Rock Pillars Diamond Kletterschuhe

Kletterschuhe Rock Pillars Diamond im Test

Vorgeschichte

Neue Farbe - Alte Kletterschuhe

Neue Farbe – Alte Kletterschuhe

Meine allererste Begegnung mit den Rock Pillars Kletterschuhen erfolgte bei der Eröffnung der Boulderwelt. Nachdem ich schon völlig offen war, entschied ich mich dazu die Rock Pillars Diamond Kletterschuhe am Teststand zu nehmen und damit zu klettern. Da ich bereits Erfahrung mit dem Testarossa hatte, wusste ich das Diamond eine Kopie ist. Der erste Eindruck war enttäuschend: Viel zu unbequem und unsensibel kamen mir damals diese Kletterschuhe vor. Insgesamt hielt sich die Begeisterung sehr in Grenzen, was die gesamte Produktpalette von Rock Pillars aus meinem Interessenbereich verdrängte. Erst als Rock Pillars Ozone QC so viel positives Feedback bekam, entschied ich mich dazu dieses Modell zu testen. Dieser Test wiederum machte Rock Pillars für mich wieder attraktiv und so gab ich dem nun optisch überarbeiteten Diamond eine Chance sich zu rehabilitieren.

Optik und Verarbeitung

Erstaunlich wie sich das ganze Schwarz auf die Optik auswirkt

Erstaunlich wie sich das ganze Schwarz auf die Optik auswirkt

Man kann die Farben und Applikationen an so einem Kletterschuh beliebig variieren, doch die Form und der Schnitt prägen weiterhin das Bild. Das heißt, egal ob Rot oder Blau man sieht dennoch, dass diese Kletterschuhe eine Nachbildung des Testarossa sind. Mit dieser Kopie befinden sich die Tschechen in bester Gesellschaft, denn selbst Mammut hat seinerzeit mit dem Samurai eine luppenreine Testarossa Nachbildung verkauft. Auch die Franzosen (Andrea Boldrini) haben die „Benchmark“ weiter entwickelt. Aber was heißt schon Kopie?! Sagen wir mal Testarossa hat eine Menge Hersteller inspiriert. Jedenfalls finde ich die Farben deutlich schicker als bei der Vorgängerversion mit ihren Rot-Braunen Tönen. Wem das zu bubihaft ist, der soll getrost zum Original greifen. Dort bleibt schon seit Jahren alles beim Alten. Dynamisch sieht dieser Kletterschuh schon allein durch seine Form aus. Das eine oder andere Detail unterstützt die Optik in dieser Merkmalsausprägung noch zusätzlich. Kurz und knapp: man muss sich überhaupt nicht schämen, wenn man diese Kletterschuhe anhat – das Original finde ich jedoch ansprechender.

Der blaue Farbton ist sicher Geschmacksache

Der blaue Farbton ist sicher Geschmacksache

In Sachen der Verarbeitung und der Qualität der Produktion hält der Diamond den Vergleich zu den Italienern locker stand. Manche der aktuellen La Sportiva Charges sehen zum Teil sogar schlechter aus, als die Produkte von Rock Pillars. Hört sich knallhart an – ist aber Fakt. Die Tschechen können richtig gute und hochwertige Kletterschuhe produzieren. Selbst wenn man von der Gesamtbewertung in Richtung Microanalyse geht, stellt man schnell fest, dass auch hier nichts zu finden ist. Von der ersten bis zu letzten Naht ist alles erstklassig genäht – keine Abschlüsse die einen Büschel bilden, keine lose baumelnden Enden. Das Gleiche gilt für die Verklebungen, der Kleber ist zwar schwarz, aber die Ränder sind so dünn, dass sie kaum wahrnehmbar sind.  Lediglich die Gummierung und deren Schliff weichen vom „europäischen Standard“ ab. In Tschechien mag man es anscheinend etwas derber, so wirken zumindest die Stärke und der Schliff der Rand- und Spannungsgummibänder. Die Sohle wiederum ist tipp top an den Kanten und im sonstigen Verlauf. Insgesamt betrachtet müssen sich die Italiener bzgl. europainternen Konkurrenz langsam massiv Gedanken machen.

Konstruktion

Der Sohlenaufbau ist nicht neu, dafür steifer als...

Der Sohlenaufbau ist nicht neu, dafür steifer als…

Die Konstruktion orientiert sich genau so wie die Optik sehr deutlich am Original. Eine nahezu identisch geschnittene Halbsohle wird mit der Ferse mittels der Spannungsgummibänder im Bereich des Fußgewölbes verbunden. Der Winkel, in dem diese den Fuß unterstützen unterscheidet, sich jedoch von der Mariacher-Schöpfung. Die Ferse ist dafür sehr viel cleverer gummiert. Es ist zwar keine Vollgummikonstruktion, aber dank einer dünnen Beschichtung mit Gummi, eröffnen sich beim Hooken ähnliche Dimensionen wie mit Solution und Team Fersen. Gott sei Dank entscheidet sich Rock Pillars für XS Grip Gummimischung. Die 4mm Stärke dieser sehr präzisen und stabilen Sohle wirken stimmig mit dem gesamten Kletterschuh und bringen gleichzeitig genügend Substanz für langfristigen Einsatz.

Leder -Synthetik und viele Löcher

Leder -Synthetik und viele Löcher

Der vollendete Mix aus den hier verwendeten Materialien hat sich bereits oft bewährt. Er verspricht stabile Passform der Zehenbox, sowie die gleichzeitige Anpassung im Mittelfuß durch den Ledereinsatz. Die asymmetrische Schnürung lässt sich zwar Millimeter genau justieren, aber dieser Prozess dauert einfach seine Zeit. Wer also bereits beim Ansehen solcher Kletterschuhe Panik bekommt, der sollte lieber die Finger von diesem Kletterschuh lassen.  Ich persönlich halte die Vorspannung und Downturn des Diamond für eher mäßig und normal, aber da gehen die Meinungen sicher auseinander. Fakt bleibt, dass Diamond für höchste Ansprüche beim Treten von richtig schlechten Tritten konzipiert wurde. Das sieht man nicht zuletzt an der im Vergleich zu Testarossa etwas steiferen Sohle. Ansonsten gibt es wenig (um nicht zu sagen gar nichts) Neues zu berichten.

Passform und Größe

Asymmetrisch und valgus orientiert

Asymmetrisch und valgus orientiert

Rock Pillars Diamond ist meiner Meinung nach ein ganz kleines bisschen schmaler als Testarossa. Die Passform ist dennoch sehr ähnlich. Für quadratische Füße bleibt Diamond eine gute Wahl. Auch schmale ägyptische  Füße finden im Diamond dank der Schnürung eine ähnlich gute Passform. Nachteil bleibt die „derb“ gehaltene Randgummierung, welche zusammen mit dem ebenfalls eher starken Obermaterial für relativ unbequemen Sitz sorgt. Die Form ist zwar für meinen Fuß wirklich passend, aber das Gummi sowie die Zehenbox drücken ordentlich an ein Paar Stellen, was man spätestens nach 5 Minuten nicht mehr lustig findet. Die von der Sohle auf den Fuß ausgeübte Spannung ist kein Problem, genau so wie der Zug des Fersenspanngummis. Die Achillessehne muss in diesem Kletterschuh nicht leiden. Das Ganze ist natürlich relativ – es dürfte klar sein, dass vom Hersteller selbst im Bereich 9a angesiedelte Kletterschuhe, nicht den Komfort eines Anfänger- oder eines Alpinkletterschuhs aufweisen können.

Diamond Kletterschuhe sind imho etwas schmäler als Testarossa

Diamond Kletterschuhe sind imho etwas schmäler als Testarossa

Ein Vorteil ist für mich das Verhältnis der Länge des Schuhs zu der Länge der Zehenbox. Dies wirkt sich in einer perfekt passenden Größe 42,5 EU aus. Beim La Sportiva hänge ich mittlerweile zwischen der 40 EU und 40,5 EU als Minimalgrößen. Oft ist die 40 zu schmerzhaft und 40,5 wiederum ein ganz kleines bisschen zu lang: sprich der große Zeh wird nicht genügend aufgestellt. Rock Pillars Diamond Kletterschuhe sind da längentechnisch wirklich optimal für meinen verhältnismäßig kurzen großen Zeh. Leider kann ich keine Erfahrung mit der zeitbedingten Dehnung des Materials zum Besten geben. Rock Pillars spricht von etwa ½ Größe, um die sich ihre Kletterschuhe weiten. Sollte dies der Fall sein, fürchte ich wird der Diamond für „Cuting Edge Performance“ an meinem persönlichen Limit zu groß werden. Ob ich mir die Schmerzen in einer 42 EU geben muss, um später evtl. besser da zu stehen, würde ich jetzt im Moment eher verneinen. Momentan fahre ich die Linie: Leiden bringt nichts. Die hier gemachten Angaben zur Dehnung bleiben reine Vermutungen und Annahmen. Was hilft ist an- und ausprobieren. Als Richtwert kann Straßenschuhgröße minus ½ (eng) bis max. minus 1 (minimal) Größe, stehen gelassen werden.

Performance – wie klettern sich diese Kletterschuhe

Die Spitze ist sehr präzise

Die Spitze ist sehr präzise

Was Testarossa für mich etwa unattraktiv machte, ist die eher weiche bis mittelharte Sohle. Als Kletterschuhe für senkrechte Routen bietet mir die Sohle zu wenig Support und lässt meine Füße ermüden. Der Diamond ist da wirklich ein wahr gewordener Traum. Die Sohle bietet die nötige Unterstützung beim Stehen auf kleinen und fußmuskelermüdenden Tritten. Die Präzision ist dabei wirklich gigantisch. Es grenzt fast an die Genauigkeit des Anasazis Lace Up, fühlt sich aber etwas natürlicher an. Dafür drängt die valguslastige Spitze den großen Zeh aber auch in die ungeliebte Position. Die frontalen Stehqualitäten sind quasi – 1A. Auch im Kunstgriffüberhang bleibt die Spitze beim Weiterziehen, an den Tritten stehen. Das ist wirklich erstaunlich, da der Diamond deutlich unflexibler ist als der Testarossa. So richtig Greifen ist zwar nicht drin, aber es funktioniert trotzdem gut, was für mich letzten Endes unter dem Strich zählt.

Das Hinterteil hookt TOP

Das Hinterteil hookt TOP

Leider wirkt sich der Downturn nur sekundär aus – sprich: ich kann keine P3 ähnlich Funktionalität beim Anspannen des Fußes im Schuh wahrnehmen. Dies wäre schön, aber nicht zwingend, denn das Stehen und auch das Ziehen funktionieren im Diamond einwandfrei. Die Ferse ist Top geformt und zweckmäßig gummiert. Die seitliche Beschichtung steigert die Reibung, ohne das Gefühl für die Hook Oberfläche zu beeinträchtigen. Das Platzieren ist sehr gut möglich, beim Belasten bewegte sich mein Fuß zwar minimal im Kletterschuh, was aber nicht zum Misserfolg der Hook-Aktion führte. Hat man sich dran gewöhnt, stellt dieses kleine Spiel gar kein Problem mehr da. Evtl. hätte die Größe wirklich kleiner sein können. Das Toe-Hooken kann man zwar in diesem Modell durchführen aber es darf nicht wahnsinnig viel erwartet werden. Wer Ähnliches wie vom Solution oder Speedster erwartet, wird zu Recht enttäuscht sein. Diamond ist ein Kletterschuh für Routen und sollte nicht mit Boulder Spezialisten verglichen werden. Alles in einem ist mir der Diamond beim Treten fast lieber als Testarossa!

Haltbarkeit

Die Verarbeitung ist Spitze! Da wird nicht viel passieren

Die Verarbeitung ist Spitze! Da wird nicht viel passieren

(Materialstärke + ordentliche Gummimischung) x Leistenform = Potenzial für Haltbarkeit. Der Wert wird dann noch zusätzlich durch die Wandbeschichtung / Felsart sowie die Fußtechnik beeinflusst. Diese Einflussfaktoren hängen im Wesentlichen vom Kletterer ab und können die Haltbarkeit jedes Modells entweder verbessern oder verschlechtern. Die Grundvoraussetzungen für ein langes Leben bringt Rock Pillars Diamond zweifelsfrei mit. Das Randgummi ist dick, die Sohle ist aus XSGrip, welches für mich nach wie vor die Mischung mit dem besten Kompromiss aus Abrieb und Reibung darstellt, die sonstige Verarbeitung ist robust. Auflösungserscheinungen sind sehr unwahrscheinlich und eine Wiederbesohlung fast vorprogrammiert, denn solch einen qualitativ hochwertigen Kletterschuh nicht wieder zu verwenden ist fast schon sträflich.

Empfehlung / Einsatzbereich der Kletterschuhe

Extrem beim frontalen Antreten

Extrem beim frontalen Antreten

Für Rock Pillars Diamond kommt für mich persönlich fast alles infrage, was mit schlechten und kleinen Tritten zu tun hat und wo man nicht am Limit Toe-Hooken können muss. Kurz um: Routenklettern am Fels und in der Halle. Schade das diese Kletterschuhe nur bedingt bequem sind, denn ansonsten würden sie für mich persönlich in diesem Leistungssegment an die Perfektion grenzen. Kommt aus einem Sandstein dominierenden Klettergebiet, wird Diamond wie der Name schon vermuten lässt etwas zu hart und zu unsensibel sein. Kalk und Granit sind dagegen seine Spielwiesen, wo seine gesamten Stärken voll zu Geltung kommen werden. Ich persönlich finde die Schnürung auch im Bouldereinsatz nicht störend. Für wen das ein K.O. Kriterium ist, der sollte tunlichst die Finger von diesem Teil lassen, denn die Justierung der flachen und glatten Schnürsenkel dauert seine Zeit. Da finde ich die Anpassbarkeit des Originals etwas besser. Als kostengünstige und steifere Alternative zu Testarossa sind Diamond Kletterschuhe optimal.

Fazit zu Rock Pillars Diamond

Da gibt es nicht viel zu bemängeln

Da gibt es nicht viel zu bemängeln

Wie auch der Ozone QC hinterlässt Diamond bei mir einen sehr positiven Eindruck. Leider ist er im Vergleich zu seinem Velcro Bruder aus der 9a Familie nicht so bequem, was ein echter Minuspunkt ist. Hat man ihn aber eingetragen entlohnt er einen mit einer tollen Performance beim Treten und Hooken mit der Ferse. Mit diesem Kletterschuh kann man wenig falsch machen, denn für das relativ günstige Geld bekommt ein Modell für höchste Ansprüche und viel Entwicklungspotenzial für die eigene Fußtechnik. Ich bin schon auf das Jahr 2015 gespannt in dem die komplette Kletterschuh-Reihe von Rock Pillars neu auferlegt wird. Ich hoffe nur, dass die momentan als gut hervorgehobene Eigenschaften nicht weg verbessert werden, sondern lediglich beim Komfort etwas nachgebessert wird. Ansonsten würde ich diese Kletterschuhe unverändert lassen und ohne Weiteres jedem empfehlen.

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Weitere Informationen:

[vimeo 83912317]

7 Antworten zu Rock Pillars Diamond Kletterschuhe

  1. Klaus schreibt:

    Bloß danmit du es weißt…der Mammut wurde von RP entwickelt und produziert….erst dann kam der Diamond…die Fans des Samurai schätzen das…leider ist es nicht bekannt…

  2. miguel schreibt:

    woran liegt es wohl, dass die schuhe von ocun (bzw. früher von rock pillars) so schnell ein loch in der sohle haben? das problem tritt nicht nur bei mir auf (also kann es eigentlich nicht nur an der tritt-technik liegen) und führt dazu, dass die schuhe recht schnell unbrauchbar werden (neu besohlt werden können diese schuhe nämlich nicht mehr – habs schon mal versucht und sie wieder zurück bekommen). wenn noch jemand diese erfahrung gemacht hat, könnte man das dem hersteller ja mal mitteilen, damit er darauf reagieren kann…abgesehen davon finde ich die schuhe übrigens super.

    • kletterschuhtest schreibt:

      Aha….interessant. also ich hab solche Erfahrungen nicht gemacht…
      Was heisst bei dir schnell? 6 Monate-6 Wochen. Wie oft klettern und wo?
      Wie lange haben andere Modelle gehalten???
      Wäre interessant es zu wissen. Ich habe bis jetzt noch nix. Von RP Lochanfälligkeit gehört…

      Danke!
      VG

  3. miguel schreibt:

    also meiner meinung nach liegt es daran, dass sich die gummisohle irgendwann von dem darunterliegenden plastik ablöst und dann passiert folgendes: beim drehen des schuhes auf großen hallentritten wird das gummi hin- und hergeschoben, die folge davon ist, dass sich das gummi an dieser stelle schneller abnutzt und irgendwann ein loch in der sohle ist. bei mir ist das inzwischen bei allen rock pillars schuhen passiert (bisher 7 paar), so dass ich die jetzt nicht mehr kaufen werde, obwohl sie mir super passen…

  4. miguel schreibt:

    soo….meine rock pillars diamond (inzwischen heißen sie ja ocun) haben jetzt seit einem knappen jahr eine five-ten-sohle (ich klettere damit 1-2 mal pro woche, zum bouldern hab ich andere schuhe). großartig. bessere reibung und praktisch keine abnutzungserscheinungen bis jetzt (falls sie irgendwann doch noch das böse loch in der mitte der sohle bekommen sollten, werde ich davon berichten – mein letztes paar rock pillars (ozone slipper) mit originalsohle haben inzwischen übrigens auch ein loch.

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