ist es dadurch jedoch nicht. Sehr gut gelungen ist das Speed-

Die Schnürrung ist bei Evolv um WELTEN schneller und leichgängiger

Lace-System, denn das schnelle Schnürren funktioniert tadellos. Der Nachteil ist dabei, die schlechte Feinjustierung der Schuhs am Fuß, besonders im Vorderfuß. Wo man beim Five Ten jede einzelne Lasche nachziehen kann und so den Schuh für den „Ernstfall“ wirklich bombenfest am Fuß fixieren kann, hat man beim Evolv das Problem, dass man die Schnürung als Gesamtheit festzieht. Lässt man den Zug an den Enden der Schnürsenkel nach, um vorne evtl. noch enger zu machen, so lockert sich das gesamte System erheblich. Man kann eben nicht alles haben! Der Einstieg ist beim Evolv definitiv angenehmer, denn mit einem Handgriff ist der Schuh so weit auf, dass man ohne Probleme den Fuß da rein bekommt. Das sieht beim Blanco anders aus, denn möchte man den Kletterschuh nicht mehr als nötig aufschnüren, so ist der Einstieg echt anstrengend. Auch die Einstiegsschlaufen des Pontas erinnern mich (in positiver Weise) an den alten Pinky: starr, breit und ausreichend dick – sind sie eine gute Hilfebeim Reinschlüpfen.

Die Form des Leistens ist "gleich" bis auf die schmälere Zehenbox

Die Zehenbox ist etwas besser gummiert – für eine Toe-Hook-Waffe reicht es meiner Meinung noch nicht. Das Gummi ist aber weicher und flexibler als beim Anasazi und gibt dem Knöchel des großen Onkels besser nach, was dünnere Polsterung kompensiert.

Insgesamt find ich, dass Evolv bei der Dimensionierung der Materialien ein guter Kompromiss zwischen Haltbarkeit/Formbeständigkeit und Gewicht/Komfort gelungen ist. Ponds Lace ist so bei gleicher Stetigkeit fühlbar b, ohne dabei wie ein labiler Lappen zu wirken. Sehr ordentlich!

Passform und Größe

Eigentlich passt meinem Fuß der Evolv Pontas in der EU 42 (UK 8) genauso wie Anasazi Blanco in EU 41,5 (UK 7,5)(Größenvergleich). …Eigentlich… Ein Paar (große)

Evolv: Die Ferse ist besser, Zehenbox unnatürlich ENG und nach hinten hin immer weiter

Unterschiede gib es dennoch. Zum einen ist die Passform der Ferse positiv hervor zu heben – wirklich eng sitzend, wenig Luft in der Spitze – sie passt meiner schmalen Ferse sehr gut. Die Vorspannung des Hinterteils von Pontas ist zwar bei Weitem nicht so stark wie beim Blanco (erinnert ehe an Galileo), ohne Druck auf die Achillessehne kommt man beim Pontas Lace nicht aus. So geht der Druck nach vorne (auf den Zeh) flöten ohne eine sonderbare Verbesserung im Komfort zu bewirken – etwas schade wie ich finde. Viel nehmen sich die beiden bei dieser (auf Dauer schmerzenden) Druckstelle wirklich nicht.

Die Zehenbox ist vorne so schmal, dass der sonst am kleinen Zeh (da an der Stelle noch breit ) vorhandene Komfort immer weniger wird, je näher man der Spitze kommt. Obwohl Blanco die Zehen in der Spitze bündelt, bietet er trotzdem ausreichend Platz, beim Pontas ist es anders. Bis auf die Höhe des kleinen Zehs ist die Passform wirklich identisch, ab da wird Pontas Lace schlagartig schmaler und spitzer. So eine Spitze hat zwar Vorteile in Schlitzen und Löchern, (wirklich) passen tut sie wahrscheinlich nur baltischen Füßen oder Leuten mit der Tendenz zum Hallux Vallgus. Die Passform des

Wie viel schmäler die Zehnbox ist sieht man!

Pontas Lace ist zwar in Ordnung und auch erträglich, aber ein Traum ist sie für meinen Fuß nicht. Das Paradoxe an der Passform ist die Tatsache, dass ich im Mittelfuß Bereich bis auf die Höhe des kleinen Zehs sowie bei der Ferse eine kleinere Größe verkraften könnte. Aber die alleinige Vorstellung meinen Fuß in die entsprechende UK 7,5 rein zu stecken erzeugt Schmerzen, denn der ohne hin große Druck vorne in der Spitze wird ja nicht weniger. Daher finde ich die Passform dieses Evolv Modells zwar echt ok (ich halte es locker 5-10 min in den Schuhen aus) aber nicht so gut wie beim Blanco (wobei der auch alles andere als ein Alpinlatschen ist…).

Der Leisten wird insofern römischen und ägyptischen Füßen passen (mehr oder wenige), bei der griechischen Zeh Problematik kann ich da leider kein Urteil fällen.

Wie klettert sich Evolv Pontas im Vergleich zum Anasazi Lace Up V2

Wie bereits gesagt ist der Evolv Schnürer einer von der steifen, stabilen, harten, flachen (ohne Downturn) Sorte. So klettert er sich auch. Die sehr schmale Spitze sorgt dabei (auf Kosten des Komforts) für eine extra Portion Präzision. Die Tritte lassen sich einfach und schnell (beim ersten mal) treffen, der griffige Gummi beißt sich in die Trittoberfläche und dank der Stetigkeit lassen sich meine 83kg locker auf der Spitze halten. Im großen und ganzen klettert sich Pontas Lace wie Blanco. Ich vermisse

Kleine Tritte sind GAR KEIN Problem für Pontas Lace - beeindruckend

jedoch den Dampf nach vorne und den engen Sitz am Mittelfuß (da ist dieser Evolv einfach immer zu locker), denn damit geht etwas bei der Kraftübertragung verloren, nicht dramatisch, aber dennoch merklich. Ein weiterer Punkt ist die Sensibilität. Pontas Lace ist nicht so stumpf wie Mitra Lace kommt aber nicht ganz an den Blanco ran. Man fühlt zwar schon etwas unter dem Zeh, aber nicht so gut wie beim Five Ten (wie so oft halt…). Greifen mit den Zehen ist genau so gut/schlecht wie beim Blanco möglich – kein Wunder bei der steifen Konstruktion ohne Downturn. Insgesamt überzeugende Vorstellung, die im (fast) nichts dem Original nachsteht.

Das Hooken funktioniert wirklich klasse! Die schmale Ferse und das griffige Gummi lassen sich überall gut unterbringen und bleiben kleben und hängen. Und das selbst wenn man mit viel Gewicht den Hook belastet – der Fuß bewegt sich dabei keinen Millimeterim Schuh. Sehr positiv und überzeugend, was Evolv mit dieser Ferse präsentiert.

Die Ferse ist nahe zu perfekt. Schmal, super Passform und sehr gute haltbare Gummierung

Die Toe-Hooks sind wider Erwarten ein Tick besser als beim Anasazi. Ich schreibe es neben der Zehengummierung vor allem dem etwas flexibleren Obermaterialgestaltung des Kletterschuhs, was das Anheben der Zehen, um 0,5mm mehr ermöglicht und so dem Pontas Vorsprung in dieser „Extra-Wertung“ sichert. Ganz ehrlich dieser Schuh ist sicher kein Boulderspezialist und war auch nicht als Toe-Hook Waffe gedacht. Von dem her ist die Performance in diesem Bereich entsprechend.

Haltbarkeit

Die Haltbarkeit des Kletterschuhs im Bezug auf die Verarbeitung, das Obermaterial, sowie die Formstabilität braucht den Vergleich mit dem Haltbarkeits-Ikone (IMHO) nicht scheuen. Das einzige wo ich Evolv sicher schwächelt, ist der Verschleiß der Sohle. Das TRAX Gummi verschleißt schneller als das Stealth C4. Das habe ich bereits nach ein Paar mal Abrutschen von Spax gemerkt – da bleibt ordentlich Gummi am Tritt zurück… Ähnliches kann man bei den amerikanischen Reviews nachlesen. Die Haltbarkeit ist dennoch auf jeden Fall akzeptabel, denn ein halbes Jahr hält ein Evolv trotz des intensiven Gebrauchs sicher. An Stealth Gummimischungen kommt TRAX momentan leider noch nicht ran. Trotzdem eine gute Prognosefür den Pontas Lace.

Die Sohle ist zwar dick aber sehr weich und nicht so langlebig wie C4

Empfehlung/Klettergebiet

Ich habe diesen Kletterschuh bis jetzt nur am Plastik testen können. Dort hat er mich beim Bouldern im Überhang überzeugt, wobei ich ihn ähnlich wie Blanco für Harz, Kochel und Sandstein primär verwenden würde. Seine Stärke spielt er immer da aus, wo man viel Gewicht auf kleine Strukturen bringen muss. Aber auch so manche Hook-Einsätze in der Fränkischen und Tessin warten auf den „Leistenkiller„. Klare Empfehlung für Trad, Voralpen und Leute die einen modernen Kletterschuh ohne Downturn, als Alternative zu üblichen Verdächtigen suchen. Für Alpine Einsätze, finde ich Pontas Lace zu unbequem, um ihn den ganzen Tag zu tragen – die eigene Füße danken dann. In senkrechten Einseillängen und technischen Klettereien ist Pontas Lace sehr gut zu gebrauchen.

Fazit

Alt und Neu - Original und Kopie (?) - Pontas kann was!

Unter dem Strich ist Evolv Ponds Lace als zweiter Schuh der Sharma signierten Serie eine sehr gelungene Abwandlung der Legende. Bei der Performance halten sich beide die wage. Bei Hooks hat Pontas die Nase vorn, während der 5.10 bei der Sensibilität für mich die State of the Art bleibt. Den Titel „Leistenkiller“ haben beide verdient. Wäre die “komisch“ schmale Spitze nicht gewesen, würde ich den Hook-Qualitäten des Evolvs verfallen und ihn dem Anasazi bevorzugen. Aber so bietet mir Blanco bessere Passform, mehr Dampf nach vorne und legendäres Gefühl beim Stehen auf nichts. Dennoch ein Lob an Evolv, denn der Schuh ist wirklich gelungen und hat sich in diesem harten Vergleich mi dem „Original“ sehr wacker geschlagen! Wenn Passform stimmt ein toller Schuh mit Hook-Zertifikat.

Weitere Informationen:

Review

Testbericht Evolv Pontas

Testbericht Evolv Bandit

Chris Lindner VIDEO

Gaja onsight VIDEO

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