Kletterschuhe Mad Rock M5 – Test

Kletterschuhe Mad Rock M5 im Test

Vorgeschichte

Angeblich Allround Kletterschuhe

Angeblich Allround Kletterschuhe

Gas Perry einer der coolsten Typen auf diesem Planeten und definitiv der mit der meisten Zangenkraft steht auf der Outdoor 2013 hinter dem Mad Rock Stand. Es sieht so aus, als ob er dort arbeitet. Nach einem kurzen Small Talk klärt er mich über die neuen Kletterschuhe namens M5 auf. Ein Allrounder mit der neuartigen Ferse und einem komplett neuen Leisten soll er sein. Der erste Eindruck meinerseits: hat irgendwas von einem BMW Rennwagen. Ich weiß nicht, warum, aber dieses Gefühl mit allen dazu gehörigen positiven Erwartungen hat sich irgendwie in mir manifestiert, sodass ich voller Freude auf das Frühjahr 2014 wartete. Mad Rock brachte M5 Kletterschuhe deutlich früher raus als erwartet und so konnte ich bereits jetzt im Januar meine Neugierde befriedigen.

Optik und Verarbeitung

Optik ist cool

Optik ist cool

Mad Rock´s Designer bewies bereits in der Vergangenheit ein Händchen für überwiegend futuristische, spektakuläre Designs was man zuletzt bei Mad Rock Shark 2.0 bewundern konnte. Mit dem M5 gelingt der Kreativabteilung ein weniger abgedrehter Look. Diese Kletterschuhe gehen eher in Richtung zeitlos schick, wie gesagt bei wird sofort die Verbindung zu einem klassischen Rennauto assoziiert. Es dominieren die Farben weiß (keine gute Nachricht für Atlantiswandliebhaber) und blau. Viel schwarzer Gummi an den gewohnten Stellen runden das Design ab. Im Endeffekt sieht der Kletterschuh echt gut aus. Er hat eine eigene besondere Note und das bei der sonst gewohnten Grundkonstruktion. Eine wie gesagt bemerkenswerte Leistung.

Einer der Kritikpunkte

Einer der Kritikpunkte

So wie es aussieht, scheint ClimbX (welches in China eine Fabrik hat) nicht für Mad Rock zu produzieren, denn auf dem Etikett steht klar und deutlich Vietnam. Ich wusste gar nicht, dass man in Vietnam auch Kletterschuhe komplett herstellen kann. Jedenfalls ist die Verarbeitung weniger perfekt aber dennoch beachtenswert. Sehr gut finde ich die Ergebnisse der Näharbeit, welche an den Nähten des Futters ganz deutlich zu sehen sind. Hier ist alles wirklich perfekt. Bei der Kombination von Materialien und Details wie Größe und Dimensionierung der Velcro Ösen, Stärke der Klettverschlüsse selbst, Verklebungen zwischen diversen Gummis und dem Schaft erkennt man jedoch kleine Defizite. Insgesamt bleibt bei mir ein solider Eindruck zurück, welcher jedoch die Bewertung mit der Note 1A nicht zulässt.

Konstruktion der M5 Kletterschuhe

Halbsohle, die kleine Kufe ist nicht so stark ausgeprägt

Halbsohle, die kleine Kufe ist nicht so stark ausgeprägt

Die dennoch ansprechende und recht moderne Optik ließ mich auf der Messe einige Neurungen in der Konstruktion erwarten. Diese Erwartung wurde nicht erfüllt. Mad Rock M5 Kletterschuhe sind auf dem neusten Stand der Technik, mehr aber auch nicht. Dieser Stand der Technik relativiert sich jedoch wiederum durch die Details der Umsetzung von den bewährten Prinzipien. M5 bietet uns als angehender Allround Talent eine Halbsohle aus Science Friction mit einer geschätzten Dicke von 3,7 mm. Diese ist (ich übertreibe nicht) sehr steif. Sie hat zwar eine leichte konkave Stelle unter den Zehen, von einem Downturn zu sprechen wäre jedoch sträflich. Der Bereich im Fußgewölbe wird durch das y-förmige Gummi in Form gehalten, was an und für sich gut funktioniert. Die Ferse ist bombastisch. Die Form und der eingearbeiteter Relief erinnert an einen Auto Reifen. Die Form ist eher rund und an der Außenseite etwas abgeflacht, was nicht immer vom Vorteil ist. Das Fersenspanngummi ist nicht zu straff und nicht zu lasch, genau so, wie es sein soll. Die Anziehschlaufen sind in Ordnung.

Die Konstruktion ähnelt bereits existierenden Modellen

Die Konstruktion ähnelt bereits existierenden Modellen

M5 ist etwas für Veganer. Für diese Kletterschuhe musste definitiv keine Kuh dran glauben. Alles besteht aus künstlichen Materialien, wie sie seit Jahren in der Branche erfolgreich verwendet werden. Die Zunge ist v-förmig geöffnet und ausreichend gepolstert. Die Velcros erfüllen ihren Zweck ich finde sie haptisch etwas zu dünn. Die Öse, in der sie umgelenkt werden ist etwas zu schmal und zu unflexibel befestigt. Die Zehenbox ist sehr umsichtig mit einem Gummipatch bedeckt. Dieser bietet an den richtigen Stellen Freiheit für die aufstellten Zehen. Das Randgummi ist fast so steif und so hart wie die Sohle selbst. Dies ist leider nicht nur an der Spitze der Fall, sondern findet sich im gesamten Verlauf wieder. M5 ist somit ein echter (Zehen)Brecher.

Passform und Größe

Downturn ist anders, wenn überhaupt sind die Zehen gemäßigt nach unten gebogen

Downturn ist anders, wenn überhaupt sind die Zehen gemäßigt nach unten gebogen

Mad Rock M5 ist im Prinzip für breitere quadratische Füße wie geschaffen. Auch griechische Zehentypen könnten sich mit der wohlgeformten und relativ hohen Zehenbox anfreunden. Die gesamte Form ist eher neutral und ohne dabei auf eine gesunde, anatomische Asymmetrie zu verzichten. M5 ist im Vergleich zum Mad Rock Shark 2.0 um Welt fußfreundlicher und physiologischer geschnitten. Trotz der straff gespannten Ferse ist der Druck auf die Achillessehne angenehm erträglich. Alles in einem ist seine Passform für mich wie geschaffen. Aber – was sollte dieser Randgummi?

Wenn die Zehenbox so bequem wie die Ferse wäre...

Wenn die Zehenbox so bequem wie die Ferse wäre…

Dieses Element raubt diesem sowieso eher zu dick gebauten Kletterschuh den restlichen Funken Komfort. Im Klartext: schon lange habe ich nicht so einen unglaublich unbequemen Kletterschuh am Fuß gehabt! Gerade da wo der große Onkel angenehm aufgestellt (hier noch mal ein dickes Lob an die Form der Zehenbox) seinen Platz findet, trifft er auf die härteste Stelle der Zehenbox. Da kann man die Größe noch so groß wählen, an diesem Konstruktionsmangel wird man nichts ändern können. Dabei passt die von mir gewählte Größe von 42,5 EU / 8,5 UK schlicht und einfach perfekt. Länge passt genau so wie die Breite. Lediglich etwas mehr Asymmetrie könnten meine Füße gut vertragen.

Hier sitzt der M5 super

Hier sitzt der M5 super

Wie sich nach den Kommentaren zum Mad Rock Shark Testbericht rausgestellt hat, bin ich ziemlich anspruchsvoll geworden. Aber ich denke, dass der Komfort von diesen Kletterschuhen deutlich unterhalb des Heute üblichen Durchschnitts liegt. Natürlich kann man diese Patschen dehnen und unzähligen Sessions voller Schmerzen den Kampf gegen das unflexible Gummimonster für sich gewinnen. Aber ich finde es ist heutzutage bei einem UVP von über 100 € nicht mehr angebracht und bei der europäischen und auch amerikanischen Konkurrenz nicht mehr notwendig. Wirklich schade, das sonst so gut vom Anasazi VCS abgeleitete und weiterentwickelte Leisten beim Tragekomfort so gegroundet wurde.

Performance wie klettert sich Mad Rock M5

Wenig Asymmetrie dafür ausreichend Spitz

Wenig Asymmetrie dafür ausreichend Spitz

Wer steife Kletterschuhe liebt, wird hier definitiv glücklich. M5 bietet viel Support, viel Zehenentlastung, viel Stabilität auf kleinen Tritten. Leider fängt das doch recht weiche Gummi auf kleinen Spax schnell an zu kriechen. Das erinnerte mich sofort an Mille Yalla und Myo. Wobei Mad Rock sich da insgesamt besser anfühlt. Greifen mit den Zehen ist unmöglich. Hat man viel Körperspannung, kann man dennoch sauber an den Spax im Überhang und auch im Dach saugen. Wird man müder tendiert der Kletterschuh zum Abrutschen. Man kann nicht alles haben, dafür kann man in der Senkrechten und leicht überhängenden Welt alles was man so will wegstehen. Insgesamt erinnert mich M5 von seinen Trittqualitäten an den Boreal Blade. Nur hat er eine etwas ausgeprägtere Spitze als Blade und Evolv Prime SC was in dazu befähigt sich in kleinere Löcher besser rein zu passen. An seinem Brechstangen Dasein ändert das aber recht wenig. M5 bleibt ein Kletterschuh für Schwergewichte, Risskletterer und hautnerven-toten Granitenthusiasten.

Der einzige richtige Pluspunkt bei M5

Der einzige richtige Pluspunkt bei M5

Beim Hooken offenbaren diese Kletterschuhe aber plötzlich ihr Zweites Gesicht. Toe-Hooks gelingen dank des griffigen Gummis an der Oberseite der Zehenbox mit Leichtigkeit. Dies ist wirklich überraschend, da die Konstruktion doch sehr steif ist und ein separates Anheben der Zehen nicht ermöglicht. Dennoch bliebt im üblichen Testhook mühelos hängen und hatte dabei ein bombensicheres Gefühl. Beim Hooken freute ich mich zu Recht bis zu dem Zeitpunkt, als ich den Schwerpunkt richtig obere Haltehand brachte und gezwungen war das Bein zu strecken. Plötzlich rutschte der so mühelos gelegte und bis dato so easy und fast schon autopilotmäßig gehaltene Hook einfach nur ab. Der Grund liegt einfach in der außen abgeflachten Ferse, welche einen anderen Belastungswinkel erfordert als dies dem Haxen lieb ist. Ein weiterer Nachteil beim Hooken mit allen Fußteilen ist die mangelnde Sensibilität. Man spürt eben nicht ob und wie lange die Verbindung Fuß-Wand noch hält. Im schlimmsten Fall wird die so sicher erlebte Position abrupt unterbrochen und man fliegt Richtung Boden.

Haltbarkeit/Einsatzbereich M5 Kletterschuhe

Das sind so die Stellen, wo man nicht weiß ob es sich mit der Zeit was tut

Das sind so die Stellen, wo man nicht weiß ob es sich mit der Zeit was tut

So wie ich Mad Rock aus der Vergangenheit kenne wird die Haltbarkeit des M5 den Five Ten Rekord auch mit der neuen Made in Vietnam Qualität nicht brechen können. Dennoch bin ich überzeugt, dass M5 mindestens genau so lange (durch)hält wie ein Miura VS. Einzig die Verklebungen an der Ferse etc. (siehe Bilder) geben mir zu denken. Wer einen verifizierten Wert bzgl. der Haltbarkeit abgeben kann, ist im Kommentarfeld willkommen! Was den optimalen Einsatzbereich angeht, würde ich gerne als Empfehlung Halle und leistigen, klar strukturierten Fels rausspucken. Für Diffizile, marginale Trittformen ist M5 in seiner ganzen Art einfach zu unsensibel und auch zu unflexibel. Weiterhin bin ich überzeugt, dass man durch das panzerartige Randgummi in den fleischfressenden Rissen bestens geschützt ist. Alles andere bleibt den individuellen Vorlieben bzgl. Härtegrad der Sohle etc. überlassen.

Fazit

Gute aussehende und stabile Kletterschuhe für wahre Indianer

Gute aussehende und stabile Kletterschuhe für wahre Indianer

Mad Rock Kletterschuhe lassen mich immer wieder hoffen und enttäuschen meine hohen Ansprüche dann doch immer ein wenig. Auch hier wieder betrifft es den Bereich Komfort. An und für sich würde ich dennoch diesen Kletterschuh jederzeit dem Mad Rock Shark 2.0 vorziehen. Er lässt sich leichter an- und ausziehen, ist vielseitiger und deutlich geeigneter für das alltägliche Klettern. Als neue Messlatte im Bereich er Allround Kletterschuhe würde ich M5 nicht bezeichnen. Eine fast erfolgreiche Weiterentwicklung der bestehenden Modelle ist er allemal und sollte in Zukunft leicht überarbeitet und verbessert die starke Konkurrenz deutlich besser aufmischen können. Es bleibt anzumerken das Gaz Perry einen neuen Arbeitgeber hat und nun in der UK mehr mit den Scarpa Kletterschuhen bei Events zu sehen ist…

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Weitere Informationen:

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