Scarpa Gecko Guide vs. La Sportiva Ganda Guide

Allgemeines

Will man draußen zum klettern, liegt in aller meisten Fällen ein Zustieg vor dem Klettervergnügen. Je nach dem ob man im Mittel- oder Hochgebirge unterwegs ist, hat man unterschiedliche Hürden zu überwinden. Ein Badelatschen kommt für mich persönlich als Zustiegsschuh genau so wenig in Frage, wie ein schwerer Bergstiefel.

Sie sehen nicht nur unterschiedlich aus, sondern sind auch komplett anders

Es geht also alles um die perfekte Mischung zwischen, Gewicht, Stabilität, Komfort, Reibung und Funktionalität. Der Biergarten tauglicher Style rundet letztendlich einen richtig guten Zustiegsschuh ab.

Bei sehr langen, mittelschweren alpinen Routen greifen nicht wenige zu ihren Zustiegsschuhen, um bei mehr Komfort das zusätzliche Gewicht sparen zu können. Dieses Bedürfnis nach einem Kletter-Laufschuh greifen La Sportiva und Scarpa auf und bringen jeweils ein Modell auf den Markt, welche beide Disziplinen perfekt mit einander verbinden sollen.

Aus Interesse an dieser Fusion, habe ich beide mal genauer angeschaut und etwas getestet. Der Vergleich ergab große Unterschiede zwischen Ganda Guide und Gecko Guide, welche nun hier geschildert werden.

Gecko ist etwas auffälliger durch die Orange Töne, während Ganda technischer wirkt

 

Optik, Verarbeitung

Da das Aussehen eher Geschmacksache ist möchte ich höchsten ein eigenes Urteil fällen. Während Scarpa Gecko Guide eher lässiger und legerer wirkt und sich einfachen stilistischen Mittel bedient, fährt La Sportiva Ganda Guide deutlich schwerer Geschütze auf. Ganda Guide ist auffälliger und etwas klobiger als sein Kontrahent, ohne dabei hässlich zu sein. Alles in einem sieht der Schuh von La Sportiva für mich eher nach Berg aus, während Scarpa einen eher alltagstauglichen Look hat.

Die Verarbeitung ist bei beiden aller erste Sahne, da kann ich wirklich keine Unterschiede feststellen. Die Italiener haben es echt drauf…

Aufbau und Features

Das einzige was die beiden Modelle gemeinsam haben ist der etwas höherer Schaft, der in etwa einem leichten Bergschuh entspricht. Gecko ist jedoch ein Tick tiefer geschnitten als der Ganda, welcher in meinem Fall den Knöchel umschliesst.

Eigentlich gleicht dieser Vergleich, der berühmten Äpfel-Birnen Gegenüberstellung. Denn anders als von mir ursprünglich gedacht sind die Gemeinsamkeiten rar.

Beide sind halbhoch – Ganda ist jedoch eint Tick höher geschnitten

Während Ganda Guide ein wirklich (vergleichsweise) stark strukturierter, stabiler und extrem Kanten starker Multitalent ist, entpuppt sich Gecko Guide von Scarpa als ein „weicher, gemütlicher Reibungspatschen“. Die Sohle ist gänzlich unterschiedlich, wie man auf den Bildern sehen kann. Ganda macht da einen robusteren Eindruck, von dem ich mir etwas mehr Halt an einem schlammigen Hang verspreche. Gecko macht seinem Namen alle Ehre und klebt an glatten Oberflächen einfach nur..! Das Geheimnis liegt in den „Mini-Saugnapfen“ dieser Vibram Kreation.

Schnürung funktioniert bei beiden super, obwohl Gecko da innovativer ist

Die Schnürung ist ebenfalls gänzlich unterschiedlich. Bei Ganda geht sie bis ganz nach vorn, während  sie bei Gecko nicht ganz so weit nach vorne geht. Beide, obwohl unterschiedlich aufgebaut, funktionieren einwandfrei und machen den Schuh super fest am Fuß. Besonders gut gefällt mir die Lösung von Scarpa mit den schräg angebrachten Schlaufen, welche die Schnürsenkel abklemmen und die Passform im vorderen Bereich fixiert halten, während man am Einstieg schnell rein und raus kommt. Das tolle an diesem System ist die Einfachheit, denn weder Plastik, noch Metallhacken sind für solch eine tolle Funktionalität notwendig. Die Schnürung von Ganda ist ab Mittelfuß eher schwergängig, und gleicht einem Kletterschuh. Der Einstieg und Ausstieg sind dennoch kein Problem.

Beide Modelle versuchen einen sehr engen, sockenartigen Abschluss des Schaftes, welches Steine im Schuh verhindern soll. Die Lösung von La Sportiva halte ich in meinem Fall für gelungener, wobei Gecko keines Falls schlecht abschneidet. Insgesamt weist Ganda mehr Details auf und ist komplexer gebaut als der „keep it simple“ wirkende Gecko Guide von Scarpa.

Ganda wirkt runder und etwas klobiger, er ist auch deutlich strukturierter

 

Passform und Größe

Beide Schuhe fallen in etwa gleich aus und entsprechend den normalen Straßenschuh Normgrößen. Der Leisten von Ganda ist mehr auf das Klettern, ausgelegt was ich am leichte „Hallux Valgus Schnitt“ unangenehm merkte (irgendwie sind meine Füße für diese Problematik in letzter Zeit etwas empfindlich geworden…). gecko ist etwas breiter im Bereich des Fußballens und läuft etwas spitzer zu als der etwas rundere La Sportiva. Die weiche Struktur des Geckos macht ihn irgendwie gemütlicher, obwohl Ganda ebenfalls sehr bequem ist. Gecko verlangt merklich mehr Fußvolumen als der Ganda, was ich besonders in der breiteren und deshalb bei mir nicht ganz perfekt sitzenden Ferse zu spüren bekomme.

Beide hatte ich in 43.5 EU am Fuß, dabei wirkte Scarpa etwas zu groß. Da es aus weichen Leder ist und in der Zehenbox ohne Fütterung ist, denke ich, dass 43 langfristig besser wäre. La Sportiva sitzt in 43 EU wie ein bequemer Kletterschuh, was für den Part Klettern sicher vom Vorteil ist. Für das Gehen habe ich den festeren Ganda in 43 EU als auf Dauer nicht tragbar empfunden.

Insgesamt ist die Passform unterschiedlich. Dennoch ermöglichen beide Modelle Multipassform durch die Anpassungsmöglichkeiten der Schnürung und des Leders.

Das Sohlenprofil ermöglicht viele Meter und Stunden mit bestem Grip

 

Klettern & Gehen

Sowohl das eine als auch das andere fällt (wenn wundert´s) unterschiedlich aus. Ganda ist eine Leistenmaschine mit super Kantenstabilität und steiferen Sohle. Beim Klettern konnte ich selbst auf kleinen Spax (leider nur Indoor getestet) super entspannt stehen. Ganda erinnerte mich beim Antreten spontan an TC Pro mit einem einem Unterschied: geringere Präzision. Dieses „stabiles“ Gefühl beim Klettern ist draußen 100% vom Vorteil und schont die Füße, sollte man längere Passagen klettern wollen/müssen.

Das Gehen und Steigen fühlt sich ebenfalls super stabil und kontrolliert an. Fr mich persönlich ist die Sohle steif genug, kommt natürlich an „richtige“ Bergstiefel von der Fußentlastung nicht ran. Die Ferse ist kein bisschen kippelig, ich hatte nie das Gefühl umzuknicken. Das Abrollverhalten war in der Ebene super und kam mir im Vergleich zu meinen anderen Bergschuhen flüssiger vor.

Die Saugnapfen des Gecko reiben und saugen phänomenal, die Frage ist nur wie lange

Gecko Guide ist da gänzlich anders! Die weichere Struktur des gesamten Schuhs machen ihn agiler und Fußfreundlicher beim Gehen. Die weichen Kanten standen auf kleinen Spax nicht so gut wie beim Ganda. Trat ich die Spax auf Reibung an, war auch diese Herausforderung machbar. Insgesamt klettert man mit dem Gecko wie ein Gecko eben, viel Auf Reibung, Aufrollen auf die Kanten und einfach kleben bleiben. Hat man diese Technik drauf bekommt man nie das Gefühl, man würde schlecht oder unsicher irgendwo stehen. Ich persönlich war anfangs enttäuscht aber auf den zweiten Blick einfach begeistert von dem natürlichen Gefühl beim Treten und steigen mit dem Gecko. Man klettert von der Technik her mehr oder weniger wie barfuss – mag ich!

Das Gehen ist deutlich weicher und gedämpfter als mit dem stabilen Ganda. Die Dämpfung der Ferse vermittelt einem Das Gefühl als gehe man auf weichen Moos oder so etwas in der Art. Nachteil des weichen Feelings ist die geringere Fußentlastung bei längeren Märschen und die kippeligen Kanten, welche die Gefahr des Umknickens nicht wirklich mindern. Alles in einem wirkte Gecko beim Gehen und Steigen leichter, weicher natürlicher und gefühlvoller als Ganda.

Gecko´s Hinterteil ist etwas breiter und nicht so stabil wie beim Ganda

 

Fazit

Neben dem Einsatzzweck und persönlichen Vorlieben entscheidet für mich die Passform diesen Vergleich. Obwohl Ganda Guide objektiv gesehen die meisten Kategorien für sich entscheidet und im Outdoor Einsatz einfach die sicherere und vielseitigere Wahl ist, werde ich so schnell diesen Schuh nicht kaufen. Der Grund ist der Hallux Valgus Schnitt des Ganda´s, welche bei mir kleine Beschwerden verursacht. Einen kleinen Abstrich muss ich (für mich persönlich) beim Alltagslook machen, ansonsten ist Ganda Guide für liebhaber von leichtem Bergschuhwerk  eine sichere Bank.

Die Passform und das tolle Gefühl machen für mich den Gecko sympathischer und interessanter. Objektiv gesehen ist dieser Schuh für lange Wanderungen zu weich und langfristig „zu dünn besohlt“.

Beide Kontrahenten sind wirklich tolle leichte Bergschuhe für viele Einsatzzwecke mit der Senkrecht-Orientierung. Während La Sportiva auf viel Technologie und Synergie setzt, erreicht Gecko Guide das gesteckte Ziel mit deutlich „simplen“ Konstruktion. Beide sind empfehlenswert. Also ausprobieren!

Weitere Informationen:

Informationen zur Fußform und Passform

Mein Fuß als Anhalt

Testbericht Zustiegsschuh Scarpa Zen

2 Antworten zu Scarpa Gecko Guide vs. La Sportiva Ganda Guide

  1. Ramon schreibt:

    Sorry, aber der Vergleich dieser zwei Schuhe ist verfehlt, wenn man bedenkt, dass es von La Sportiva auch den „normalen“ Ganda gibt, mit der gleichen Schafthöhe wie der Gecko Guide. Dieser punktet mit der gleichen Sohle wie der Gecko Guide und hinterlässt trotzdem einen deutlich solideren Eindruck als der Schuh von Scarpa. Meine persönliches Urteil gibt dem „normalen“ Ganda die eindeutig besseren Noten und lässt den Gecko Guide in fast allen Bereichen klar hinter sich (auch dem Antreten auf Reibung)

    • kletterschuhtest schreibt:

      Hallo Ramon

      vielen Dank für deine Meinung!!!

      Da ich lediglich mein subjektives Empfinden beim „Heimtest“ geschildert habe, hilft deine Information sicher dem einen oder dem anderen bei der Entscheidung. So soll es auch sein.

      Der normale Ganda ist etwas tiefer als der Gecko Guide. Die Sohle ist die gleiche – das stimmt. (Gecko 2012 soll übrigens ein anderes neues Profil bekommen).
      Rein objektiv schlägt Ganda den Gecko in allen Bereichen, da hast völlig recht. Trotzdem hinterliess Gecko bei mir einen sehr positiven Eindruck…so was ist immer schwer in Worte zu fassen…Gefühlssache eben.

      Wäre cool wenn du irgendwann mal was zu der Haltbarkeit vom Ganda posten könntest.

      Gruß

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