Kletterschuhe Boreal Diabolo – Test

Diabolo ist bunt aber kaum von einem Anfänger Kletterschuh zu unterscheiden

Der Teufel hat bekanntlich viele Gesichter und offenbart sich auch immer überraschend. Seine Erscheinung gibt dem Geschehen eine wie auch immer geartete Wendung die unter Umständen alles verändern kann. Das persönliche Klettern schreibt auch eine eigene Geschichte, die voller Höhen und Tiefen ist und innerhalb von einem Moment eine andere Wendung annehmen kann. Neben unseren Fähigkeiten sind vor allem die Kletterschuhe – unabdingbare Verbindung zum Fels – die einzige Möglichkeit das Fortschreiben der Geschichte positiv zu beeinflussen. Die von Boreal grundlegend überarbeitete Kletterschuhe namens Diabolo entpuppten sich im Test als ein echt mächtiger Faktor und Game-Changer und zeigten auf, dass sie in der Lage sind den Verlauf einer Geschichte grundlegend zu verändern.

Optik und Konstruktion der Boreal Diabolo Kletterschuhe

Grün und Rot beherrschen die Optik

Das Design dieser Kletterschuhe folgt der aktuellen Mode nach bunten und teilweise schrillen Farbkombinationen und Mustern. Beim Diabolo dominieren Gelb-Grün und Orange-Rot. Das Farbkonzept beschränkt sich im Wesentlichen auf dualen Ansatz – weniger ist mehr. Die breiten Velcro Verschlüsse wurden von Designern genutzt um weitere Akzente durch gestickte Muster in beiden Hauptfarben zu setzen. Insgesamt ist den Designern eine vergleichsweise einfache, schrille und auffällig moderne Optik gelungen die mit der Zeit geht und an der Wand unverwechselbar ist.

Leichte Vorspannung und kein Downturn

Beim Diabolo setzt Boreal auf eine klassische Konstruktion mit einer moderaten Vorspannung ohne jeglichen Downturn. Die quasi Halbsohle aus der Zenith Pro Mischung ist durchgehend steif gestaltet und dennoch im Mittelfußbereich biegsam gehalten. Diese Flexibilität wird durch den grünen Gummistreifen der den Mittelfußbereich stärkt und die Sohle vorne mit der Ferse verbindet, realisiert. Die Sohle an sich hat eine sehr solide, durchhaltefähige Stärke die sich je nach Größe zwischen 4 und 4,5mm einpendelt. Da drunter befindet sich eine spezielle Zwischensohle, die für die notwendige Steifigkeit und Verformungsstabilität sorgt. Die Ferse ist klassisch gebaut und bietet keine Gummierung auf den Seiten. 

Grün – Microfiber Rot – Leder

Der Schaft besteht aus Microfiber und Leder. Da ist die Trennung ganz einfach – der grün-gelbe Teil ist aus Microfiber und der orange-rote aus Leder. Ein Innenfutter hat Diabolo nicht. Die Zehenbox ist flach und hat keine Gummierung auf der Oberseite. Die Zunge ist keine Zunge im herkömmlichen Sinne, sondern ein slipperähnlicher Abschluss des Schaftes aus einem sehr flexiblen Meschgewebe, welches sich problemlos und perfekt dem Fuß anpasst. Die beiden Klettverschlüße sind breit und decken zusammen diese „Zunge“ ab. Diese sind dünn und schmiegen sich deshalb perfekt an den Fuß an. Insgesamt vereint Diabolo Konstruktionselemente eines traditionellen Kletterschuhs mit den neusten Materialien und Methoden wie sie im High End Bereich Anwendung finden. Damit erzielt Boreal ein für dieses Segment sehr spannendes Ergebnis – aber dazu gleich mehr.

Passform und Größenwahl

Diabolo bietet eine Allzweck Passform

Die Passform des Diabolo kann man guten Gewissens als „Allround“ bezeichnen – Ausnahmen wird es natürlich immer geben. Der Leisten ist mittelbreit und so geschnitten, dass er ziemlich vielen Fußformen passen sollte. Neben der Allzweckform der Zehenbox spielt die Auswahl des Materials eine entscheidende Rolle für Komfort dieser Kletterschuhe. Das von der Stärke her perfekt abgestimmtes Microfiber Material gibt so ideal nach, dass eine nahezu perfekte Passform erzielt wird, wenn es nicht bereits von Beginn an der Fall war. Sobald man den Diabolo nach 2-3 Seillängen warm geklettert hat dehnt er sich ein klein wenig, mit Masse in die Breite und sorgt für das Gefühl einer Komressionssocke am Fuß.

Das Lederband an der Ferse ist eine Spezialität von Boreal

Kühlt er wieder ab und trocknet ein wenig – kehren die Kletterschuhe in ihre Ursprungsform und Größe zurück. Dieses minimale Größerwerden freut den Komfort orientierten Fortgeschrittenen und ärgert unter Umständen den Performance Optimierer. Deshalb sollte der Performance Liebhaber eher zu der Minimalgröße greifen und Komfort Seeker eher von der Minimalgröße mindestens eine halbe Größe nach oben gehen. Am Beispiel von meinem Fuß – die Minimalgröße ist für mich im Diabolo – 42,5 EU oder 275mm MondoPoint (MP). Hier noch mal dickes Lob an Boreal für die Einführung dieser genauen Größenerfassung – ein großer Schritt in die Transparenz der Größen von Kletterschuhen. Ich hoffe sehr, dass weitere Hersteller diesem Beispiel folgen werden. Zurück zu der richtigen Größenbestimmung an eigenem Beispiel: kleiner als 42,5 EU geht bei mir nicht.

Kleiner als Straßenschuh darf man Diabolo nicht kaufen

Die 42,5 EU entspricht grob meiner Straßenschuhgröße. Auch wenn ich am Anfang skeptisch war, ob das nicht zu klein ist, entpuppte sich die Minimalgröße für meine Bedürfnisse als die richtige Wahl. Für längere Routen und alpine Unternehmungen hätte ich zu der 43 EU greifen müßen. Zusammengefasst – mit dem Diabolo bekommt man einen sehr komfortablen Kleterschuh, der je nach Größe entweder noch mehr Komfort oder aber gesteigerte Performance auf kleinen Tritten bringt. 

Performance und Haltbarkeit der Boreal Diabolo Kletterschuhe

Außer Tor-Hooks ist alles Sahne!

Wie ich bereits schon angedeutet hatte, ist die Performance des Diabolo für mich eine große Überraschung gewesen. Die erste Route die ich mit diesen Kletterschuhen geklettert bin, fühlte sich einen UIAA Grad leichter an. Was machte also dieses Aha-Erlebnis aus? Nun das waren die Präzision und der Support der Sohle die mich über jeden Tritt nach oben schweben ließen und von Beginn an die Begeisterung für dieses Modell weckten. Während ich den Support aufgrund der Steifigkeit der Sohle bereits erwartet hatte, war die Präzision   etwas was ich von einem Kletterschuh, der nicht der Performance Klasse angehört, nicht vorhergesehen habe.

Das Treten mit dem Diabolo ist ein Traum

Letztendlich ist die Kombination aus den beiden Eigenschaften ein absoluter Knaller. Wenn man hinzurechnet, dass man aufgrund des herausragenden Komforts Route für Route ohne Schmerzen klettern kann, dann ist Boreal Diabolo einem optimalen Kletterschuh schon sehr nahe. Das zweite Schlüsselerlebnis mit dem Diabolo hatte ich, in Fontainebleau. Ein Boulder aus dem roten Parcours hat mich seit zehn Versuchen beschäftigt und fast verzweifeln lassen. Der Wechsel auf Boreal Diabolo ließ mich förmlich hoch spazieren, verbunden mit dem Gefühl der Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit. Was ist passiert? Ich konnte mit Diabolo am kleinen, abgeschmierten Tritt dank der Zenith Sohle kleben und gleichzeitig soviel Gewicht auf die Füße bringen, dass das Halten der bescheidenen Griffe in der Crux möglich wurde.

Immer wieder überraschte mich der Teufel mit dem Durchstieg

Das sollte nicht das letzte Erlebnis solcher Natur mit dem Boreal Diabolo bleiben, auch wenn der Überraschungseffekt von mal zu mal natürlich weniger wurde. Mit mehr oder weniger Überraschung gelang es dem Diabolo (teufelstypisch) immer wieder den Ausgang meiner Klettergeschichte positiv zu beeinflußen. Ich bin nach wie vor den Teufel in meinem Kletterrucksack zu haben.

Das Hooken mit der Ferse gelingt dank des soliden und steifen Gummizuges auf der Rückseite der Ferse und der bombastisch fixierenden Velcros spielerisch. Das gilt für ca. 80% der Hook-Situationen in Routen und den nicht ganz so steilen Bouldern.

Solche Hooks sind Bombe

Wird es spezifischer, kommt die Ferse des Diabolo wegen der fehlenden Gummierung an der Seite, an ihre Grenzen. Beim Routenklettern reicht das was man mit der Ferse anstellen kann völlig aus. Für das Bouldern im Überhang hat Boreal andere Modelle wie zBsp Synergy, die dann einem helfen können den Durchstieg im Projekt zu schaffen. Das Hooken mit den Zehen ist dagegen ausbaufähig. Zwar lassen sich die Toe-Hooks dank der eher flach liegenden Zehen, gut platzieren und belasten, aber es fehlt einfach an einem Hauch von Gummi auf der Zehenbox, um die Reibung auf der Hook-Oberfläche entwickeln zu können. Wenn man bedenkt, dass Diabolo nicht als Kletterschuh für Hook-Spezialisten entwickelt wurde, dann wird einem umso deutlicher wieviel Potential noch in diesem Modell steckt, wenn man die Zehenbox und die Ferse etwas spezifischer gummiert. 

Alles hält wie am ersten Tag

Die Haltbarkeit ist dank der dicken Sohle und der Zenith Gummimischung sehr gut. Das Microfiber Material leiert nicht aus, sondern sorgt für Formstabilität. Das gleiche gilt für die Vorspannung – der Bogen im Mittelfuß bleibt bestehen und verschwindet nicht. Das Material der Zehenbox sollte beim Toe-Hooken nicht überbeansprucht werden. Erfahrungsgemäß ist Microfiber nicht das abriebfesteste Material und kriegt beim ständigen, intensiven Kontakt mit rauen Oberflächen irgendwann Löcher. Da ich mit dem Diabolo nur gelegentlich Hooks setze kann ich auf der Zehenbox kein Verschleiß entdecken. Ein weiterer neuralgischer Punkt für eine lange Lebensdauer und Spaß beim Klettern ist die Langlebigkeit der Velcros. Diese sind beim Diabolo extrem bissig und das selbst nach Monaten intensiver und chalck-reicher Nutzung. Ganz große Klasse, was die Spanier hier insgesamt geschaffen haben. 

Fazit zu Boreal Diabolo Kletterschuhe

Viel Technik für wenig Geld – bieten diese Kletterschuhe

Was ein Kletterschuh kann wird am besten in einer vergleichenden Betrachtung herausgestellt. Verglichen mit solchen, auf dem Markt etablierten, Modellen wie Scarpa Vapor VS und La Sportiva Katana ist Diabolo meiner subjektiven Empfindung nach genau so gut, wenn nicht sogar besser. Bei der Performance beim Treten gibt es immer Nuancen die für das eine oder das andere Modell sprechen. Aber der Mix aus sauberem Treten und bequemen, gut anpassbaren Sitz am Fuß ist beim Diabolo unschlagbar.

Ein Wunder in Blau – Danke Diabolo

In Wänden und Platten egal welcher Länge fühlt sich Diabolo am wohlsten. Im Überhang ist dann gute Körperspannung gefragt, um das (Nicht)Greifen mit den Zehen kompensieren zu können. Jedenfalls bleiben Katana und Vapor seit dem ich den Boreal Diabolo klettere immer mehr ungenutzt zuhause. Ist man dabei das Stadium eines Anfängers zu verlassen und mehr von einem Kletterschuh zu wollen, führt bei der Suche nach einem neuen Paar Kletterschuhe am Boreal Diabolo kein Weg vorbei. Wenn man zu den Passform und Performance Fakten noch den finanziellen Aspekt hinzufügt – Boreal Diaboloo ist in Deutschland schon unter 100 € zu haben. Dann sind diese Kletterschuhe für Anfänger und Fortgeschrittene als Angebot unschlagbar. Zusammengefasst ist Diabolo ein Jedermann Kletterschuh mit Allrounder Qualitäten, langen Lebensdauer und weiterem Entwicklungspotential. Die Damen und Herren mit schmalen Füßen können sich über eine low volume Variante (Diabola) freuen. Ich persönlich hoffe auf ein Upgrade bzw eine Modellpflege in ein Paar Jahren, die das ganze Potential des Diabolo Konzeptes ausschöpfen werden.

Die Bilder der Kletterschuhe in GROSS