Evolv Prime SC

Evolv Prime SC im Kurztest

Drei Velcros und weniger Asymmetrie hat das neue Modell

Drei Velcros und weniger Asymmetrie hat das neue Modell

Lang ist her, da hat der Chris Sharma persönlich die Hand an diese Kletterschuhe angelegt und mit dem Namen Optimus Prime versehen. Seit dem ist die zweite Auflage unter dem verkürztem Namen Prime draußen, welche zwei  Versionen beinhaltet den Velcro und den Lace Up. Der Velcro hat sich auf alle Fälle leicht verändert. Nicht nur der dritte Klettverschluss ist hinzugekommen, sondern auch eine andere Gummierung der Zehenbox, sowie der Ferse. Alles in einem ist der Schuh derselbe geblieben. Diese Tatsache allein ist schone eine Leistung. Schaffen es tatsächlich viele Hersteller eine Neuauflage so zu „verhunzen“, dass es mit dem altbewährten Modell nicht mehr viel zu tun hat. Da ich die alte Version nicht geklettert bin, kann ich leider nur mutmaßen ob es bei Prime SC genau so zutrifft. Deshalb freue mich auf Kommentare, die dies bestätigen oder dem widersprechen.

Optik und Verarbeitung

Viel Schwarz und etwas gelb ist der Prime SC

Viel Schwarz und etwas gelb ist der Prime SC

Jedes Mal, wenn es um Evolv geht, schreibe ich das gleiche: „Die Optik ist cool ungewöhnlich und durchaus etwas eigenständig.“ Dies ist der Verdienst der Evolv Designer, welche es immer wieder schaffen bereits vorhandene Modelle anderer Hersteller nachzubauen und dabei diese komplett anders aussehen zu lassen. Bei diesem Kletterschuh mit dem mächtigen Namen einer Transformers-Figur ist das auch der Fall. Dieses Teil erkennt man sofort in einem Haufen unterschiedlicher Kletterschuhe und kann ihn sofort der Firma Evolv zuordnen. Denn vom Leisten und Form bis hin zu Optik gibt es keinen zweiten Kletterschuh dieser Art auf dem Markt. Das ist das Wesentliche, worum es geht.

Hat etwas vom Gummischuh

Hat etwas vom Gummischuh

Die Verarbeitung dieses made in Korea gearbeiteten Modells braucht sich weder vor der Konkurrenz aus China noch (und das ist etwas erschreckend für mich) vor den Europäern verstecken zu lassen. Sauber, ordentlich, präzise wie aus einem Guss – wirkt dieser Patschen auf mich. Rein objektiv kann ich keine Mängel oder Schwächen erkennen. Lediglich auf der Gefühlsebene empfinde ich eine geringfügige Dissonanz. Sicher eine Sache der gemachten Vorerfahrungen, welche die Leistung der Handwerkerhände aus Korea nicht schmälern sollen. Kurz gesagt: nichts zu meckern.

Konstruktion

Die runde Form der Spitze sieht man

Die runde Form der Spitze sieht man

Das Einzigartige an der Konstruktion war damals die runde, breite Spitze mit der entsprechend rund wirkende Zehenbox. Das viele Gummi auf der Selbigen trug weiterhin zum dominanten Aussehen dieser Evolv Schöpfung. Der Meister Sharma persönlich war an der Konstruktion und der Leistenform beteiligt. Wie ich bereits sagte: Prime SC ist so an sich einzigartig in der Welt der Kletterschuhe. Etwas Downturn und Vorspannung in der durchgehenden Sohle sind für mich heut zutage obligatorisch und für Evolv Gott sei Dank auch. Ebenso die Gummierung der Ferse ist schlicht und einfach vorbildlich.

Ganz wenig Asymmetrie

Ganz wenig Asymmetrie

Einzig die neue Mad Rock Ferse kann diese Konstruktion in der Funktionalität und Leistung (IMHO) überbieten. Die Velcros sind ebenso beispielhaft wie die Anziehschlaufen, welche robust und hoch funktional sind. Leider kriegen es nicht alle Hersteller so ausgewogen und perfekt hin wie Evolv. Respekt an dieser Stelle für alle die sinnvollen Details. Die Sohle und die Spitze sind von mittlerer Härte (1,1 mm Zwischensohle). Die Spitze ist im Vergleich zum Bereich unter dem Zeh etwas härter und sorgt für gute Kantenstabilität. Alles deutet au einen „Leistenknaller“, wie er ja auch bereits in Tests beschrieben wurde.

Passform und Größe

Ferse sitzt ohne zu verrutschen. Drückt bei mir aber auch etwas

Ferse sitzt ohne zu verrutschen. Drückt bei mir aber auch etwas

Obwohl der Prime SC breit wirkt und als solches auch in Reviews beschrieben wird, war ich überrascht durch die doch enge Zehenbox. Der Schuh ist nicht der schmalste – keine Frage. Doch vom Mittelteil bis hin zu der runden Spitze wird er schmaler, sodass mein kleiner Zeh doch unangenehm abgedrückt wurde. Die Geometrie ist so umgesetzt, dass alle Zehen zur Mitte hin gebündelt werden. Die Asymmetrie ist gering bis mittel und entspricht noch voll und ganz den Vorgaben des menschlichen Fußes. Die Ferse sitzt eingeklemmt eng, wie es schon bei Geshido SC der Fall war. Für die Funktion beim Hooken ist dies optimal, für das Wohlbefinden der Achillessehne und ihres Ansatzes ist die Form weniger prickelnd. Da gibt es ergonomischere Formen. Der Downturn ist klassisch und hat keine Love Bump Komponenten, was ich persönlich schade finde. Obwohl die Größe mit 8,5 UK schon fast minimal ist, wird der große Onkel bei meinem Fuß eher in die Mitte gedrängt als aufgestellt.

Nicht so breit wie man denkt

Nicht so breit wie man denkt

Meinen hohen Rist kann ich unter den drei Velcros locker verstauen, die Zunge polstert gewohnt gut ab. Mit der 9 UK wäre ich zwar etwas komfortabler unterwegs, würde jedoch an Performance einbüßen, deshalb empfehle ich für den „Performance Fit“ max. ½ Größe von der Straßenschuhgröße runter zu gehen. Bei diesem eher harten Schuh aus Synthetik rechne ich nicht mit einer Dehnung, deshalb rate ich von „Downsizing“ Experimenten ab. Von der Form der Zehenbox her wurde Evolv Prime SC immer wieder als der Kletterschuh für den griechischen Fußtyp genannt. Es stimmt soweit auch. Nur war ich überrascht wie unflexibel und wenig vorgeformt die Zehnbox im Bereich der Zehengelenke ist. Dieser Fakt in Verbindung mit dem nicht zu knappen Gummieinsatz auf der Oberfläche macht diesen Kletterschuh nicht unbedingt komfortabler. Ich halte dieses Modell für unbequem, wenn man ihn mit aktuellen Scarpa und La Sportiva aber auch Lowa Modellen vergleicht. Das zieht sich leider vom Shaman über Geshido und Predator bis hin zu diesem Modell bei Evolv durch. Dieser Diskomfort wird leider nicht unbedingt von der Performance wettgemacht.

Performance 

Eher gemütlicher Downturn. Zehenbox nicht so hoch

Eher gemütlicher Downturn. Zehenbox nicht so hoch

Leistenknaller trifft es im Fall dieses Kletterschuhs voll und ganz. Durch die runde, breite „Spitze“ bietet der Schuh viel Fläche, welche man gut und durchaus präzise auf den Tritt bringen kann. Beim Belasten kommt wieder das Abrollen des Gummis zum Tragen, sodass ab einer gewissen XXS Größe der Tritte man schon ordentlich drücken muss, um nicht abzurutschen. Passiert leider immer wieder bei Evolv. Die einzige positive Ausnahme stellte der bereits erwähnte Geshido SC – der Stand wie ein 1! Alles in einem kann man mit dem moderaten Downturn gut im Überhang wirken. Ein Gefühl der dritten und vierten Hand entwickelt sich zwar nicht, aber es reicht, um dran zu bleiben. Somit hatte ich bis auf extreme Reibungsgeschichten ein solides Gefühl beim Belasten der Tritte. Von der Sensibilität her ist Prime SC eher stumpfer Natur, jedoch fällt er noch nicht in die Kategorie D – Steigeisenfest. Man kann halt auch nicht alles haben!

Das dritte Velcro bringt beim Hooken mehr stabilen Sitze am Fuß

Das dritte Velcro bringt beim Hooken mehr stabilen Sitze am Fuß

Beim Hooken kommt dieses Modell ganz steil aus der Sonne. Zum einen, weil der Fuß sehr fest im Schuh sitzt. Zum anderen, weil die Ferse einfach geil geformt und ebenso geil gummiert ist. Griffiges, klebriges, schwarzes Gummi wartet nur auf die Hook Einsätze. Egal welche Stelle der Ferse den Kontakt bekommt, wird dieser in sicheren Halt umgesetzt. Die Gefühlvollste ist sie natürlich nicht, aber es reicht um zu merken ob rutscht oder nicht. Beim Toe – Hooken ist meine gemachte Erfahrung weniger überzeugend. Die zusammengepressten Zehen lassen sich kaum anheben. Der Druck auf die aufgestellten Knöchel der kleinen Zehen ist so groß, dass Toe-Hooks mir persönlich keinen Spaß gemacht haben (Natürlich haben sie trotzdem gut funktioniert). Mit einem locker sitzendem Prime SC wäre die Situation sicher etwas besser. Ob die Gesamtperformance da noch die gleiche ist, Waage ich zu bezweifeln. Am Toe-Hook Patch finde ich die Umsetzung am besten. Die Gummifläche ist bis unter den ersten Klettverschluss versteckt, was einiges an längerem Leben mit sich bringt.

Haltbarkeit

Wie man sieht liefert Korea echt gute Arbeit ab

Wie man sieht liefert Korea echt gute Arbeit ab

Ich bin nicht so sehr überzeugt von der Haltbarkeit der Evolv Gummimischung Namens Trax Rubber. Der Grund ist einfach – mein Geshido SC hielt gerade mal 3,5 Monate, bis die Sohle verschlissen war. Das ist nicht so wahnsinnig lang. Ich verlange ja keinen Jahr, aber so ein halbes Jahr wird von anderen Gummi Magnaten ja auch erreicht. Ansonsten sind Evolv Kletterschuhe gut und solide verarbeitet, sodass man den Schuh gut und gerne 1-2 Mal wiederbesohlen kann. Deshalb schätze ich die Lebensdauer der Prime SC sehr ähnlich ein. Evtl. könnten die etwas länger halten, da sie keine pointierte Spitze haben und der Abrieb sich auf eine größere Fläche verteilt wird. Der unterschiedlich dicke Randgummi (VTR) ist mir dagegen nicht negativ aufgefallen, denn der Randgummi wirkt selbst nach Ableben der Sohle noch sehr gut aus.

Empfehlung Einsatzbereich

Überraschend gut

Überraschend gut

Letztens wurde ich gefragt, ob ich die Kletterschuhe nicht nach Einsatzbereichen kategorisieren kann. Ehrlich gesagt bin ich grundsätzlich gegen Dogmatismus. Einen Kletterschuh in die Schublade Boulderschuh zu pressen missfällt mir einfach. Was kann man also zum Prime SC sagen, ohne ihn zu stigmatisieren? Ich würde ihn nicht in der Fränkischen bevorzugen, da kleine Löcher verständlicherweise nicht seine Stärke sind. Ansonsten kann man mit ihm überall in Einseillängen klettern. Reibungsplatten? Muss nicht sein, kriegt man aber bestimmt auch hin. Bouldern? Na logisch! Alpines? Für mich persönlich zu unbequem. Ein Allrounder also? Warum nicht?! Ausprobieren!

Fazit

Kann alles - macht alles

Kann alles – macht alles

Bei einem Preis von über 120 € ist dieser Kletterschuh kein wirkliches Schnäppchen. Ich würde dennoch dieses Modell weiter empfehlen, da er durch seine unorthodoxe Form dem einen oder anderen Fußtyp entgegen kommen kann und dennoch präzises Treten mit der Spitze erlaubt. Da dieser Kletterschuh alles für einen modernen Allrounder mitbringt, bleiben keine Wünsche offen, außer meinen Verlangen nach etwas mehr Komfort in der Zehenbox. Ich bin gespannt wie der Prime Lace sich so klettert. In diesem Sinne ausprobieren – es lohnt sich.

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