Mad Rock Shark

Kletterschuhe Mad Rock Shark 2.0 im Test

Vorgeschichte

Orange bringt Leben in den Gummistiefel

Orange bringt Leben in den Gummistiefel

Was Mad Rock schon immer drauf hatte waren die Optik und die Fersenkonstruktion. Das zeichnete für mich diese Firma aus. Ich hatte nur ein Paar Loco´s aber das hat mir gereicht. Deshalb war ich sehr skeptisch im Bezug auf den neuen „Gummischuh“ der amerikanischen Firma. Skeptisch, weil mich dieser Schuh an bereits Bestehende erinnert hat, weil ich die Performance anzweifelte und vor allem Dingen, weil ich instinktiv davon ausgegangen war, dass er wieder mal nicht bequem sein wird. Die Neugier hat gesiegt und ich entschloss mich das Teil wenigstens kurz an zu testen, auch deshalb, weil die einzigen Infos im Internet aus USA eher in die Richtung der „neuen Waffe“ gingen. „Klar!“- dachte ich mir.

Optik und Verarbeitung

Mad Rock Shark innen

Das orange Gummi erinnert an Mago

Wie ich schon sagte, ist die Optik nicht von schlechten Eltern. Würde mich dieser Schuh nicht so stark an Jet 7 und (bisschen) an Solution erinnern, wäre die Lobeshymne an dieser Stelle noch ausschweifender gewesen. So ist die Optik cool, hinterlässt aber ein tief im Reptilienhirn sitzendes Gefühl eines Déjá-vu. Viel schwarzen Gummi und eine orange x-förmige Gummierung dominieren die Optik des Shark´s. Bissig sieht er auf alle Fälle aus und das ist schon mal thematisch die halbe Miete.

Wie man sieht bis ins Detail gut verarbeitet

Wie man sieht bis ins Detail gut verarbeitet

Die Verarbeitung ist nicht schlecht für einen in Fernost gefertigten Schuh. Ich hätte spontan auf China getippt, doch das Etikett hat Vietnam als Ursprungsland ausgespuckt. Egal wo, die Leute die diesen Kletterschuh gemacht haben, verstehen ihre Arbeit. Er wirkt trotzdem irgendwie „unvollendet“. Dabei sind alle Details sehr gut umgesetzt, verklebt, vernäht usw. Nur spüre ich keine Leidenschaft, wenn ich dieses Produkt in die Hände nehme.

Konstruktion

so sehen Sieger aus

so sehen Sieger aus

Wie ich bereits sagte, sind Fersen schon immer die Kernkompetenz von Mad Rock gewesen. Weit vor Solution arbeitete Mad Rock mit voll gummierten Fersenkonstruktionen. Diese Teile konnten super Hooken, dies galt als unbestritten. Mad Rock Shark ist ja als High End Gerät konzipiert. Das sieht man an der Vorspannung und der Halbsohlenkonstruktion für mehr Flexibilität der Sohle. Nicht zuletzt dank der sehr breitflächigen Gummierung auf der Zehenbox, sieht dieser Schuh wie ein Gummiknüppel für Bouldersessions aus. Die Ferse ist hart, fest und voll gummiert. Sie hat eine auf den ersten Blick unnötige Gummilippe drauf. Die Sohle ist Mad Rock typisch in Hufenform ausgearbeitet. Die Spitze ist eher runder, der gesamte Schuh ist eher weicher Natur, was für eine klare Ausrichtung auf den Überhang spricht. Der einzelne Velcro ist viel zu dünn, für mich persönlich und ist etwas fummelig beim Aufmachen. Die Zunge könnte etwas mehr Dämpfung und Schutz für den Rist bieten und weicher sein. Alles in einem ist die Konstruktion keine Weltneuheit und besteht aus bereits vorhandenen Kletterschuh Konstrukten. Einzig die Ferse überzeugt voll und ganz.

Passform und Größe

Asymmetrie? Fast gerade

Asymmetrie? Fast gerade

Vorsichtigerweise habe ich eine 8,5 UK also eine 42,5 EU bestellt und bin zufrieden mit dieser Größenwahl. Obwohl die 8,5 UK etwas zu groß ist, fällt es superschwer da rein zu kommen und noch viel schwerer wieder raus zu kommen. Da der Shark um den Knöchel herum sehr hoch geschnitten ist, kann er dem einen oder anderem drücken. Was passt mir also an der 8,5 UK nicht. Der große Zeh ist kaum gebeugt, dabei ist der Druck auf die anderen Zehen zu groß. Kleiner geht es also nicht.

Die Zehenbox ist nicht so hoch

Die Zehenbox ist nicht so hoch, aber auch nicht flach

Der Übergang vom Rist zur Zehenbox erfolgt in so einem spitzen Winkel dass  ich meinen Fuß förmlich da rein prügeln muss. Mach kein Spaß. Das Gummi um die Ferse herum ist zwar gut anliegend, erschwert das Ausziehen aber erheblich. Ich habe mir eine dritte Hand gewünscht, um diesen Kletterschuh vom Fuß zu pellen. Ich möchte mir nicht vorstellen wie sich das bei einer 8 UK anfühlt. Hat man also einen proportional langen großen Zeh, sollte man mit diesem Modell gut zurechtkommen. Ob die Zehenform dabei ägyptisch oder griechisch ist, bleibt beim Shark egal. Die Breite ist weder richtig schmal noch breit. Komfort ist dank des ganzen Gummis einfach nur nicht gegeben. Auch bei der 9 UK ist da eine Besserung nicht in Sicht. Alles in einem kein Kletterschuh für meinen Fuß.

Performance 

Die Toe-Hooks gehen gut

Die Toe-Hooks gehen gut

Eine Waffe wie sie im Buche steht..? Nichte ganz! Shark kann sich dank der eher steifen Sohle vorne, gut mit der Spitze in die kleinen Tritte reinbeißen. Das Ziehen geht dank des flexiblen Sohlenaufbaus ganz gut. Es fällt aber die wietere Übertragung aus der Mitte des Schuhs nach vorne, wenn es darum geht, richtig zu greifen. Platten mit dem Schleichen auf Reibung ist sicher nicht sein Ding. Beim Bouldern kann er vor allem mit dem Gummipatch punkten. Für mein Dafürhalten ist es ein guter Schuh für leicht und stark aufhängende Wände. Der Hammer in diesem Kletterschuh ist die Ferse. Man legt sie locker überall rein und kann sie super easy belasten. Kein abrutschen, der Fuß bewegt sich keinen mm in diesem Gummistrumpf! Auch die Lippe scheint gänzlich richtige Leistung zu bringen, denn noch nie hatte ich beim Standard-Test-Hook so ein sicheres Gefühl. Es ist so, als ob man im Hook so richtig einrastet und dann nur noch einen Bruchteil der Körperspannung beim Halten benötigt. Ich will hier nicht übertreiben, aber es ist das Einzige was an diesem Kletterschuh besonders ist und mich wirklich beeindruckt hat.

Haltbarkeit

Aber die Hooks noch besser!

Aber die Hooks noch besser!

Wenn die Gummimischung der Sohle (Since Friction) so ist, wie sie früher war, dann ist Haltbarkeit sehr begrenzt. Das Gummi ist weich und weiche Gummimischungen neigen nun mal schneller zum Abrieb. Ob der neue Mad Rock Shark sich irgendwann so auflöst wie der  Loco kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich denke nicht, dass es passiert, da alle Gummi Verklebungen sehr solide wirken. Was durchaus sein kann, dass der Klettverschluss schneller bricht als, einem lieb ist. Er ist nämlich dünner als der von Team, Jet 7 und Blackwing. … reine Vermutung – so aus dem Bauch heraus …

Empfehlung Einsatzbereich

Mad Rock Shark v oben

Gummischuh …

Gute Frage. Mad Rock Shark 2.0 kann sicher: Wettkämpfe am Plastik, ultraharte Hooks am Plastik und Fels, kleine Leisten wegstehen drinnen und draußen. Sicher kein Routenschuh für mich, da er einfach zu unbequem ist. Für einen Boulderschuh kommt man sehr schwer rein und noch schwerer raus. Da ist nichts mit dem guten alten Slipper Feeling. Muss jeder für sich selbst entscheiden, irgendwo im High End Bereich kann man diese Kletterschuhe schon gut gebrauchen – irgendwo.

Fazit

Nicht ganz so abgespacet

Shark – icht ganz so „abgespaced“

Im Endeffekt hat sich alles bestätigt. Shark 2.0 passt nicht, weil er eine komische (für mich) nicht physiologische Form hat. Er überzeugt wie schon geahnt mit der bombastischen Ferse. Das war es schon. Nicht falsch verstehen: man kann mit diesem Kletterschuh gut klettern, bei passendem Fuß sogar sehr gut. Er kostet im Vergleich zu anderen „High Teich Waffen“ nicht die Welt und tut seine Arbeit in alle Richtungen. Für mich gibt es jedoch besser passendere und leistungsstärkere Kletterschuhe auch in diesem Preissegment (Instinct S z.Bsp). Dieser Kletterschuh ist kein kompletter Schrott aber auch alles andere als eine neue Dimension in der Welt des Kletterns.

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4 Antworten zu Mad Rock Shark

  1. MR schreibt:

    Servus zusammen,

    da ich bis jetzt sehr von deiner tollen Seite profitieren konnte und ich es bemerkenswert finde, wie ausführlich Du dich hier dem Thema der Kletterschuhe widmest, will auch ich meinen Beitrag dazu leisten und kurz vom Mad Rock – Shark 2.0 berichten.
    Ich habe mir den Mad Rock gekauft, weil: Mad Rock wurde mir von einem Bekannten empfohlen. Daraufhin habe ich nach einem guten Bouldermodell geguckt und bin beim Shark 2.0 gelandet. Zusätzlich war er reduziert. Vorher habe ich allerdings den Testbericht auf dieser Seite gelesen und war daraufhin etwas skeptisch – da die negativen Eindrücke allerdings hauptsächlich mit der Passform verknüpft waren habe ich den Schuh trotzdem bestellt.
    Mein Erfahrungsbericht basiert auf den Eindrücken von 3x bouldern am Plastik. Ich lege weniger Wert auf Komfort als auf Performance (ich bouldere hauptsächlich; Bouldern:Seilklettern = 80:20).

    Mein Fuß:
    Entspricht in Länge etwa deinem Fuß. In der Breite würde ich sagen, dass meiner 0,5-1cm schmaler ist. Wahrscheinlich ist mein Rist auch etwas flacher.

    Zum Schuh:

    Verarbeitung und Aussehen: Gefallen mir sehr gut!

    Größe und Passform: (Vgl.: Miura Lace: 39,5) Bevor ich den Schuh bezüglich seiner Größe testen konnte, musste ich erst in den Schuh rein. Leichter gesagt als getan. Soll heißen, die kleinste Größe in die ich rein gekommen bin war die 42. Eigentlich komisch, dass der Einstieg bereits die Größe hinsichtlich der Länge determiniert. Also wirklich, das reinkommen war brutal schwer (war kurz davor ein kleines Fingertraining zu machen um Verletzungen zu vermeiden) – absolut abgefahren, habe so etwas noch nicht erlebt. Als ich dann im Schuh war, war es für mich insofern glücklich, als dass der Schuh auch von der Länge gleich gepasst hat (nach deiner Definition sehr eng bis eng). Ich finde den Velcroverschluss in Ordnung. Allerdings gleiches Phänomen bei mir, etwas stärker aufgestellte seitliche Zehen im Vgl. zum großen Zeh. Downturn und Vorspannung fühlten sich gut an. Das Ausziehen ging bei mir allerdings sehr problemlos – einmal gescheid an die Ferse gefasst und abgezogen. Nach 3x bouldern komme ich jetzt auch deutlich einfacher in den Schuh.

    Performance: Heel-Hooks und Toe-Hooks gehen astrein. Sobald der Tritt in die Nähe kommt, zieht ihn der Schuh wirklich gut an – ergo auch gute Sohlenperformance (Downturn + Gummi). Allerdings muss ich sagen, was die Performance angeht, werde ich nochmal berichten, sobald ich noch öfter bouldern war (hoffentlich denke ich daran 😉 ), der Gesamteindruck ist noch nicht ganz angekommen – bis jetzt bin ich aber sehr zufrieden.

    Fazit: Bis jetzt komme ich seht gut mit dem Schuh zurecht. Passform ist sehr gut, liegt aber wahrscheinlich daran, dass mein Fuß etwas schmaler ist. Wie bereits oben erwähnt, liegt mein Augenmerk auf Performance. Wenn der Schuh mal zwickt, was er nicht tut, wäre das für mich auch nicht so schlimm. Ich will sagen, ich bin kein Komfortfreak, wenn ich aber einer wäre, dann würde ich, mit meinem Fuß, lediglich den problematischen Einstieg in den Schuh kritisieren.

    Viele Grüße und weiter so =)

    • kletterschuhtest schreibt:

      Grüß dich,
      Danke für deine detaillierte und objektive Schilderung!

      Wie bist du mit dem Miura Lace in 39,5 zurechtgekommen? Wie schwer bist du ungefähr?
      Ich glaube dir absolut das man mit dem shark geil Bouldern kann. Ich glaube ich bin ganz schön mäkelig geworden…Freu mich mehr von der Performance und vor allem Haltbarkeit zu hören!
      VG

      • MR schreibt:

        Servus,

        gern‘ geschehen =).

        Mit dem Miura Lace in 39,5 bin ich sehr gut zurecht gekommen. Ist auch immer noch mein Schuh der Wahl wenn es ums Seilklettern geht. Das Leder hat sich sehr schön angepasst mit der Zeit und als Schnürer (Lace) hat er natürlich den Vorteil, dass er eine Mehrpunktgurtung bietet (im Vgl. zu den Velcros, die ja maximal 3 Punkte zum zugurten haben; Mad Rock – Shark 2.0 ja sogar nur einen) und der Sitz dadurch schön straff über den ganzen Rist geht. Heel- und Toe-Hooks empfand ich immer als Schwachpunkt bei dem Paar Miura Lace und mein Fuß. Toe-Hooks: ja klar, weil vorne keine Gummierung, Heel-Hooks: da weiß ich leider nicht warum, vielleicht ist meine Ferse etwas zu schmal, aber so bombig gesessen haben die nie.

        Ich wiege zwischen 77-78 Kg bei 1.85m.

        Ich glaube, dass du dir anhand deiner langen Referenzliste erlauben kannst, mäkelig zu werden 😀
        Gruß MR

  2. mike schreibt:

    die haltbarkeit des shark ist übrigens sehr gut (abgesehen vom velcro, da muss man schon ein bisschen aufpassen beim anziehen) – habe inzwischen das 3. paar shark in meinem besitz (das erste paar ist inzwischen am ende).

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