Tenaya Oasi Kletterschuhe

 Vorgeschichte zum den Kletterschuhen Tenaya Oasi

Oasi ist anders als die übrigen Tenaya Kletterschuhe

Oasi ist anders als die übrigen Tenaya Kletterschuhe

Lange habe ich mich dagegen gewährt diese Kletterschuhe auszuprobieren. Bereits auf Bildern war für mich klar ersichtlich, dass diese Kletterschuhe nicht zu meinen Füßen passen. Zu lang, zu schmal und zu soft. Nach langem hin und her und einem Versprechen mich mit diesem Modell näher auseinander zu setzen halte ich nun Tenaya Oasi Kletterschuhe in meinen Händen. Der praktische Test hat erstaunlicherweise mehrere positive Aspekte zu Tage gebracht. Einige könnten sich die „großen Firmen“ bei nicht ganz mächtigen spanischen Firma abschauen! Nun zur Sache…

Optik und Verarbeitung

Weiß, blau, schwarz - mehr ist nicht (notwendig)

Weiß, blau, schwarz – mehr ist nicht (notwendig)

Der Kennerblick spuckt sofort das Ergebnis der Analyse aus: ein Solution von La Sportiva nur in Weiß-Blau. In der Tat die Ähnlichkeit ist gegeben. Es ist auch schwer heute ein Kletterschuh im High Performance Bereich nicht wie den Solution aussehen zu lassen. Der Oasi wirkt dennoch schlichter und bodenständiger, als der farbliche Mischmasch des neuen Solutions. Für mich persönlich hätte der blaue Streifen an der Ferse ruhig kräftiger sein können, denn so wirkt der Oasi, zwar dem Namen entsprechend, aber doch mädchenhaft. Weiß hat natürlich den Vorteil der Veredelung der Optik im Neuzustand und den Nachteil der Verschmutzung nach wenigen Malen der Nutzung. So oder so – Oasi Kletterschuhe sind nicht hässlich!

Um das Sprunggelenk auf der Innenseite ist er sehr hoch geschnitten

Um das Sprunggelenk auf der Innenseite ist er sehr hoch geschnitten

Was die Verarbeitung angeht, bin ich sehr positiv überrascht.  Alles ist schick und sauber, genäht, geklebt und geschliffen. Die Spanier haben es einfach drauf – gar keine Diskussion. Das habe ich bei namhafteren Firmen aus aller Welt bereits deutlich gesehen. Rein objektiv gibt es einfach nichts zu meckern. Was bleibt ist ein Bauchgefühl dass dieser Hersteller zwar echt gut ist aber nicht zu meinen Persönlichen Top 3 in Sachen Herstellung gehört. Wobei in letzter Zeit die Qualität in Europa extrem hoch ist und die Standards in der Welt definiert! Alles in einem: Weiter so, die Qualität stimmt – Kurs halten!

Konstruktion

Die Passform ist eher schmal und lang...

Die Passform ist eher schmal und lang…

Als ich Bilder der Sohle gesehen habe, dachte ich mir, dass die Designer hier einfach die Optik über die Funktion gestellt haben, denn sonst konnte ich mir den Ausschnitt in der sonst durchgehenden Sohle nicht erklären. Aber es gibt natürlich auch dafür einen logischen Grund. Ich vermute, dass dahinter der Wunsch nach einer Kombination aus Flexibilität und Stabilität einer durchgehenden Sohle steckte. Tenaya verbaut in diesem Modell zwei Arten von Zeichenkohlen, was einen zusätzlichen Aufwand in der Herstellung bedeutet. Ansonsten ist die Konstruktion nicht so wahnsinnig spektakulär. Etwas unscheinbar aber extrem funktionell sind die Velcro Bänder, die durch einen simplen aber genialen und gut funktionierenden Flaschenzugprinzip, durch einen leichten Zug sehr viel Spannung initiieren können. Dabei kann man die ganz einfach und entspannt in der Länge verstellen. Kein Abschneiden etc. ist mehr notwendig – wirklich an Genialität grenzende Sache!

Tenaya Oasi vh

Schmale und ordentlich geformte Ferse ohne viel Gummi

Die Ferse ist mit dem Fersenzugband sehr hoch gezogen. Was sowohl den Sitz der Ferse saugfähiger macht, aber auch die Einstiegshürde höher setzt.  Reinkommen ist ähnlich „einfach“ wie beim Five Ten Team. Die Ferse ist auch nicht so High Tech mäßig geformt und gummiert, wie es bei der Konkurrenz im Performance Bereich der Fall ist. Wie es in der Praxis zeigen sollte, ist High Tech nicht immer notwendig, um an der Perfektion kratzen zu können. Das Toehook-Patsch ist sehr minimalistisch und verläuft da, wo es idealerweise verlaufen sollte – entlang des großen Zehs. Die kleinen Zehen bleiben frei. Das Randgummi ist geschmeidig und weich, so habe ich kein Problem mit über den Sohlenrand hinausragenden Zehen. Die Solution typische Zunge, die mittlerweile fast überall zu finden ist, ist angenehm, polstert den Druck der Velcros gut ab, hat aber keine Funktion was die Verbesserung der Passform angeht.

Dieses Band hat Spannung, drückt aber nicht übermässig auf die Achillessehne

Dieses Band hat Spannung, drückt aber nicht übermässig auf die Achillessehne

Diese Kletterschuhe sind komplett aus Microfibre – einem künstlichen Material gemacht, ich kann nicht sagen ob es sich dabei um Lorica handelt. Dieses Material ist sehr dünn und ist innen mit einer Art Futter versehen. Dieses ist auch sehr dünn, so dass die Oasi Kletterschuhe einen eher leichten und sensiblen Eindruck machen. Ansonsten halten sich der Downturn und die Vorspannung der 3.5 mm dicken XSGrip Sohle wirklich in Grenzen und sind meiner Einschätzung nach, von nicht ganz so langfristigen Formstabilität wie P3. Alles in einem ist bis auf das Draxtor (Velcro-System) im Grunde nichts Neues dabei. Funktioniert dafür aber alles um so besser!

Passform und Größe

Zehenbox bietet viel Platz für lange Zehen. Perfekt für "Griechen"

Zehenbox bietet viel Platz für lange Zehen. Perfekt für „Griechen“

Nach langem hin und her beim Suchen nach Informationen, setzte ich auf eine Karte und vertraute auf die Aussage „Fällt ähnlich aus wie La Sportiva“. Ich bestellte eine 40,5 EU. Gekommen ist eine 40 EU, beide entsprechen meinen Minimalgrößen (je nach Modell) von La Sportiva. Tenaya Oasi ist somit tatsächlich ähnlich wie La Sportiva einzuordnen. Man muss nur beachten, dass die EU Größen bei Tenaya nicht mit den UK Größen gleich skaliert sind. Bestellt habe ich eine 6,5 UK, mit dem Ziel eine 40,5 EU zu bekommen. Gekommen ist eine 40 EU die aber völlig korrekt, wie in der Bestellung angegeben eine 6,5 UK ist. Es war beim ersten Mal nicht ganz einfach meinen breiten Fuß in diesen doch schmalen Kletterschuh zu bekommen. Das größte Hindernis dabei stellte die sehr hoch geschnittene Ferse. Aber mit Druck und Gewalt geht alles. Nach dem Oasi diesen Gewalt-Test ohne zu reißen überstanden hat, konnte ich mein Schmerz an den kleinen Zehen zelebrieren. Wie bereits vorher analysiert: Eine Form die nicht zu meinem Fuß passt. Wer allerdings lange Zehen (gerne auch griechische Zehenform) in Verbindung mit schmalen Füßen besitzt – wird bei Oasi so richtig glücklich.

Die Ferse ist eher klassisch und verzichtet leider auf Vollgummierung - ich kam dennoch sehr gut zurecht

Die Ferse ist eher klassisch und verzichtet leider auf Vollgummierung – ich kam dennoch sehr gut zurecht

Gott sei Dank gibt das recht dünne künstliche Obermaterial relativ schnell nach, sodass nach 10 Bouldern und 5 Mal aus und an man sich nicht nur um seine Ringbänder keine Sorgen zu machen braucht, sondern auch die Druckstellen in der Zehenbox langsam zu verschwinden beginnen. Kleiner könnte ich diese Kletterschuhe nicht tragen. Ich würde schlicht und einfach nicht reinkommen! Die 40 EU stellt bei mir den großen und den zweiten Zeh kaum auf. Die kleinen werden durch die sehr schmale Form aber ordentlich zusammengedrückt. Wie gesagt lässt dieser Druck mit der Zeit deutlich nach, ohne jedoch gänzlich zu weichen. Die hoch geschnittene Ferse drückt zwar etwas auf die Achillessehne aber beim Bouldern ist es nicht der Rede wert. Sehr geil lässt sich das Volumen dank der zwei Bänder regulieren. Ein Zug und die optimale Fixierung am Fuß sind hergestellt. Oasi ist dank seines weichen, dünnen Obermaterials ein sehr komfortabler Kletterschuh, wenn man nicht komplett unpassende Fußform hat, dann geht er immer noch, aber man muss eine Weile leiden. Da ich weiß, dass es Modelle gibt die mir deutlich besser passen, muss ich mich nicht unnötig quälen.

Performance der Oasi Kletterschuhe

Sohlenkonstruktion ist nicht spektakulär - funktioniert aber prima

Sohlenkonstruktion ist nicht spektakulär – funktioniert aber prima

Die doch eher unspektakulär gebaute Ferse ist überraschend gut. Sie lässt sich durch den weichen Gummi an den Seiten gut am Hook an die Form des selbigen anpassen. Die Reibung dieser Gummiteile ist tadellos, was zum überraschend positiven Ergebnis beim Arbeiten mit der Ferse führt. Die andere Seite beim Hooken schlägt sich ähnlich gut. Die Toe-Hooks sind dank der sehr soften Oberschuhgestaltung wirklich leicht zu legen und zu halten. Man muss nicht soviel gegen den Widerstand des Materials arbeiten und bekommt völlig ausreichende Unterstützung durch das doch etwas spartanische Patch.

Ich weiß nicht ob dieser schmaler Steg tatsächlich was bringt, aber die Sohle funktioniert prächtig!

Ich weiß nicht ob dieser schmaler Steg tatsächlich was bringt, aber die Sohle funktioniert prächtig!

Stehen auf kleinsten Leisten in der Senkrechten ist etwas anstrengend aber gut machbar. Das Gefühl am Tritt ist wirklich gut und ist mehr als bei so manch anderem Top Kletterschuh ausgeprägt. Was ziemlich ist die Präzision. Obwohl mein großer Zeh in der Schuhgeometrie nicht optimal positioniert ist, ließ sich jeder noch so ein fieser Plastiktritt sofort und ohne nach zu justieren treffen. Diese Präzision erinnerte mich an Five Ten Team, welcher in 42,5 EU mit der präziseste Kletterschuh meiner Laufbahn war. Beim Tenaya Oasi mündet alles in einem sicheren Gefühl auf dem Tritt und solidem Stehen ohne Ängste, auf allen möglichen Trittformen und -arten.

Den Vergleich zu Solution und Team kann der Underdog durchaus standhalten

Den Vergleich zu Solution und Team kann der Underdog durchaus standhalten

Das Treten im Überhang ist sehr gut, überraschend präzise, wie auch schon im Senkrechten. Die doch relativ simple konzipierte Sohle weist eine gute Balance zwischen Support und Flexibilität. Selten konnte ich mit einem nicht optimal passenden Kletterschuh gleichermaßen gut mit viel Gewicht an Leisten stehen und im Überhang an Tritten saugen. Die Reibung ist dank der Flexibilität auch gut machbar. Auch hier wie immer, mit der Zeit wird die Sohle weicher und die Reibung entsprechend besser / einfacher zu performen. Natürlich sind das nicht die optimalen Kletterschuhe für Reibungsschleicher Routen. Aber in Standardsituationen beim Bouldern und Routenklettern empfand ich das kurzzeitige durchdrücken auf Reibung als gänzlich unproblematisch. Der kurze Praxistest zeigte KEINE Schwächen – was mich persönlich immer noch erstaunt.

Haltbarkeit

Die Innovation für mich persönlich - das Verschulusssystem

Die Innovation für mich persönlich – das Verschulußsystem

Durch das dünne Obermaterial (Lorica) kann dieser Kletterschuh anfällig für Abrieb sein. Gerade bei stark aufgestellten Zehen und oft vorkommenden Toe-Hook Einsatz an besandeten oder natürlich-agressiven Flächen sind Löcher irgendwann vorprogrammiert. Die Sohle aus XSGrip ist meiner Meinung  nach immer noch eine Spitzenmischung! Die Werte der Haltbarkeit sind im Vergleich zum Abrieb sehr gut und werden auch von den „neumodischen“ Konkurrenten nicht übertroffen.

Wirklich genialer Prinzip - macht wirklich FEST

Wirklich genialer Prinzip – macht wirklich FEST

Einen Schwachpunkt könnten die doch vergleichsweise dünnen Zugbänder des Velcrosystems darstellen. Da aber sowohl die Ösen als auch die Bänder besser dimensioniert sind als beim Solution der Fall ist, kann ich mir nicht vorstellen das es beim Tenaya Oasi zu durchgescheuerten Bändern kommen wird. Was die Haltbarkeit der Verklebungen und Nähte angeht, kann ich leider nur mutmaßen, wie langlebig die Tenaya Kletterschuhe sind. Da bis jetzt nichts negatives über die langfristige Qualität von diesen Produkten zu vernehmen ist, gehe ich davon aus, dass die diese spanischen Kletterschuhe in puncto Haltbarkeit ihr Geld definitiv wert sind.

Fazit & Empfehlung

Im Prinzip wie beim Solution. Macht was es soll!

Im Prinzip wie beim Solution. Macht was es soll!

Tenaya Oasi ist eine Mischung aus La Sportiva Solution und Five Ten Team. Diese Kletterschuhe weisen eine sehr gute Balance zwischen Support und Flexibilität. Dies gepaart mit Präzision und Feingefühl für die Trittoberfläche machen Oasi in Kombination mit den guten Hook Eigenschaften zu einem sehr empfehlenswerten Boulderschuh. Auch in steilen Sportkletterrouten sehe ich bei ihm keine Probleme. Vor allem Kletterer die bis jetzt Probleme mit der Passform hatten, sollten dieses Spitzenmodell aus Spanien ausprobieren.

Ein guter Boulderschuh für "wenig" Geld

Ein guter Boulderschuh für „wenig“ Geld

Für breite Füße und kurze Zehen (wie in meinem Fall) sind diese Kletterschuhe meiner Meinung nach nur bedingt geeignet. Ein ganz großes Lob gibt es von mir für ein intelligentes und super funktionierendes Velcro System, welches tatsächlich die Kletterschuhe bereichert und nicht sinnlos versucht in Richtung „Innovation“ zu pushen. Ein weiteres Lob bekommt die Sohlenkostruktion mit der sehr präzisen, stabilen und sensiblen Spitze – diese drei Sachen so perfekt miteinander zu verbinden gelingt den wenigsten Kletterschuhmachern. Man merkt: obwohl der Oasi mir nicht optimal passt, hat er einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Solche Leistung muss belohnt werden und deshalb kann ich jeden nur ermutigen diese Kletterschuhe auszuprobieren!

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Weitere Informationen zu Oasi Kletterschuhen:

 

4 Antworten zu Tenaya Oasi Kletterschuhe

  1. Yogy schreibt:

    Vielen dank für den objektiven Wunsch-review! Was denkst Du über die Haltbarkeit im Vergleich zu 5.10?

    • kletterschuhtest schreibt:

      Ich kann dir nur meine persönliche Einschätzung abgeben.
      Wenn ich konkret 5.10 Team und Tenaya Oasi Kletterschuhe mit einander vergleichen würde, dann macht haltbarkeitstechnisch 5.10 Team das Rennen… Zumindest im Hinblick auf Gesamtlebensdauer incl. x Wiederbesohlungen. Da macht Oasi einen etwas weniger robusteren Eindruck.
      Aber vielleicht meldet sich jetzt jemand der bereits konkrete Erfahrungen hat?
      VG

  2. Julian schreibt:

    Kann Jemand aus eigener Erfahrung etwas dazu sagen, ob der Oasi sich, und wenn ja wie viel etwa, weitet?

  3. Reinhard schreibt:

    Hallo, habe zufällig das Review gelesen nachdem ich die Schuhe gekauft habe.
    War eine Empfehlung des Verkäufers auf der Suche nach einem guten Allrounder.
    Meine bevorzugte Marke wg. der Passform war bisher Boreal. Überraschend war bei der
    Anprobe die Größe. Meinen Boreal Crux habe ich mit 11,5 und dieser passt mit 10,5.
    Und passen heißt knalleng mit leicht aufgestellten Zehen aber ohne zu schmerzen.
    Ich hatte noch keinen Schuh der beim ersten Mal so toll passte. Scheint für lange Füße wie gemacht zu sein. Das Kletterfeeling draussen im Sandstein war gigantisch. Sensibel auf kleinsten
    Reibungstritten praktisch ohne Einlaufphase wie beim Crux. In der Halle beim Bouldern genauso Topp. Hooken und pressen gehen intuitiv von der Hand. Der Gummi pappt einfach. Normalerweise
    schone ich meine guten Kletterschuhe für die Challenge Routen. Aber der Tenaya ist so toll, dass ich in jetzt ständig trage weil er so viel Spaß macht. Eventuell gibt es noch ein zweites Paar für steile Stehrouten. Da könnte er noch einen Tick enger sein. Mal sehen wie weit er noch nachgibt.
    Für mich war der Schuh jedenfalls eine Entdeckung.
    Danke für das tolle Review. Meine Empfehlung ist auch dem Schuh eine Chance zu geben.

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