Five Ten Hornet

Kletterschuhe Five Ten Hornet im kurzen Test 

„Hands on“

Die Vorgeschichte

Auffallender geht es kaum!

Five Ten Hornet stach mir beim ersten Hinsehen sofort ins Auge. Lange musste ich rätseln, welche Eigenschaften dieses Modell nun haben wird und ob es für mich als Kletterschuh infrage kommt. Die Meldungen aus dem Web gingen zum Teil in unterschiedliche Richtungen, jedoch war eins klar – Hornet ist ein Schuh, der für das Greifen mit den Zehen konzipiert wurde und somit eher im Überhang zu Hause sein wird. Nun konnte ich endlich Genaueres über diesen Kletterschuh in Erfahrung bringen, nachdem ich ihn ausprobiert und „angeklettert“ hatte. Wie er sich klettert, wie er größentechnisch ausfällt und sich am Fuß anfühlt, erfahrt ihr hier und jetzt.

Optik, Verarbeitung

Die Form ist extrem wie man sieht

Zur Optik fällt mir eigentlich nur eins ein – der Hammer.  Obwohl alle neuen Five Ten Modelle (bis auf den Arrowhead vielleicht) wirklich schicke und auffällige Erscheinungsformen haben, topt Hornet meiner Meinung nach alles. Der Name passt jedoch nicht ganz so gut, den der grün-schwarze Gummiüberzug auf dem Obermaterial wirkt für mich 100% wie Schlangenhaut und erinnert mich sehr stark an eine mächtige, giftige Schlange. Durch den Downturn, Vorspannung und sehr starke Asymmetrie wirkt diese Schlange/Hornisse nicht unbedingt friedlich, sondern trotzt nur so vor Angriffslust. Designer von 5.10 haben hier wirklich gute Arbeit geleistet und der Welt einen extrem ansehnlichen Kletterschuh beschert.

Verarbeitung ist wirklich TOP bis auf diese Kleinigkeit

Die Verarbeitung ist bei Five Ten eines der wesentlichen Eigenschaften und sicherer Garant der lang anhaltenden Performance. Und so ist der Hornet, wie alle seinen Verwandten ein nahe zu perfekt gearbeiteter Kletterschuh ohne Wenn und Aber. Allerdings ist es mir bei allen neuen Five Ten Modellen 2011 eine Sache aufgefallen, die auch beim Hornet das einzige Manko der Verarbeitung darstellt. Es handelt sich um Kleberreste an dem Übergang Obermaterial zum Randgummi. Der Rest ist tadellos und sorgt zusammen mit der Form und Optik für eine tolle Haptik. Richtige Mängel waren bei meinem Produkt nicht vorhanden, sodass ich hier Five Ten beruhigt weiter anpreisen kann.

Hornet ist so krumm wie eine Banane

Konstruktion

Im Prinzip ist 5.10 Hornet ein Modell, dass nicht all zu viel „Revolutionäres“ zu bieten hat. An sich ist das ein modifizierter Dragon. Dieser Kletterschuh ist bei Five Ten jedoch ein Schritt in die noch extremere Richtung und steht im puncto der Ausprägung des Downturns, der Vorspannung und der Asymmetrie ganz allein vorne an der Spitze der Performance Modelle. An diesem Kletterschuh ist so ziemlich alles extrem: die kurvenförmige Schnürung, der „klauenartige“ Downturn, die wahnsinnig bannige Form des Leistens und nicht zuletzt der schmale Schnitt. Dieser Schnitt zieht sich bei allen 2011er Modellen durch wie ein roter Faden und stellt in Augen des Herstellers eine neue „Ära“ in der Passform der Kletterschuh. Ich sehe es einwenig anders, denn 5.10 baut die Leisten immer noch, in dem er sich an der Performance ausrichtet und die Anatomie des menschlichen Fußes weitergehend außer Acht lässt. Sei es drum.

Die Sohle ist sehr dünn und weich

Die Sohle ist meiner Meinung nach schmäler als beim guten alten Dragon, dünner und sehr viel weicher. An der Spitze ist sie zudem noch dünner geschliffen, sodass dort wenige Millimeter auf den Wandkontakt warten.

eher schmal und aggressiv ist der Leisten

Die Ferse kommt der, aus meiner Sicht, perfekten Dragon Ferse am nächsten und hat mit der bewährten Vollgummierung alles, was eine moderne Ferse braucht: Schutz, Grip und super Form.

Die Schnürung ist für mich die größte Fehlentwicklung dieses Kletterschuhs. Erstens ist sie zu lang (9 Löcher),  zweitens ist die Kurvenform optisch zwar super aber nicht praktisch. Dazu kommt die ebenso kurvenförmige und unten sehr schmale Zunge, die sich beim Anziehen gerne verkantet und so das ganze noch ein bisschen unangenehmer machen kann.

Die Schnürrung ist optisch ein TOP – praktisch eher NICHT…

Five Ten Hornet weist genau so wie der scheidende Projekt das Stealth Mystique Gummi auf, und zwar nicht nur in der Sohle als auch im Randgummi. Alles in einem ist die Konstruktion vom Grad der Ausprägung der Faktoren einzigartig bei Five Ten und kann lediglich im Bereich der weichen Sohle mit dem Projekt verglichen werden.

Passform und Größe

Das war der Knackpunkt bei meiner Bestellung dieser Kletterschuhe. Nach dem ich, den Quantum getestet hatte, wusste ich dass die 8,5 UK vermutlich meine normale Größe bei den neuen Modellen sein wird. Um auf Nummer sicher zu gehen, entschied ich mich für UK 9 – meiner Straßenschuhgröße. Diese passte mir ganz passabel, hatte jedoch etwas wenig Spannung. Da die Passform schmal ist, würde ich bei 8,5 UK die auch bei diesem Modell die richtige wäre anfangs etwas mehr leiden müssen, auf Dauer ist es aber bei der weichen Ausrichtung dieses Modells am sinnvollsten.

Da ich mit asymmetrischen, vorgespannten Kletterschuhen mit Downturn sehr gut zu Recht komme, hatte ich auch beim Hornet keine Probleme. Dass die Passform für meinen Fuß wie gemacht ist, kann ich zwar nicht behaupten, aber dank des weichen nicht so dicken und schnell nachgebenden Obermaterials formten meine Füße den Hornet neu und so fühlte sich dieser bereits nach dem zweiten Reinschlüpfen ziemlich heimisch an. Der Kletterschuh ist etwas höher geschnitten (so ein bisschen wie 5.10 Team), was mir jedoch keine Probleme bereitete. Die Schnürung macht einen sicheren Job und wenn sie erst ein Mal zu ist, dann ist Hornet bombenfest am Fuß und bewegt sich keinen Millimeter!

Die Form ist nahezu dieselbe wie beim Dragon

Die Ferse passt exakt wie beim Dragon und hat konstruktionsbedingt etwas Luft in der Spitze, was aber bei Five Ten normal ist und nicht sonderlich stört.

Alles in einem ist die Passform schwer zu beschreiben und ist denk ich auf alle Fußtypen ausgerichtet. Die breiten Füße müssen da zwar mehr drücken und schieben, um guten Formschluss mit dem Kletterschuh herzustellen, als die schmaleren ägyptisch-angelsächsichen Fußformen, bekommen am Ende aber einen fairen Kompromiss zwischen nachhaltiger Passform und Komfort. Nun bin ich überzeug dass Five Ten es Scarpa und La Sportiva nachmacht und immer mehr in Richtung „out of the box“ Produkten geht, bei denen man kein schmerzhaftes Eintragen benötigt.

Performance – wie klettert sich der Five Ten Hornet

Leider bin ich den Five Ten Projekt nie geklettert, sodass ich diese beiden Modelle nicht so gut miteinander vergleichen kann. Was dennoch sofort auffällt wenn man mit dem Hornet auf etwas Kleines und Unförmiges steigt ist das hervorragende Gefühl. In Sachen Sensibilität hat Five Ten meiner Meinung nach den anderen Herstellern sowieso einen Vorsprung, mit dem Hornet definierte ich dennoch das „Gefühlvolle Stehen“ für mich gänzlich neu. Dies liegt natürlich an der ultradünnen Sohle und war auch einwenig zu erwarten. Das Saugen am Tritt und das Greifen mit den Zehen ist von Anfang an kein Problem und wird von Mal zu Mal besser und stärker ausgeprägt. Die Kantenstabilität ist natürlich nicht so wie beim Anasazi Blanco – mit dem Hornet muss man anders antreten, was jedoch auf den kleinen Tritten mit einwenig Druck und Zehenkraft prima funktioniert. Zum Schleichen auf Reibungsplatten jenseits der Länge von 5 Metern ist der Hornet definitiv nicht gemacht, das leuchtet aber denke ich jedem ein der die Bilder sieht.

Von der Länger her muss der Hornet in UK 9 kleiner sein in der Breite nicht

In Dachbouldern hatte ich aber ein wahnsinnig gutes Gefühl und konnte mit den Füßen so richtig zupacken. Es fühlte sich zwar anders an als beim Speedster funktionierte aber mindestens genau so gut wie bei meinem Plastik-Dach-Favoriten von La Sportiva.

Die Ferse verrichtete gute Arbeit beim Legen und Zerrern an den Hooks. Kein Abrutschen, keine Fehler, sondern Kleben an Strukturen war angesagt. Da ich die Dragon Ferse gewohnt war, musste ich mich auf diese Fersenform nicht einstellen und konnte wie immer voll anreißen.

Die „Schlangenhaut“ ist leider nicht so klebrig und nützt bei Toe-Hooks nicht viel

Die Toe-Hooks sind eher bescheiden. Da die Schnürung weit bis zu der Spitze geht, hat man lediglich nur die perforierte Gummierung über dem großen Zeh, um irgendwo effektiv hackeln zu können. Alle Toe-Hooks weiter oben rutschten bei mir durch die geringe Reibung der Schnürsenkel einfach ab.

Man kann halt nicht alles haben.

Haltbarkeit

An dieser Stelle kann ich nur Vermutungen und Einschätzungen zum Besten geben. Wer Erfahrungen mit dem Stealth Mysthique Gummi in der 2,5-3mm Ausführung beim Projekt schon gemacht hat, kann sich auch ausmahlen wie lange die Spitze des Hornets ohne Loch bleibt. Die Gummimischung soll zwar superabriebfest sein, doch je weniger Material an der kritischen Stelle ist, um so schneller droht die optische Sichtverbindung zum großen Onkel. Alles andere an diesem Kletterschuh ist hoch qualitativ und wird ein Leben nach der Wiederbesohlung sicherstellen.

Die Zunge verkantet sich gerne beim Anziehen

Empfehlung/Einsatzbereich/Klettergebiet

Für mich ist der Einsatzbereich und Klettergebiet klar. Fränkische Schweiz mit ihren steilen Wänden und Blöcken. Ansonsten sei dieses Modell allen empfohlen, die nach dem Projekt Nachfolger suchen. Da dieser Kletterschuh nicht aus Leder ist, kann man deutlich mehr Formbeständigkeit erwarten und entsprechend länger Vollgas anreißen.

Zum Bouldern fehlt eine vollwertige Toe-Hook Fähigkeit. Des Weiteren nervt mich persönlich die Schnürung ziemlich, was aus meiner Sicht einen Minuspunkt bei einem „Boulderschuh“ bedeutet.

Zum nicht so steilen Routenklettern muss der Besitzer gehörig Zehenstrom mitbringen, dann wird er jedoch mit einer perfekten Präzision und Sensibilität belohnt. Für Plastik ist dieses Modell zwar genau so hervorragend geeignet, für mich jedoch etwas zu schade.

Insgesamt ein mächtiges Teil im Überhang

Fazit

Five Ten Hornet ist ein schmaler, aggressiver, bissiger und supersensibler Kletterschuh, der bereits beim ersten Klettern alles gibt und nicht so viel Schmerztoleranz verlangt wie ein Dragon. Die Formbeständigkeit und gute Anpassungsmöglichkeiten durch die Schnürung machen ihn für alle/viele Fans der weichen Kletterschuhe sehr interessant. Wer noch eine Lösung für sein Dachprojekt sucht, sollte sich dieses grüne Hornisse aus USA anschauen und selbst entscheiden. Fetzig ist der Patschen alle Male!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Weitere Informationen:

Größenvergleich der Kletterschuhe

Fußform und Passform 

Der eigene Fuß ein Anhalt

Testbericht Five Ten Blackwing


2 Antworten zu Five Ten Hornet

  1. Markus Ha schreibt:

    Hallo
    Ich bin vor der Entscheidung mir entweder den Blackwing oder den Hornet zuzulegen.
    Welcher dieser beiden hat denn, deiner Meinung nach, die dickere Sohle (vom Gummi her) und welchen würdest du als den härteren der beiden bezeichnen? Also welcher hat die steifere Zwischensohle?
    Ich kann beide Schuhe nur Online bestellen und möchte mir den zulegen der etwas dicker und härter ist da ich ihn ausschließlich fürs Klettern draußen verwenden möchte.
    Ich hatte jetzt einen Arrowhead, der nach dem Besohlen leider zerstört ist, mit dem ich Performance mässig sehr zufrieden war aber die Ferse passte mir nicht wirklich gut.
    Zum Vergleich passt mir die Ferse bei Anasazi VCS und Verde z.B. perfekt.
    Für mich ist derzeit eigentlich der Hornet der Favorit. Aber wahrscheinlich hauptsächlich weil er mir vom optischen her so gut gefällt. Du weisst sicher wie sehr man sich vom aussehen leiten lässt wenn man einen Schuh noch nie in der Hand gehabt hat.
    Ausserdem sieht es so aus als ob er die bessere Ferse hätte, allerdings liest es sich in allen Reviews die ich finde so als ob der Hornet eine sehr dünne Sohle (ca. 3mm) hat was für mich ein großer Nachteil wäre da ich 4mm oder evtl. sogar mehr bevorzuge.
    Ausserdem ist ein Schuh zum schnüren immer ein gewisser Nachteil auch wenn mir Schnürer optisch immer besser gefallen.
    Auf der anderen Seite hört es sich so an als ob der Blackwing so extrem weich sein soll (sogar weicher als der Team) was ich auch nicht unbedingt gut fände. Wenn er allerdings so weich/hart ist wie der Arrowhead wäre das für mich ausreichen steif für jede Art von Kletterei.
    Wie weich würdest du denn den Blackwing und den Hornet im Vergleich zum Arrowhead oder zum Anasazi VCS einstufen?
    Und wie ist die Passform der beiden im Vergleich zum Arrowhead.
    Würde mir unglaublich weiterhelfen wenn du mir ein paar Tipps geben könntest
    mfg Markus

  2. kletterschuhtest schreibt:

    Hallo Markus.
    Wenn du mit dem Arrowhead zufrieden warst, dann solltest du zum Quantum greifen. Selber Leisten, einen Tick steifer (mini) Performance ähnlich.
    Sowohl Blackwing als auch Hornet sind weicher als Arrowhead. Hornet ist sogar extrem weich, er hatte eine sehr dünne Sohle… meine überzegung weniger als 3mm…
    Ganz ehrlich: Nimm entweder den Dragon (härter als Blackwing) oder den Jet 7 – den kriegst du mittlerweile aus Auslaufmodell hinterher geschmissen. Beide sind bessere Schuhe im Überhang als alle neuen Modelle von Five Ten. Mich persönlich hat Hornet trotz der dünnen Sohle mehr überzeugt, als Blackwing.
    Meine Erfahrung: am Fels brauchst du gerade in Routen eine mind. mittelsteife Sohle (Dragon) besser ist eine Steifere (Anasazi). Weiche Schuhe werden mit der Zeit so Weich dass sie dann in Routen auf Dauer nur noch unter dem Zeh weh tun an spitzen Strukturen. Am Plastik und schweren Bouldern sind weiche Schlappen toll. In Routen am Kalk braucht man mehr Unterstützung. – meine Meinung.

    Subjektive Härte Skala bei Five Ten Schuhe
    Hart
    Anasazi Blanco
    Anasazi Verde
    Anasazi VCS

    deutlich weicher

    Dragon /Jet 7 (haben wenigsten vollwertige Toe-Hook Patsches)
    Arrowhead / Quantum
    Blackwing
    Hornet

    Wenn ich ehrlich bin , ist mir selbst Dragon am Fels zu weich. Optimal wäre ein Anasazi Blanco mit dem Downturn – quasi Quantum. Leider haben sie den „verhunzt“ und zu weich gemacht.

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