Lowa Red Eagle Lacing

Testbericht Kletterschuhe Lowa Red Eagle Lacing

Ein eher tristes Pärchen

Ein eher tristes Pärchen

Nach dem ich Red Eagle Lacing von Lowa das erste Mal sah, hatte ich sofort die Assoziation mit dem Rocterra Varan. Nach dem ich bei der Outdoor 2011 den Macher hinter dem Namen Rocterra ausfragte, bestätigte er mir, dass Lowa seine Leisten jetzt wieder aufleben lässt. Der Unterschied zwischen dem Read Eagle Lacing und dem schwarzen Varan ist beträchtlich. Optisch ist er kaum zu erkennen. Nur die Form und das Grundprinzip sind geblieben. Betrachtet man jedoch dieses BILD, sind die optischen Unterschiede nur noch auf Kleinigkeiten begrenzt. Nun gut. Ich finde es trotzdem Klasse, dass die guten alten Rocterra Leisten weiter leben und wollte wissen, was die Schuhe so drauf haben. Da ich den Red Eagle Velcro bereits ausführlich beschrieben habe, möchte ich in diesem kurzen Review lediglich auf die Unterschiede zwischen den beiden Modellen zu sprechen kommen und weniger ins Eingemachte gehen.

Optik und Verarbeitung

Vorspannung ist im Vergleich zum VC mittel

Vorspannung ist im Vergleich zum VC mittel

Von der Gesamterscheinung her musste ich zwangsläufig sofort an Red Chili Corona denken. Ich kann es an nichts festmachen, ist nur so ein Gefühl bei erstem Eindruck. Der Kletterschuh an sich ist nicht hässlich, aber genau so wie beim Velcro fehlt mir in der Optik das gewisse Etwas. Der graue Grundton wird lediglich von Rot unterstützt. An sich stimmig ausgewogen, nicht zu viel nicht zu wenig, für mein Geschmack jedoch etwas langweilig.

Die Zehenbox ist nicht so flach wie sie aussieht

Die Zehenbox ist nicht so flach wie sie aussieht

Bei der Verarbeitung fiel mir der Red Eagle Lacing genau so wie der Velcro durch sehr saubere und professionelle Umsetzung auf. Die bereits hochgelobte Machart des Innenfutters findet sich in diesem Kletterschuh genau so wieder und begeistert mich nach wie vor. Bis auf eine mm breite Klebespur am Schaft gibt es nichts zu bemängeln, dass bekommen selbst die Italiener nicht besser hin. Soweit ich informiert bin, kommen Lowa Kletterschuhe aus Tschechien, was für dieses Unternehmen in Sachen „Standort Europa“ spricht. Finde ich gut!

Konstruktion, Passform, Größe

Obwohl Halbsohle - ist Lacing etwas umflexibel

Obwohl Halbsohle – ist Lacing etwas umflexibel

Dieses Kletterschuhmodell des Einsteigers Lowa (natürlich nur auf dem Markt der Kletterschuhe, überall anders ist Lowa ein alter Hase!) fällt ebenso mit Vorspannung und einer Halbsohlenkonstruktion auf. XSGrip ist auch hier obligatorisch, die Sohle jedoch steifer und die konkave Wölbung weniger stark ausgeprägt im Vergleich zum Velcro Modell. Der im Namen verankerte Unterschied kennzeichnet die Art des Verschlusses. Diese Schnürung ist eine Speed-Lacing Konstruktion mit einem Stanzloch als letztes Element. Dank diesem kleinen Detail gleiten die Schnürsenkel nicht zurück und man kann fast problemlos den Schuh fixieren.

Sie tut was sie soll, schnell und einigermaßen sicher

Sie tut was sie soll, schnell und einigermaßen sicher

Die Schnürung geht nicht bis in den Zehenbereich runter, was für mich persönlich keinen Beinbruch darstellt. Man kann diesem Kletterschuh schnell und leicht schließen und öffnen. Was will man mehr. Im Unterschied zum Velcro ist der gesamte Oberschuh perforiert. Bei den jetzigen Temperaturen konnte ich jedoch keinen kühlenden Effet verspüren. Dafür muss es vermutlich richtig heiß sein! Dafür ist das Teil echt geschmeidig. Die Form ist eine andere, als beim Velcro. Etwas schmaler und etwas ägyptischer von der Spitze in Richtung kleiner Zehen abfallend, hat der Red Eagle Lacing so etwas mehr Pointierung bekommen. Die Sohle ist weniger vorgespannt dafür ist die Zwischensohle merklich steifer. Die Fersen sind aus meiner Bewertung heraus identisch.

Die Passform sollte den Ägyptern und nicht ganz so breiten römischen Füßen zugute kommen. Ich mit meinem quadratischen Fuß habe in der sehr großen 43 EU keine Probleme (außer der kleinen Zehe, welche mehr als beim Velcro abgedrückt wird).

Man sieht das LAcing deutlich spitzer geschnitten ist

Man sieht das LAcing deutlich spitzer geschnitten ist

Ob ich eine kleinere Größe mögen würde und wie weit runter ich den Red Eagle „downsizen“ könnte möchte ich nur kurz mutmaßen. Ich denke ab 42 EU wird dieser Kletterschuh für meine Füße, trotz der ganzen Komfortbestrebungen von Lowa kein Geschenk darstellen. Ob ich auf die Größe 41,5 EU runterkommen könnte, wage ich zu bezweifeln. Alles in einem ist dieser Kletterschuh von vorne bis hinten bequem. Nur das Randgummi könnte dünner und somit geschmeidiger sein. Sonst Daumen hoch für diesen Debütanten. Für ernsthaftes Klettern sollte man aber 1-2 Größen von der Straßenschuhgröße runter gehen. Da dieser Kletterschuh aus Synthetik gefertigt ist, rechne ich mit keiner oder sehr geringen Dehnung.

Performance, Haltbarkeit, Einsatzzweck

Die Spitze ist sehr stabil

Die Spitze ist sehr stabil

Den größten Unterschied zwischen beiden Red Eagle Modellen macht die Steifigkeit und die etwas präzisere Spitze der Lacing Varinte aus. Dies merkt man beim Stehen auf kleinen Tritten, denn es kostet kaum Zehenkraft. Dafür ist das Greifen mit den Zehen überhaupt nicht drin. Es ist also Geschmacksache, ob man mit diesem Kletterschuh in die Monsterüberhänge einsteigt. Ich persönlich finde die Performance im Senkrechten und leicht hängendem Gelände gut bis sehr gut, im Überhang und Dach o.k. – befriedigend.

Diese Wölbung könnte für mich persönlich noch größer sein

Diese Wölbung könnte für mich persönlich noch größer sein

Man fühlt recht wenig vom Tritt, ich hoffe und denke, dass es sich mit der Zeit bessert. Das XSGrip reibt gewohnt gut, ob dieses Modell jedoch einen lupenreinen Platten Schuh im alpinem Gelände abgeben kann, ist eher fraglich. Beim Hooken, bewegte sich die Ferse vom Fuß ganz kleines bisschen weg. Nicht wild, aber es reicht um beim Hooken am Limit die Aktion wegen Unsicherheit abzubrechen. Es gilt also sich zu gewöhnen oder bei diesem Limit Hook ihn gegen ein anderes Paar Kletterschuhe auszutauschen. Ob eine kleinere Größe da Abhilfe bringt, rate ich aus zu probieren bevor man voreilig den Red Eagle abschießt. Die Toe-Hooks, sind für einen Schnürer gut möglich. Mit einem besseren (dünneren und großflächigeren) Gummibezug auf der Zehenbox, könnte dieser Kletterschuh eine ganze Menge mehr.

große Toe Hooks sind kein Thema

große Toe Hooks sind kein Thema

Das Anheben der Zehen wird mit der Zeit etwas besser. Mit der weicher werdenden Sohle und dem nachgebenden Material kommt etwas mehr Flexibilität ins Spiel. Wie lange man dafür Warten/Klettern muss, kann ich nur vermuten. Denke aber ab der Hälfte des Kletterschuhlebens hat man den Red Eagle dann auch weichgeklopft. Da die Lebensdauer meiner Meinung nach mit Masse vom Gummi und der Geometrie abhängt, schätze ich dieses Lowa Kletterschuh Modell als gut bis sehr gut haltbar. Je präziser man Tritt, desto länger hält natürlich jeder Schuh. Einer Wiederbesohlung steht seitens des Oberschuhs nichts im weg, sodass das Geld gut angelegt ist. Was den Einsatzbereich angeht, sehe ich den Red Eagle Lacing auf alle Fälle draußen am Fels zu Hause. XS Grip ist eine sichere Bank, die in Verbindung mit einer steifen und präzisen Sohlenspitze eine sehr solide Performance abliefert. Trotz der ganzen Komfort Ausrichtung des Schürers bleibt sein alpiner Einsatz von der Größenwahl abhängig. Ordentlich ENG gekauft ist dieser Kletterschuh ohne vorherige Erfahrung in großen Wänden mit Vorsicht zu genießen. Für diesen Zweck würde ich mich an Strassenschuhgröße orientieren und maximal eine halbe Größe runter gehen.

Fazit

Schlank und rank

Schlank und rank

Alles in einem ist Lowa mit diesem Kletterschuh ein, aus meiner Sicht, hervorragender Einstieg gelungen, welcher mich wie gesagt positiv überrascht hat. An die Spitzenreiter auf dem Markt kommt Red Eagle zwar von der Performance her noch nicht heran, aber mit wenigen Modifikationen kann man ihn zu sehr markantem Leistungssprung verhelfen. Die Komfort Idee ist von Lowa konsequent in die Tat umgesetzt worden, was dem Hersteller weitere Sympathiepunkte sichert. Alles in einem ist Red Eagle ein sehr gelungenes Debüt – es bleibt die Hoffnung, dass die Entwicklung im Bereich der Kletterschuhe bei Lowa weitergeht. Nur so kann sich der Hersteller langfristig auf dem Markt behaupten. Einfach selber an- und ausprobieren, diese Zeit und Mühe ist sicher kein Verlust.

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Weitere Informationen:

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