Kletterschuhe Scarpa Instinct Lace V2

Ein System Upgrade ohne böse Überraschungen

Ein erfolgreicher Upgrade

Scarpa gehört zu den Herstellern, die ihre Produkte kontinuierlich verbessern, optimieren oder durch neue und bessere ersetzen. Manche Kletterschuhe müßen nur geringfügig angepasst werden. Dazu gehört Instinct Lace einer der ersten Modelle der Instinct Reihe. Dieser Schnürer den ich im Folgenden als Instinct L V1 bezeichnen werde, etablierte sich sehr zügig auf dem Markt und erfreute sich großer Beliebtheit. Nichts ist perfekt und so stellte sich das Team Design und Weiterentwicklung um den Heinz Mariacher der Herausforderung das bestehende zu erhalten und Kleinigkeiten noch besser zu machen. Ob es gelungen ist und was der Benifit des Instinct Lace V2 ist, beantwortet dieser Testbericht.

Konstruktion & Passform und Größe

Downturn ist der gleiche

Instinct L V1 war damals das erste Modell mit Bi-Tension, hatte eine durchgehende Sohle mit XSGrip2 Gummi und bestand nur in der Zehenbox aus Lorica. Der Rest war aus Leder. Ein Toe-Hook Patch zierte damals schon die Oberseite der Zehenbox und vermag sie vor Abrieb zu schützen. Instinct L V1 war ein breiter Kletterschuh der sich im Laufe der Zeit (Leder sei Dank) zusätzlich weitete. Das war für manche Kletterer natürlich unangenehm, denn irgendwann helfen die Schnürsenkel nicht weiter, um diesem Weitungsprozess entgegen zu wirken. Scarpa reagierte und setzte im Instinct L V2 Microfibre Material im gesamten Schaft ein. Zusätzlich ist der aktuelle Kletterschuh mit einem Kunststoffnetz überzogen, was die Formstabilität zusätzlich erhöht.

Das Patch ist neu

Die Zehenbox hat ein neues Patch bekommen, welcher bereits beim Stix V2 Verwendung findet. Das Besondere ist: das Randgummi geht vorne an der Spitze in das besagte Patch über, dadurch spart man sich eine Überlappung an dieser Stelle ein. Dieser Aufbau aus einem Guß hat sicher positive Auswirkungen auf Stabilität und Haltbarkeit der Zehenbox. Die Sohle ist nur noch eine 1/2 Sohle und keine durchgehende mehr wie es bei Instinct L V1 der Fall war. Die Ferse hat der neue Lace V2 vom Instinct VS und VSR geerbt. Das ist eine echte Verbesserung, denn die Ferse ist eine echte Waffe und hat sich beim VS absolut bewährt. XSEdge ist die neue Standard Gummierung beim Instinct L V2 was die Kantenstabilität signifikant verbessert.

Die Passform ist etwas weniger weit

Die Passform kommt mir im Grunde gleich aber dennoch etwas verändert vor. Das Volumen wirkt reduziert die ehemals breite Zehenbox empfinde ich als schmaler. Die Ferse sitzt bombastisch. Der Instinct L V2 stellt die Zehen voll Gas auf, irgendwie passt mir dieser kaum asymmetrischer und kompromissloser Kletterschuh noch weniger als das alte Modell. Zudem finde ich, dass Lace V2 den großen Zeh schon deutlich in Richtung Mitte drückt. Ansonsten hat man deutlich mehr das Gefühl eine Kompressionssocke an zu haben, als es beim Vorgänger der Fall war. Diese Kompressionssocke ist zudem sehr komfortabel. Die Größe beim Instinct Lace V2 hat sich für mich tendenziell verkleinert, eine 41,5 EU ist nun gänzlich utopisch. 42 EU ist schon echt ENG. All die Kletterer die sich einen schmaleren und etwas weniger voluminöseren Instinct Lace gewünscht haben, bekommen mit Instinct Lace V2 diesen Wunsch erfüllt.

Performance dieser Kletterschuhe

Die Ferse ist wirklich eine echte Weiterentwicklung

Instinct Lace V2 klettern sich nach wie vor sehr präzise, pointiert und bieten eine hohe Unterstützung auf kleinen Tritten im vertikalen Gelände. XSEdge zahlt auf kleinsten Leistchen voll und ganz aus, für mich persönlich ist dies die kantenstabilste Gummimischung auf dem Markt. Was das Klettern im Überhang angeht merkt man zwar einwenig, die  Auswirkungen der 1/2 Sohle, in Sachen Flexibilität und Agilität aber Instinct bleibt ein eher steifer Kletterschuh, der im steilen Gelände den Spezialisten wie Drago, Chimera, Furia nicht das Wasser reichen kann. Die Ferse ist wirklich eine Bereicherung für die ohnehin schon große Vielseitigkeit dieses Modells. Diese Ferse ist zusammen mit der Schnürung eine unschlagbare Kombination, die in vielen Boulderproblemen die Lösung darstellen kann und wird. Was das Toe-Hook Patch und deren Auswirkungen angeht: ich finde es gibt bessere Gummierungen auf der Zehenbox. Als Schutz des Materials und als Notlösung beim Toe-Hooken in Routen ist dieses Feature absolut in Ordnung.

Fazit – Scarpa Instinct Lace V2

Kunstfasersocke mit Waffengarantie

Das Bessere ist der Tod des Guten. Diese Weisheit trifft beim Upgrade des Instinct Lace V2 nicht zu. Alles Optimierungen waren sinnvoll, begründet und sind gelungen. Ob eine Gewichtsreduktion ein wirklicher Vorteil ist, bezweifle ich, denn dünneres Material, welches bei so einer Gewichtsreduktion unumgänglich ist, bewirkt neben der Steigerung des Komforts vor allem Dingen eine geringere Haltbarkeit. Man kann nun mal nicht alles haben, Die philosophische Frage nach Komfort vs. Haltbarkeit möchte ich an dieser Stelle nicht stellen, denn diese ist nicht ganz so leicht zu beantworten. Insgesamt bietet Instinct Lace V2 allen Fans einen besseren Komfort, eine optimierte Passform und eine unverändert starke Performance. Das ganze natürlich leben lang, auch wenn dies eine relative Größe darstellt und ich nicht au ein Leben nach der Wiederbesohlung glaube. Ein Upgrade lohnt sich alle mal, spätestens wenn das alte Modell nicht mehr verfügbar sein wird.

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2 Antworten zu Kletterschuhe Scarpa Instinct Lace V2

  1. Daniel schreibt:

    Hi,

    lange war ich auf der Suche nach „meinem“ Kletterschuh und habe ihn hiermit gefunden. Meine Kletterschuhhistorie: Veloce, Miura VS, Genius, Python, Booster S, Boostic, Furia, Drago und Testarossa habich aktiv geklettert und alle neuen La Sportiva zumindest in der Halle getestet.

    Hier mein Eindruck dazu:

    Passform & Konstruktionsmerkmale

    Instinct Lace passt mir mit ägyptischer Fußform die Mittelbreit ist und eine normale/breite Ferse hat extrem gut. In 39.5 (vgl La Sportiva Python/Skwama/Otaki 38.5 Genius/Testa 39) geht der Schuh so auf den Fuß dass ich beim ersten Mal anziehen diesen Vacuum fit habe. Alle Luft wird rausgepresst. Sofort ist der Instinct aber total bequem weil er eben genau meine Fußform hat und das Micromesh von Scarpa das bequemste Material ist dass ich kenne. Für das Hallentraining reicht mir auch Größe 40 (klettere also beiden Größen), damit kann ich besser auf Reibung ansteigen an den Volumes der Boulderwand (und ihn 20-30 Minuten am Stück tragen). Der Schuh weitet sich nach intensivem Schwitzen ca. 0.5 Größen meiner Erfahrung nach. Die Toe Box bleibt jedoch nahezu unverändert, und die restliche Weitung kannman mit der Schnürung wieder wett machen -> perfekte Passform bleibt erhalten.

    Was ich richtig genial finde ist der abriebsfeste gummi an der Zehenkappe, endlich auch mitschieben oder die Seite auf Reibung in die Wand ohne gleich mal das Gefühl zu haben hier zerlegt es den Schuh.

    Die Passform ist zwar ähnlich Instinct VS, aber anders weil der Instinct VS die Zehen stärker aufstellt, Das ist der zweite Vorteil vom Lace: mit weniger aufgestellten Zehen kommt man viel besser in Löcher. Total genialer Lochschuh mit der Spitze. Ich komme aber mit den Instinct VS gleich gut klar, aber der ist halt nicht so haltbar wegen dem dünneren Randgummi.

    Performance

    Ich hab den Schuh mitn Booster S und Drago/Furia direkt verglichen, und in allen erdenklichen Situation schlägt er den Booster S, den Drago schlägt er in allen Situationen bis auf Reibungskletterei. Ich kann lustigerweise auch besser Toe Hooken damit obwohl der Gummi nicht so reibungsfreudig ist. Aber mein Fuß wird durch das Schnürpaket besser unterstützt sodass ich letztendlich mehr Druck auf Tritte und Hooks bekomme. So ist es mir auch schon passiert dass Reibungstritte im Überhang total einfach waren und mit dem Drago unmöglich weil er so weich ist dass der Druck nicht ausreicht den ich da im Fuß hatte. Cool ist auch dass ich jetzt noch viel präziser auf der Spitze steige weil der Schuh da eben am Stärksten ist. Drago/Booster S sind ja auf der Innenkante besser und nicht so präzis an der Spitze. Ich würde die Spitze des Schuhs mit dem Testarossa vergleichen von der Performance und bei der Präzision mit Boostic. Das allerbeste ist natürlich die Ferse, ich liebe HeelHooks, und selbst die Drago Ferse funktioniert nicht sogut (ist zwar annähernd die gleiche, aber die Drago Ferse rutscht mehr weil sie nicht so fest am Fuß sitzt, der Single Velcro reicht da nicht aus). Habe die Ferse mit der neuen S-Heel von La Sportiva verglichen – da war für mich klar: es wird kein La Sportiva.

    Zur Haltbarkeit kann ich sagen dass ich jetzt 2 fast durch habe, und der Schuh ist immernoch wie neu (Downturn, Toe Box Gummierung, Verklebungen…). Es wird von mir aber auch fein säuberlich gereinigt und Innen mit Biozid eingesprayed nach jeden Klettern – dann kommt er zum Trocknen auf die Terasse. Das ist der erste Schuh den ich guten Gewissens zum Wiederbesohlen schicken werde und ich bin mir sicher er ist danach immernoch top.

    Fazit

    Nie hat mich ein Schuh so begeistert wie dieser, ich war immer auf der Suche nach dem Schuh der endlich alles kann. Für meine Fußform habe ich den hier endlich gefunden. Ich kann den echt für Kletterer/Boulderer mit ägyptischer Zehenform nur wärmstens empfehlen.

    VG

    Daniel

    ps: Danke für deine ganze Arbeit hier auf dem Blog…2 Jahre intensives recherchieren hats gedauert aber letztendlich hat es nun zum Erfolg geführt den Schuh zu finden und deine Seite trägt da ein maßgebliches Stück bei.

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